Eine neue Perspektive für Raghad

Prof. Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologie des Uni-Klinikums Erlangen, untersucht die kleine Raghad, die immer Vater Ayman an ihrer Seite hat. (Foto: Uni-Klinikum Erlangen)
 
„Uns wurde ein neues, besonderes Leben geschenkt. Das ist ein Geschenk des Himmels“, dankt Vater Ayman allen Beteiligten, die dazu beigetragen haben, das Leben seiner Tochter Raghad zu retten. (Foto: Uni-Klinikum Erlangen)
Kleines Mädchen aus Syrien in Erlangen an angeborenem Herzfehler operiert – großes Engagement bayerischer Bürger

ERLANGEN (pm/nf) - Aus großen runden Augen blickt die kleine Raghad in die Welt und verfolgt neugierig, was um sie herum passiert. Dass das gerade einmal vier Monate alte Mädchen so munter ist und sein Vater Ayman wieder lächeln kann, ist großem zivilen Engagement und der Aktion „Kinderherz-OP“ des Universitätsklinikums Erlangen zu verdanken.


Denn Raghad kam im April 2015 in Sasa (Syrien) mit einem schweren Herzfehler zur Welt. „Die Hauptschlagaderklappe und die Hauptschlagader selbst waren hochgradig verengt. Fast das gesamte Blut staute sich in der linken Herzkammer und der Vorkammer des Herzens“, erläutert Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, den Herzfehler, den das Kinderherzteam mit zwei mehrstündigen Eingriffen größtenteils beheben konnte. Die Hauptschlagaderklappenverengung wurde im Herzkatheterlabor mit einem Ballonkatheter beseitigt und die Hauptschlagaderverengung tags darauf erfolgreich operiert. „Raghad war kritisch krank und ohne diese beiden Notfalleingriffe hätte sie jeden Tag sterben können – nun haben Raghad und ihre Familie eine neue Perspektive“, freut sich Prof. Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, in der das Kind seit seinem Eintreffen behandelt wird.

Der Weg von Sasa nach Erlangen war weit und führte über Oberbayern: Denn dort wurde die Bad Tölzerin Elisabeth Sellmaier über Bekannte auf Raghad aufmerksam. Das Schicksal des kleinen Mädchens und seiner Familie rührte Elisabeth Sellmaier, selbst Mutter eines dreijährigen Jungen. Die Durchführung der lebensrettenden Operation ist derzeit in Syrien allerdings undenkbar und mit dem Verkauf seines Ladens für rezeptfreie Arzneimittel konnte der Vater lediglich die Kosten für die beschwerliche Reise nach Deutschland abdecken. Deshalb setzte die Bad Tölzerin sprichwörtlich Himmel und Hölle in Bewegung. In der Hugenottenstadt erhielt sie Unterstützung vom Verein „Erlangen hilft“, der seine langjährige Erfahrung und praktische Hilfestellungen vor Ort einbrachte. Nach wochenlangen Bemühungen war es dann spätabends am 12. August 2015 endlich so weit: Tochter und Vater wurden in der Erlanger Kinderkardiologie von Ärzten, Gesundheits- und Krankenpflegern in Empfang genommen.

Auf ihrer langen Reise, die mehrmals zu scheitern drohte, wurde Raghad anfangs noch von beiden Eltern, aufgrund von Schwierigkeiten an der Grenze zum Libanon schließlich nur noch vom Vater begleitet. Während dieser vom Ronald McDonald Haus Erlangen aufgenommen wurde und so viel Zeit wie möglich am Krankenbett seiner Tochter verbrachte, ging das Hoffen und Bangen für Mutter Ghufran und die zehnjährige Schwester Riem in Syrien weiter. „Umso schöner, als wir den beiden Ende August endlich die gute Nachricht übermitteln konnten, dass Raghad die vielen Eingriffe gut überstanden hat und inzwischen von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden konnte“, sagt Dr. Faidi Omar Mahmoud von „Erlangen hilft“. Voraussichtlich Anfang September kann das Mädchen entlassen werden. „Unsere Gefühle sind unbeschreiblich“, spricht Vater Ayman für die Familie. „Die vergangenen vier Monate waren ein einziges Drama. Aber jetzt sind wir sehr glücklich.“

Aktion Kinderherz-OP

Die Aktion „Kinderherz-OP“ ist eine Initiative der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Universitätsklinikums Erlangen. Ihr Ziel: bedürftige, schwer herzkranke Kinder aus dem Ausland in Erlangen zu heilen. Dieses Ziel kann das Uni-Klinikum Erlangen als Anstalt des öffentlichen Rechts nicht aus eigenen Mitteln finanzieren und ist deshalb auf Spenden angewiesen. Die Spendengelder werden ohne Abzug von Verwaltungskosten, Kontogebühren oder Sonderhonoraren ausschließlich für die medizinische Behandlung verwendet.
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