Feldpostgrüße von der Westfront

Persönliche Eindrücke aus dem 1. Weltkrieg vermittelt die aktuelle Sonderausstellung in den Forchheimer Rathaushallen. Foto: Pfalzmuseum Forchheim

FORCHHEIM (pm/rr) - Noch bis Sonntag, 12. Oktober, kann in den Rathaushallen die aktuelle Sonderausstellung des Pfalzmuseums besichtigt werden: „Wenn nur der schreckliche Krieg ein Ende nähme – Feldpostgrüße von der Westfront“.


Dabei wäre auch ein anderer Titel passend gewesen: „Die Geschichte von Babette und August – eine tragische Liebesgeschichte.“ Rund 200 Karten aus dem 1. Weltkrieg geben jedenfalls Zeugnis vom erschütternden Geschehen vor 100 Jahren sowie von einer besonderen, persönlichen Geschichte. Die Schau ist eine Ergänzung zur Sonderausstellung „Forchheim und Le Perreux – der Beginn des 1. Weltkriegs“. Der Eintritt ist frei.

Hunderte von Karten aus dem 1. Weltkrieg hatte der Forchheimer Herbert Gumbmann im Fotoalbum seiner verstorbenen Großtante entdeckt – Babette Gumbmann aus Obermembach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) unterhielt im 1. Weltkrieg eine rege Korrespondenz mit etlichen sich im Krieg befindlichen Verwandten, im Jahre 2012 vermachte der ehemalige Lehrer dem Pfalzmuseum Forchheim diesen sehenswerten Nachlass.

Im Laufe der Recherchen zur aktuellen Ausstellung trat die Geschichte der jungen Babette und dem ihr versprochenen August immer deutlicher ans Licht: Die Leiterin des Pfalzmuseums Forchheim, Susanne Fischer, schildert ihre Eindrücke: „Geschichte kann sehr spannend sein, wenn aus den vielen, genau dokumentierten Fakten zum 1. Weltkrieg plötzlich zwei Gestalten ans Licht treten, deren persönliches Schicksal unendlich berührt.“ Mit Hilfe des Stadtarchivs Herzogenaurach konnte die tragische Liebesgeschichte der beiden genauer rekonstruiert werden. Denn Babette erhielt die meiste Post von August Daigfuß aus Herzogenaurach, dem sie wohl „versprochen“ war. Von dem 1,52 Meter großen Verehrer, der noch 1913 bei der Musterung wegen seiner geringen Körpergröße zurückgestellt wurde, war zunächst nur der Vorname bekannt; später fand sich in den unendlich vielen Karten und Briefen aus dem Felde der Nachname des Verlobten. Leider nahm die so hoffnungsvolle Liebesgeschichte ein tragisches Ende: 1915 wurde August zum Landsturm nach Nürnberg eingezogen und später an die Westfront abkommandiert. Am 29. März 1918 erhielt Babette von einem Freund eine schwere Nachricht: „Sehr geehrtes Fräulein! Teile Ihnen mit, daß August schwer verwundet wurde. Er erhielt einen Bauchschuss. Er wurde ins Lazarett verbracht und ich hoffe, dass er mit dem Leben davon kommt…“ Doch schon am 23. März war August bei Vaulx-Vraucourt auf dem Verbandsplatz gestorben. Er wurde auf dem nordfranzösischen Soldatenfriedhof Saint Laurent-Blangy begraben. Babette Gumbmann starb am 28. November 1981 in Erlangen.

www.pfalzmuseum-forchheim.de
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