Ibn al-Arabi: zum 850. Geburtstag des Mystikers und Poeten

Der Mystiker Ibn al-Arabi (Foto: Wikipedia)

Ende des Monats treffen sich Schriftsteller und Literaten beim Erlanger Poetenfest, doch Poeten und Lyriker haben es in der heutigen Zeit nicht leicht. Im Mittelalter des 12. Jahrhunderts war es anders, besonders in Südspanien und Nordafrika. Vor 850 Jahren, am 7. August 1165, wurde „der größte Meister“ in Murcia, in Andalusien geboren - der Mystiker Abu Bakr Mohammed ibn Ali al-Arabi al Hatimi at-Tai, besser bekannt als Ibn al-Arabi.

Die mehr als 400 Bücher und seine Poesie prägten die islamische Mystik ebenso wie die christliche. Die türkischen Derwischtraditionen wurden von seinen Erkenntnissen beeinflusst und seine Lehren beschäftigten den Religionsphilosophen Raimundus Lullus aus Mallorca und viele andere. Mit seinen Erkenntnissen bewegte er sich zwischen Mystik und Philosophie. Er wurde als bedeutendster Gelehrter seiner Zeit gesehen.

Ibn al-Arabis Familie wanderte mit der arabischen Ausbreitung aus dem Yemen nach Spanien ein und gehörte zu den Vornehmen in Andalusien. Sie bekleideten hohe Ämter. Als Almohaden im 12. Jahrhundert ihre Herrschaft über den ganzen Maghreb und Spanien ausdehnten und zur kulturellen Blüte brachten, zog die Familie nach Sevilla um, da der Vater eine Stellung in der Verwaltung antrat, wie auch später sein Sohn Abu Bakr Mohammed.
Schon sein Vater war mit dem Arzt und Philosophen Ibn Rushd (Averroes) bekannt und einer seiner Onkel war in Algerien ein angesehener Asket, ein zweiter Onkel mütterlicherseits Yahia ibn Thugham war Emir von Tlemcen in Westalgerien. Dieser wurde durch ein Schlüsselerlebnis selbst zu einem angesehenen Sufi. Ibn Arabis großes Vorbild war der große Mystiker Abou Madyan aus Bejaia, der als Sidi Boumedienne noch heute in Algerien und weiten Teilen des Maghreb verehrt wird und dessen Moschee und Mausoleum in Tlemcen von vielen Pilgern besucht wird.

Ibn Rushd lernte den jungen Ibn al-Arabi kennen und war von dessen Verstand beeindruckt. Al-Arabi hatte als Kind während einer schweren Krankheit Visionen, die sein Leben prägten und ihn zum Sufismus führten. Er studierte Islamisches Recht, den Koran und seine Auslegungen.

1201 verließ er Spanien. Während seiner Reise, deren Hauptziel Mekka war, durchquerte er das heutige Marokko, Algerien und Tunesien, die damals zum Almohadenreich gehörten. Weiter besuchte er Alexandria und Kairo bevor er in Mekka ankam und sich einige Jahre dort niederließ. Hier schrieb er eines seiner bekanntesten Bücher „Brief aus der heiligen Stadt“ mit Biographien wichtiger Persönlichkeiten, die sein Leben beeinflussten. Darunter waren Asketen, Heiler, Seher, Prediger, Mystiker, Gläubige, Mönche, Glaubenskämpfer und Eremiten, Frauen und Männer. Er beschrieb deren Übungen des Schweigens, der Nachtwachen, des Fastens, der Erleuchtung und Ekstase.
Im Hause seines persischen Gastgebers traf er auf dessen Tochter, die ihn durch ihre geistige Bildung und Schönheit zur Dichtung von erotischen Versen beflügelte (Übersetzer des Liebesverlangens).

Er reiste nach Konya, Bagdad und nochmal nach Mekka bevor er sich 1223 in Damaskus niederließ.
Für Ibn Arabi kommt das Wissen durch die von Gott herkommende Offenbarung des Propheten Mohammed im Koran, durch Wissen, das durch Vernunft erworben wird und durch den Geschmack und der Farben. In seinen philosophischen Schriften beschäftigte er sich mit mystischer Erleuchtung. Für ihn ist Gott das eine Licht, das sich dem Menschen in allen Dingen, in seinem ewigen Atem zeigt.

In seinen Lehren nehmen Frauen einen hohen Rang ein. Ibn Arabi war mehrmals verheiratet. In Cordoba waren zwei Frauen unter seinen Lehrern der Mystik. Er glaubte, dass Gott durch das Weibliche eher zu erkennen sei als durch den Mann.
Für die Mystiker seiner Schule wird die Frau zur vollkommensten Manifestation göttlicher Schönheit und Huld. Die Liebe zu Frauen ist gottgegeben, sagte der Prophet Mohammed, und es sind die Mütter und damit die Frauen, die die größte Verehrung und Dank verdienen.

Die Tradition der Sufi-Mystik lebt heute in Marokko durch die Marabouts und Heiligenverehrung weiter. Am 16. November 1240 starb Ibn al-Arabi „der größte Meister“ (al-Shaykh al-Akbar) in Damaskus. Sein Grab wurde zur Pilgerstätte für Mystiker und Sufis aus aller Welt.

Mal ist es eine Wiese, wo weiden Gazellen
Mal ist es ein Kloster mit Mönchen der Christen;
Mal ist es ist ein Tempel der Bilder;
Mal ist es die Kaaba der Pilger;
Mal sind es Tafeln der Thora;
Mal ist es das Buch des Qur'an.

Ich will die Religion der Liebe sehen:
Welchen Weg auch immer die Kamele gehen.
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