Zum 150. Todestag des Poeten und Orientalisten Friedrich Rückert

Erlangen, Gedenktafel, B.Agada
 
Erlangen, Südliche Stadtmauerstraße, B.Agada

Am 31. Januar 2016 jährt sich der Todestag des großen Dichter-Gelehrten zum 150. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltet die Rückert Gesellschaft e.V. in Schweinfurt, Erlangen und Coburg Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Konzerte.

Ein Philologe beschäftigt sich aus „Liebe zur Sprache“ übersetzend, sprachwissenschaftlich und lehrend mit der Literatur eines Landes, der Orientalist spezialisiert sich dabei auf Sprachen des Nahen und Fernen Ostens. Friedrich Rückert tat dies mit 44 Sprachen, darunter Afghanisch, Altäthiopisch, Koptisch, Berbersprachen, Sanskrit oder Malaiisch! Obwohl er betonte, dass er eigentlich nur deshalb Orientalist wurde, „weil ein Poet keine Familie ernähren kann“ und diese Familie war groß. Mit seiner Frau Luise hatte er 10 Kinder, wovon drei ganz jung starben. Vor allem für sie dichtete er die „Kindertodtenlieder“.

Von 1826 bis 1841 lehrte Friedrich Rückert als ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen an der Universität in Erlangen. Sechs seiner zehn Kinder wurden hier geboren. An den Aufenthalt in Erlangen erinnern die Friedrich Rückert Schule, das Brunnendenkmal im Schlossgarten, die Friedrich- und Rückertstraße und eine Gedenktafel in der Südlichen Stadtmauerstraße 28 (Deutsch-Französisches Institut). Dreimal zog die Familie innerhalb der Stadt um, zuerst von der Dreikönigsstraße in die Goethestraße, dann in die Südliche Stadtmauerstraße und zurück in die Goethestraße. Während dieser Zeit musste Rückert mehrere schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Ein Kind starb wenige Tage nach der Geburt, zwei Kinder starben an Scharlach, 1835 seine jüngere Schwester Maria, im selben Jahr auch seine Mutter.
1859 wurde Friedrich Rückert Ehrenmitglied im „Pegnesischen Blumenorden“ der Nürnberger Sprach- und Literaturgesellschaft.

Im Wallstein Verlag wurde das Buch der Islamwissenschaftlerin Prof. Annemarie Schimmel (1922-2003) „Friedrich Rückert - Lebensbild und Einführung in sein Werk“ von Rudolf Kreutner, Geschäftsführer der Friedrich-Rückert-Gesellschaft, neu aufgelegt und nun veröffentlicht.
In dem Buch zeichnet die Autorin den Lebensweg dieses bedeutenden Dichters und Orientalisten nach. Er wurde am 16. Mai 1788, ein Jahr vor der französischen Revolution in Schweinfurt geboren. Rückert erlebte schon früh unruhige Zeiten mit der Einnahme Frankens durch Bayern 1806, den deutschen Freiheitskriegen 1812-13, den Ägyptenfeldzug Napoleons und dessen Eroberungen. Er stellte sich dichtend und schreibend gegen Napoleon (Geharnischte Sonette 1814).

Friedrich Rückerts Zeitgenossen waren u.a. Goethe, Schiller, Herder, Jean Paul, von Eichendorff und Gustav Schwab (Griechische Heldensagen). Die „deutsche Literatur hatte ihren Höhepunkt erreicht“. Antoine Gallands Übersetzung der „Märchen aus 1001 Nacht“ löste Anfang des 18. Jahrhunderts eine Morgenland-Begeisterung aus. Das Bild des „blinden Hasses gegen den Islam“, das sich gerade jetzt, nach 200 Jahren, leider erneut wiederholt, wurde durch die Aufklärung neu geformt. Dichter, Maler, Musiker und Reisende lösten eine verklärende Begeisterung für den romantischen Orient aus. Goethe widmete sich Hafiz und dem „West-Östlichen Diwan“, J.J. Reiske gab Studien zur arabischen Grammatik und Literatur heraus. Wiener Orientalisten, wie Joseph von Hammer-Purgstall übersetzten arabische Literatur und auf dem Rückweg seines Italienaufenthalts lernte Friedrich Rückert bei ihm Arabisch und etwas Türkisch.

Friedrich Rückert konnte sich aufgrund seines Talentes zum Dichten in die Gedichtformen anderer Sprachen sehr gut hineindenken. Er übersetzte meisterhaft die kompliziertesten Kompositionen der persischen und arabischen Dichter unter Beibehaltung der originalen Wortspiele. Besonderen Wert legte Rückert auf die persische und arabische Versform der Ghaselen. Diese benutzten persische Poeten wie Hafiz und Dschalalluddin Rumi, deren Werke er übertrug. Auch von Rumi ist kürzlich ein neues Buch „Traumbild des Herzens" mit einhundert Lebensweisheiten islamischer Mystik im Manesse-Verlag erschienen.

1822 erschien sein Gedichtband „Östliche Rosen“ mit persischen Ghaselen nach Hafiz. 1838 und 1839 erschien sein großes Lehrgedicht „Die Weisheit des Brahmanen“ in sechs Bänden. Eines seiner Meisterwerke ist die Übertragung und Nachdichtung der „Verwandlungen des Abu Seid von Serug“ oder „Makamen des Harari“ aus dem Arabischen. Den Koran übersetzte er in Auszügen.

Von 1841 bis 1848 lehrte Friedrich Rückert in Berlin, bevor er sich auf seinem Landgut in Neuses bei Coburg in den Ruhestand begab und auf dem Goldberg in sein Refugium zurückzog.
Seine Dichtungen und orientalischen Studien setzte er fort. Er übersetzte Saadi’s „Bostan“ (Der Duftgarten 1882) und das persische Königsbuch „Schahname“ von Firdosi. Friedrich Rückerts Anliegen war die Völkerverständigung in Ost und West, zu der er mit seinen Übersetzungen und Nachdichtungen entscheidend beitrug:

„Dass über Bildung Gang
die Menschheit sich verständige,
dazu wirkt jeder Urweltsklang,
den ich verdeutschend bändige.“

Am 31. Januar 1866 starb Friedrich Rückert in Neuses bei Coburg.


Rezension des Buches "Friedrich Rückert" finden Sie hier

Ebenfalls neu erschienen ist: ´"Friedrich Rückert - Gedichte" im Reclam Verlag

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