Mehr Unterstützung durch Freistaat gefordert

Landrat Eberhard Irlinger beim Besuch einer Familie aus Tschetschenien in Höchstadt. Hinten links: Kreisrätin und Hausherrin Irmgard Conrad. Foto: oh/LRA ERH

HÖCHSTADT (pm/mue) - „Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“, heißt es in der biblischen Weihnachtsgeschichte“. Eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, die heute aktueller ist denn je.


Auch dem Landkreis Erlangen-Höchstadt hat die zuständige Regierung von Mittelfranken Menschen zur Unterbringung zugewiesen. „Es war alles andere als einfach, eine Bleibe für diese Asylsuchenden zu finden“, so Landrat Eberhard Irlinger beim Besuch einer Familie aus Tschetschenien, die in Höchstadt untergekommen ist. Zusammen mit seinen beiden Söhnen konnte das Ehepaar, das aus politischen Gründen die Heimat verlassen musste, eine kleine Wohnung im Haus von Kreisrätin Irmgard Conrad beziehen.

Mittlerweile gibt es in Höchstadt auch eine Gemeinschaftsunterkunft, in der 93 Asylbewerberinnen und Asylbewerber (2 Kinder, 22 Frauen, 70 Männer) leben. Zudem konnten in Heßdorf dezentral 23 Asylbewerber untergebracht werden, die vorwiegend aus dem Iran und dem Irak kommen. In einem weiteren Heßdorfer Gasthof fanden 19 Asylbewerber, unter anderem aus dem Kosovo, Afghanistan und Serbien einen Platz, und auch in Möhrendorf leben mittlerweile 18 Asylbewerber, die überwiegend aus Russland und Pakistan stammen, ebenso wie die nunmehr 20 Asylbewerber, die man in Gremsdorf unterbringen konnte. Im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Weingartsgreuth lebt seit kurzem eine sechsköpfige syrische Familie und in einer Privatwohnung in Eckental / Forth hat eine weitere sechsköpfige Familie aus Russland eine Bleibe gefunden. Schließlich gibt es noch die Räumlichkeiten des Pfarramtes St. Josef in Niederndorf, wo eine neunköpfige Familie aus Bosnien-Herzegowina eingezogen ist. „Ich bin sehr froh, dass sich unsere Gemeinden mittlerweile der Herausforderung, Asylbewerber unterzubringen, stellen und dass auch immer mehr Landkreisbürger die menschliche Seite dieses Problems sehen“, freut sich der Landrat. So werden an vielen Orten Sachspenden gesammelt, um den Asylsuchenden das Leben in einem fremden Land etwas zu erleichtern. „Wichtig ist auch, dass die Menschen die Möglichkeit haben, möglichst rasch Deutsch zu lernen – und vielleicht findet sich auch der eine oder andere Sportverein, in dem sich die Kinder austoben können“, hofft der Landrat.

„Aber zu allererst ist natürlich der Staat gefordert: Die Gemeinden brauchen Unterstützung, besonders im Bereich der Sozialbetreuung“, so Irlinger weiter. Auch die Prüfverfahren für die Einwanderer müssten seiner Meinung nach menschenwürdiger werden. Zudem sollte mehr als bisher versucht werden, die Fluchtursachen zu beseitigen: durch eine andere Wirtschaftspolitik, die den armen Ländern mehr Chancen gibt.
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