Gewerkschaft kritisiert „Turbo-Putzen“

Mehr Fläche in der gleichen Zeit: Auch im Landkreis Forchheim kämpfen die Beschäftigten der Reinigungs-Branche immer häufiger gegen die Uhr. Symbolfoto: © Picture-Factory/Fotolia.com

LANDKREIS FORCHHEIM (pm/mue) - Wenn beim Putzen die Stoppuhr mitläuft: Auch im Kreis Forchheim kämpfen immer mehr Reinigungskräfte nicht nur gegen Staub, Dreck und volle Papierkörbe – sie kämpfen immer häufiger vor allem gegen die Uhr.


Das hat die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU Oberfranken kritisiert. Von den Reinigungskräften werde verlangt, „immer mehr Fläche zu machen“, ohne dafür allerdings mehr Zeit zu bekommen. Eine aktuelle Herbst-Umfrage der IG BAU unter Beschäftigten der Branche, an der auch Gebäudereinigerinnen und Fensterputzer aus dem Kreis Forchheim beteiligt waren, habe gezeigt: 57 Prozent der Reinigungskräfte haben in den letzten zwei Jahren ein größeres Reinigungsrevier zugewiesen bekommen – und das bei gleichbleibender Stundenzahl.

Nicklas: „Unverschämtheit!“

Neun von zehn der Befragten hätten angegeben, bei der Arbeit unter großem Zeitdruck zu stehen. „Das Putz-Tempo nimmt zu. Der Druck auf die Reinigungskräfte ist dabei enorm. Es ist der Kampf ‚Mensch gegen Minute‘. Im Flur vom Altenheim, im Klassenzimmer, im Büro – das ,Turbo-Putzen‘ ist überall dort, wo gewischt und gesaugt wird. Wenn eine Gebäudereinigerin exakt 2 Minuten und 19 Sekunden Zeit hat, um ein 18-Quadratmeter-Büro sauber zu machen, dann ist das eine Unverschämtheit“, so IG BAU-Bezirkschef Gerald Nicklas. Ein Großteil schaffe es gar nicht mehr, die zugeteilten Reinigungsflächen in der vorgegebenen Zeit zu erledigen.

Im Kreis Forchheim arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft derzeit rund 200 Beschäftigte in der Gebäudereinigung, wovon 70 Prozent Mini-Jobber seien. Die IG BAU Oberfranken schätzt, dass nur jeder dritte Arbeitsplatz in der heimischen Gebäudereinigung ein Vollzeit-Job ist. „Die Branche hat ein Vollzeit-Job-Problem: Immer häufiger werden reguläre Arbeitsplätze abgeschafft und durch Teilzeitkräfte oder Mini-Jobber ersetzt. Das Prinzip, das dahinter steckt, ist klar: Je mehr Menschen man beschäftigt, desto mehr Überstunden kann man denen auch aufbrummen“, so Gerald Nicklas weiter. Die Branchen-Umfrage habe ergeben, dass 28 Prozent der Beschäftigten täglich Überstunden machen müssten. Darüber hinaus rechne gut die Hälfte der befragten Reinigungskräfte damit, immer wieder Mehrarbeit vom Arbeitgeber angewiesen zu bekommen. Als „besonders dreist“ wertet der Vorsitzende der Gebäudereiniger-Gewerkschaft im Kreis Forchheim, dass Überstunden in rund 30 Prozent der Fälle nicht einmal bezahlt würden. Das habe die Umfrage klar gezeigt.

Zeichen stehen auf Sturm

„Bislang schalten die Arbeitgeber immer noch auf stur. Sie tun so, als würde in der Reinigungsbranche alles picobello laufen und ein sauberer Lohn bezahlt. Das ist aber bei weitem nicht der Fall. Die letzte Chance, einzulenken und einen ‚Tarifvertrag der fairen Arbeit‘ abzuschließen, kommt beim nächsten Treffen. Danach ist Schicht im Schacht“, macht Nicklas deutlich.

Die IG BAU will die Arbeitgeber nochmals deutlich mit den Missständen im Gebäudereiniger-Handwerk konfrontieren. Darüber hinaus fordert sie ein Lohn-Plus: So soll etwa die niedrigste Lohngruppe für die Reinigungsbranche um 80 Cent auf dann 10,35 Euro pro Stunde angehoben werden.
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