Forchheim: Rathaus wird zur Dauerbaustelle

Das Forchheimer Rathaus. Foto: © pusteflower9024/Fotolia.com

FORCHHEIM (rr/mue) - Im Laufe seiner langen Geschichte wurde das Forchheimer Rathaus schon viele Male umgebaut, saniert und den Bedürfnissen der jeweiligen Epoche angepasst. Derzeit wird der Gebäudekomplex so weit wie möglich in seinen Urzustand versetzt, um die problematische Statik so weit wie möglich zu entlasten. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs beseitigen derzeit sämtliche Umbauten der vergangenen 150 Jahre; nur die moderne Treppe, die in den 1960-er Jahren auf der Seite zum Rathausplatz hin einfach in das Bauwerk hineingeschnitten wurde, wird noch genutzt.


Es staubt in dem Gebäude, weil viel Putz abgeschlagen wird. Die Deckenverkleidungen müssen runter und Befestigungen abmontiert werden. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen zu entdecken: Im ersten Stock des Magistratsbaus von 1535 wurde hochwertiges Zierfachwerk freigelegt, dazu noch ein Zimmer mit hölzernen Stabwänden. Der zweite Stock hatte dagegen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts keine große Bedeutung – erst als der Bürgermeister nach oben zog, wollte man den Bereich „aufmöbeln“ und griff noch nachhaltiger in die vorhandene Struktur ein. Räume wurden geteilt und schwere Balken entfernt. Der historische Rathaussaal wiederum war ursprünglich ein Lager für die darunter liegende Markthalle. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts verkauften hier die örtlichen Metzger und Bäcker ihre Ware.

In seiner wechselvollen Geschichte war der Rathaussaal zwischendurch auch als Tanzboden in Gebrauch. Die Holzvertäfelung mit Spitzbögen und dazu passenden schwarzmetallenen Kronleuchtern sieht aus, als käme sie noch aus der Renaissance. Tatsächlich wurde sie aber erst in den 1860-er Jahren eingebaut. Vor allem die Umbauten im Saal waren es, die das Gebäude in Gefahr brachten: Weil die Vorder- und Rückwand nach außen zu kippen drohte, steckt das Rathaus seit 2013 in einem Stützkorsett.

Original erhalten ist noch die hölzerne Spindeltreppe im hinteren Bereich, deren innere Spindel über alle Stockwerke hinweg aus einem einzigen Stamm gearbeitet wurde. Von hier geht es hinunter in den Registraturbau, wo noch Anfang des Jahres die Ausschüsse des Stadtrats im kleinen Sitzungszimmer tagten. Heute ist dieser Raum vollkommen entkernt; von der ursprünglichen Bausubstanz aus dem Jahr 1450 scheint nichts mehr vorhanden zu sein.

Wenn der statische Urzustand des Rathauses wieder hergestellt ist, kommen Architekt und Planer an die Reihe, denn trotz der Belange des Denkmalschutzes soll die Moderne nicht zurück treten. Was die Sanierung kosten wird, weiß man noch nicht genau – klar ist bisher nur, dass die Verwaltung mindestens bis zum Ende dieser Stadtratsperiode im Ausweichquartier bleibt. Ein funktionsfähiges Amtsgebäude wird das Rathaus wohl erst wieder nach dem Jahr 2020 werden.
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