„arbeit erlangen“: Perspektive für Menschen mit Behinderung

Symbolfoto: © StockPhotoPro/Fotolia.com

ERLANGEN (pm/mue) - Christian Niering ist sichtbar stolz, Mitarbeiter der Vorrath Unternehmensgruppe in Erlangen zu sein. Seit zwei Jahren erledigt er dort Hausmeistertätigkeiten, seit Mai 2015 ist er fest angestellt. Auf den ersten Blick nichts Besonderes – für Menschen mit Behinderung bzw. Lernbehinderung allerdings schon.


Die Regnitz-Werkstätten der Lebenshilfe Erlangen hatten bereits vor einigen Jahren das Projekt „arbeit erlangen“ ins Leben gerufen, und Christian Niering gehört zu jenen, die durch dieses Engagement den Sprung von der Werkstatt auf den freien Arbeitsmarkt geschafft haben. Das A und O ist dabei natürlich, Firmen zu gewinnen, die einem Menschen mit Behinderung zunächst die Möglichkeit eines Praktikums bieten.

Diese Chance hatte Christian Niering bei Vorrath bekommen – und am Ende stand der sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz. Jens Vorrath, innerhalb der Unternehmensgruppe für den Hausmeisterdienst verantwortlich, lobt seinen Mitarbeiter: „Er ist sehr zuverlässig, immer pünktlich und kommt mit seinen Teamkollegen bestens zurecht.“ Christinan Niering nickt: „Die Kollegen sind alle nett, und es ist gut hier.“ Er bildet mit zwei anderen ein Team – der ehemalige Werkstattmitarbeiter ist für die Gartenpflege, Kontrollgänge in den Treppenhäusern der Wohnanlagen und für kleinere Reparaturen zuständig. Winterdienst gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben – auch am Wochenende. Da heißt es dann im Falle des Falles, um 4.00 Uhr vor Ort zu sein. Jens Vorrath betont, dass der 32-jährige als ganz normaler Mitarbeiter behandelt wird und von allen anerkannt ist, auch von der „Büromannschaft“. Selbstredend ist er auch bei allen Betriebsfeiern mit dabei.

„Einen Versuch ist es allemal wert“

Neben Christian Niering haben im vergangenen Jahr zwei weitere, ehemalige Werkstattmitarbeiter eine Festanstellung gefunden: Vera Rauscher als hauswirtschaftliche Helferin bei einem Reinigungsdienst und Tobias Aust als Helfer in einer Schreinerei. Mit diesem Ergebnis ist Gregor Habermann von „arbeit erlangen“ sehr zufrieden, denn nach wie vor empfinden es manche Arbeitgeber als gewisses Risiko, Menschen mit Behinderung einzustellen. Jens Vorrath kann das zwar verstehen, meint jedoch, dass es allemal einen Versuch wert sei. Um Christian Niering noch besser kennenzulernen, wurde sein zuerst auf drei Monate angesetztes Praktikum auf ein halbes Jahr verlängert. „Man muss generell wissen, worauf man sich einlässt – und es muss auch menschlich passen.“ Martina Vorrath, Inhaberin der Firma, und ihr Mann haben jedenfalls keinen Zweifel, mit dem ehemaligen Werkstattmitarbeiter die richtige Wahl getroffen zu haben.
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