Die Arganeraie - Der letzte Zufluchtsort des Arganbaumes

Der Arganbaum

Mit über 80 Millionen Jahren zählt der Arganbaum zu den ältesten Gewächsen der Erde. Heute ist der knochige Baum mit der buschigen ausladenden Baumkrone nur noch im südwestlichen Marokko zu finden. Die Arganeraie, wie der letzte natürliche Verbreitungsort genannt wird, umfasst ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern und ist seit 1998 ein Biosphärenreservat der UNESCO.

Der Ursprung des Arganbaumes

Der Arganbaum, der nur in trockenen wüstenähnlichen Gebieten gedeiht, entstand in einer Zeit, in der das Klima bis ins östliche Europa hinein überwiegend tropisch warm war. Er entwickelte sich während einer frühen Epoche der Erdgeschichte und war damals in allen Wäldern des heutigen Mittelmeerraumes und Nordafrika zu finden.

Bis ca. 1930 wuchs dieser einzigartige Baum noch in Mauretanien, Algerien und vielen Teilen von Südmarokko. Heute ist sein Lebensraum auf ein einzelnes Gebiet, das im hohen Atlas in der Nähe der marokkanischen Stadt Agadir liegt – die Arganeraie-, zusammengeschrumpft. Alle Versuche den Baum an anderen Orten, z. B. in Baumschulen, neu zu züchten, blieben bisher ohne Erfolg. Nur einem Forscherteam aus Israel gelang es bisher, ihn in der Wüste „Negev“ einmal zu pflanzen.

Holz so hart wie Eisen

Der Arganbaum, lateinisch Argonia Spinosa, wird wegen seinem extrem harten Holz auch Eisenholzbaum genannt. Er kann eine Höhe bis zu 12 Metern erreichen und der Umfang der Baumkrone liegt zwischen 50 bis 70 Metern. Wenn er mit der deutschen Eiche verglichen wird, die über tausend Jahre alt werden kann, so ist seine Lebenserwartung mit 150 bis 400 Jahren relativ gering. Nach fünf Jahren trägt er bereits erste Früchte und ist mit 50 bis 60 Jahren am ertragreichsten.

Extreme Trockenheit und hohe Temperaturen machen dem Arganbaum nichts aus, denn seine Wurzeln reichen bis zu 30 Metern in die Tiefe. Regnet es genügend, so bildet er regelmäßig Blüten und Früchte aus. In Perioden der Trockenheit stellt er diese Produktion allerdings ein und konzentriert sich ausschließlich auf sein Überleben.

Die Argannuss, Frucht des Eisenholzbaumes

Aus den Blüten des Arganbaumes reifen die Früchte, die sogenannten Argannüsse, heran. In ihrer Form gleichen sie Oliven, sind aber etwas größer und haben eine gelbliche Färbung. Das Fruchtfleisch ist sehr bitter und deshalb für den Menschen ungenießbar. Es umhüllt einen Kern, der extrem hart ist. In seinem Inneren befinden sich zwei bis drei ölhaltige Samen, die zur Herstellung des Arganöls verwendet werden. In seiner produktivsten Zeit trägt der Baum ca. 40 Kilogramm Früchte, geerntet werden diese in der Zeit zwischen Mai und September.

Die Nutzung des Arganbaumes

Die Bäume der Arganeraie sichern den Lebensunterhalt der Berber, die in und um sie herum leben, weshalb sie von ihnen auch „Bäume des Lebens“ genannt werden. Die daraus gewonnenen Produkte Arganöl, Holz und Tierfutter bedeuten eine wichtige Einnahmequelle für sie.

In Handarbeit stellen die Berber-Frauen das hochwertige Arganöl her, das in der Kosmetik, Medizin und als Speiseöl Verwendung findet. Es zählt zu den teuersten Ölen der Welt. Die Früchte dürfen nur gesammelt, auf keinen Fall gepflückt werden, da sie zu unterschiedlichen Zeit reif sind. Deshalb ist das Aufsammeln nicht nur die schonendste, sondern auch die effektivste Methode.

Obwohl das Fruchtfleisch wegen seinem bitteren Geschmack nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, dient es aufgrund des hohen Glukose- und Eiweißgehaltes als Kraftfutter für Tiere.

Das Bewirtschaften der Arganeraie wird durch das Nutzungsrecht geregelt, da sich die Wälder in erste Linie in Staats- oder Kommunaleigentum befinden.

Neben ihrer wirtschafltlichen Funktion sind die Arganwälder ebenfalls von Bedeutung, wenn es darum geht, das Entstehen von Wüsten aufzuhalten. Wie ein grüner Schutzwall verhindern sie eine fortschreitende Versteppung, indem die mit ihren ausladenden Baumkronen anderen Pflanzen und Büschen Schatten spenden und sie so vor dem Verbrennen durch die Sonne bewahren.

Tiere – Gefahr oder hilfreich für die natürliche Weiterverbreitung?

Um nicht von zahlreichen Tieren zerfressen zu werden, schützt sich der Arganbaum mit tausenden von Dornen. Nur das Dromedar bleibt davon unbeeindruckt, denn die Hornhaut in seinem Maul macht es möglich, dass es auch diese spitzen Pflanzeteile fressen kann.

Ebenso hat sich die Ziege der zunehmenden Versteppung und dem dadurch bedingtem Mangel an Futterpflanzen angepasst, indem sie das Klettern in die Arganbäume erlernte, um sich von seinen Blättern und Früchten ernähren zu können.

Im gewissen Grade sorgen beide Tierarten für eine Weiterverbreitung des Baumes, denn sie fressen die Blätter und Früchte nicht nur, sondern scheiden den Samen wieder aus. Trotzdem sehen Biologen das Ganze kritisch, denn sie glauben, dass Dromedar und Ziege einen weitaus größeren Nutzen vom Baum als Futterquelle haben, als dieser für seine Vermehrung.

Eindeutig hilfreich ist dagegen das Atlashörnchen. Schon immer bildet es mit den Arganbäumen eine Symbiose, indem es die Früchte zur Vorratshaltung vergräbt und die Futterverstecke dann teilweise vergisst, so dass an diesen Stellen wieder neue Arganbäume wachsen können.

Aber nicht nur Tiere tragen zur Erhaltung der Arganeraie bei, seit den 90er Jahren wird dort viel Wert auf die schonende Nutzung der Arganwälder gelegt. Im Vordergrund steht dabei, diese einzigartige Ressource zwar gut zu nutzen, sie aber gleichzeitig vor einer langfristigen Zerstörung zu bewahren.
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Ralf Peterssen aus Altdorf | 17.02.2017 | 02:34   Melden
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