Blaualgen im Dechser? Boot fahren geht immer!

Trotz Blaualgen im Dechser: Boot fahren geht immer. Foto: Uwe Müller
 
Regelmäßigkeit ist wichtig: Das Wasser im Dechser wird von Reiner Lennemann (l.) und Christian Lenk in Augenschein genommen. Foto: Uwe Müller
DECHSENDORF (mue) - Zum Dechsendorfer Weiher kommen jährlich etwa 100.000 Besucher zum Wandern, Grillen oder Baden. Dumm, wenn mitten im Sommer – wie vor kurzem wieder – ein Schwimm- bzw. Badeverbot ausgesprochen werden muss.

Reiner Lennemann, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Energiefragen und Christian Lenk, seitens des Sportamtes Vorarbeiter für den Dechsendorfer Weiher beschwichtigen: Alles reine Vorsichtsmaßnahme! Und sie erklären: Blaualgen tragen einen irreführenden Namen, da es sich hierbei um Bakterien handelt, die jedoch Fotosynthese betreiben. Über 500 Arten gibt es, darunter giftige und ungiftige. In beiden Fällen wurden bereits Arten im Dechser nachgewiesen; das Thema selbst wird jedes Jahr wieder aktuell. Reiner Lennemann: „Gründe für eine starke Vermehrung von Blaualgen sind Sonnenlicht, Wärme, wenig Wind – begünstigt stehendes Wasser – sowie auch verschiedene Wasserpflanzen.“ Erst wenn die Konzentration vorgegebene Grenzwerte überschreitet, muss ein Badeverbot ausgesprochen werden. Aus diesem Grund wird das Wasser täglich in Augenschein genommen. Christian Lenk: „Ist mit bloßem Auge ein deutliches Blaualgenvorkommen erkennbar, wird das Wasser im Labor untersucht.“

Probleme bereiten Blaualgen dem Menschen in der Regel auf der Haut – bei Kontakt kann es Reizungen geben, und zwar je nach Konzentration bzw. Haut-Typ stärker oder schwächer. Und nur, wenn bei hoher Konzentration eine erhebliche Menge Wasser geschluckt wird, kann es zu körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen u.dgl. kommen. Damit das aber gar nicht erst passiert, werden die gültigen Grenzwerte bewusst niedrig angesetzt, sodass in der Regel eigentlich keine nennenswerte Gefahr in Verzug ist. Reiner Lenk: „Ob sich Badegäste dann allerdings an das Verbot halten oder nicht, ist ihre Sache allein. Die Stadt haftet dann in keinem Fall.“ Zu beachten ist, dass ein Verbot jeweils wirklich nur für das Baden bzw. Schwimmen gilt – Bootsfahrten beispielsweise sind kein Problem.

Auf Grund der Menge an verschiedenen Varianten, in denen Blaualgen vorkommen können, wird man das Thema wohl nie komplett vom Tisch bekommen, gelten die Bakterien doch als wahre Überlebenskünstler, die es bereits seit zirka 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde gibt. Aber man kann ihr Auftreten bzw. ihre Vermehrung deutlich eindämmen – in Dechsendorf hat man zu diesem Zweck den Röttenbach umgeleitet. Floss dieser vorher direkt hindurch, wurde er für 1,2 Millionen Euro vom Zwischendamm aus auf einer Länge von 1,6 Kilometern um den Weiher herum geleitet und fliest seit knapp zwei Jahren erst im Unterwasser wieder ein. Dadurch kann die Wasserqualität im Dechser weiter positiv beeinflusst werden, indem schlicht und ergreifend nicht jeder Dreck durchgeschleust wird. Generell wird jedoch um Verständnis gebeten, dass die Natur ihre Zeit braucht. Amtsleiter Lennemann: „Messbare Erfolge stellen sich natürlich nicht gleich von einem Jahr auf das andere ein. Aber wir sind guter Dinge, dass sich hier durch verbesserte Gewässerstruktur ein stabiles ökologisches System entwickelt.“ Auch das bisher alljährliche Ablassen des Weihers soll aus diesem Grund bald der Vergangenheit angehören.
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