100 Jahre Lokalbahn Ebermannstadt – Heiligenstadt

1924 ging diese alte Ansichtskarte von Gasseldorf nach Nürnberg. Wir sehen einen Güterzug mit Personenbeförderung auf der Fahrt nach Ebermannstadt. Hinter dem Bahnhof schwach zu erkennen die 1922 eröffnete Strecke nach Muggendorf. Sammlung Günther Klebes
 
Fast könnte man sagen: Triebwagenersatzverkehr. Lokomotive der Baureihe 86 mit Beiwagen in den fünzfiger Jahren bei der Ausfahrt aus Heiligenstadt. Foto Köchel, Sammlung Klebes
Das Geburtstagskind ist bereits tot

Vor nunmehr bald 125 Jahren eröffneten die Königlich Bayerische Staatseisenbahnen die knapp fünfzehn Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Forchheim nach Ebermannstadt. Schon damals plante man den Weiterbau durch das Wiesenttal in die Fränkische Schweiz, doch verzögerte sich die Fertigstellung um Jahre.

Zunächst realisiert wurde der Bau nach dem 11 Kilometer entfernten Heiligenstadt im Landkreis Bamberg.

Es dauerte aber noch 24 Jahre bis die Strecke eröffnet wurde. Ein knappes Vierteljahrhundert lang war die Lokalbahn Forchheim – Ebermannstadt die einzige Bahnverbindung in die Fränkische Schweiz, selbst, wenn man von der am Nordrand dieser Gegend liegenden Bahnlinie Bayreuth – Hollfeld absieht. Den Herren Landtagsabgeordneten Dr. Räbel, Forchheim, Bezirksamtmann Dr. Stucky, Ebermannstadt und Dekan Bickel in Muggendorf sowie dem fränkischen Schweiz-Verein war es dann später in erster Linie zu verdanken, dass am 4. Oktober 1915 die Strecke nach Heiligenstadt eröffnet werden konnte.

Die Lokalbahn verließ den Bahnhof Ebermannstadt bei Kilometer 14,765 in nordöstlicher Richtung, umging den links der Wiesent gelegenen Ortsteil von Ebermannstadt und überschritt hierauf, rein nördlicher Richtung folgend, das Wiesenttal. Im weiteren Verlaufe führte die Bahn unmittelbar am Fuße der Schutthalde des Anfang des 17. Jahrhunderts erfolgten großen Gasseldorfer Bergrutsches vorbei, überquerte die Staatsstraße Ebermannstadt – Behringersmühle – Pottenstein und führte, die Ortschaft Gasseldorf rechts liegen lassend, in das Leinleitertal ein. Etwa einen Kilometer oberhalb Gasseldorf wurde das Leinleitertal und gleich darauf auch die Staatsstraße Gasseldorf – Heiligenstadt überquert. Die Bahn zog sich alsdann, nördliche Richtung immer noch beibehaltend, am linken, gegen die Leinleiter steil abfallenden, Talhange hin. Sie erreichte, fortwährend mäßig steigend, bei Kilometer 5,9 die Ortschaft Unterleinleiter mit dem Bahnhof gleichen Namens. Die Ortschaft selbst liegt auf der rechten Talseite.

Die Bahnlinie folgte alsdann dem steil bis an den Fluss abfallenden Talhang, wobei sie weiter unmittelbar neben der Leinleiter verlief. Bei Kilometer 7,6 war der Bahnhof Veilbronn erreicht. Nach dem Bahnhof überquerte die Bahn zum zweiten Male die Staatsstraße Gasseldorf – Heiligenstadt und einen aus dem Leidingshofertal kommenden ziemlich starken Wasserlauf. Die Bahn wandt sich dann mäßig nach Nordwesten, überschritt abermals die Leinleiter und wechselte nach ganz kurzem Verlauf auf der rechten Talseite wieder auf das linke Leinleiterufer über und erreichte bei Kilometer 10,0 den Haltepunkt Traindorf.

Die Strecke folgte weiter der Leinleiter und endete südlich des Marktes Heiligenstadt mit dem Endbahnhof gleichen Namens bei Kilometer 10,9. Die Bahnlinie lag in ihrer ganzen Ausdehnung in der Formation des braunen oder mittleren Frankenjura.

Der Personenverkehr wurde am 27. Juni 1960 und der Güterverkehr am 26. Mai 1968 eingestellt. Die Strecke selbst ist ab Bahnhof Gasseldorf abgebaut worden. Von dort ging es ab 1922 Schritt für Schritt weiter bis Behringersmühle. Im Bahnhofsgebäude selbst ist heute der Deutsche Alpenverein zu Hause.

Quelle: Buch "Links und rechts der Wiesenttalbahn"
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