Nicht nur für Bahnfans: die spannende Geschichte der Lokalbahn im Leinleitertal bis nach Heiligenstadt

Bürgermeister Helmut Krämer und Autor Wolfgang Bleiweis (r.) stellen das neue Buch ,,Lokalbahn Forchheim - Heiligenstadt" vor. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Erinnerung: Wolfgang Bleiweis zeigt das Schild, das auf den ehemaligen Bahnhof in Heiligenstadt hinweist. (Foto: Nicole Fuchsbauer)

REGION/HEILIGENSTADT (nf)  - Genau betrachtet ist das Buch mit dem nüchternen Titel ,,Lokalbahn Forchheim - Heiligenstadt" von Wolfgang Bleiweis und Hermann Meißner fern aller Bahnromantik aktueller denn je. Begeistert feierten am 4. Oktober 1915 die Menschen die Eröffnung der Lokalbahn zwischen Ebermannstadt und Heiligenstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts  – überschattet vom 1. Weltkrieg – quasi ein Quantensprung der Mobilität in der Fränkischen Schweiz. Tatsächlicher Hintergrund waren natürlich wirtschaftliche Interessen, nämlich die Erz- und Basaltvorkommen rund um Heiligenstadt. 

Rund eineinhalb Jahre haben sich Autoren mit der intensiven Recherche zum Buch durch die Archive gewühlt. Wolfgang Bleiweis, selbst Lokführer für Fahrzeugüberführungen und Baustofftransporte, ist vor allem in den Zeitungsarchiven fündig geworden, hat Beiträge, seltene historische Fotos und Anekdoten gesammelt.

Damals kämpften die Bewohner des Leinleitertals über Generationen hinweg für einen direkten Gleisanschluss. Nach zähem Ringen kam eine Lokalbahn zustande, die Hoffnungen waren groß. Mehrere Zweiglinien erschlossen etappenweise schließlich das fränkische Gebirge. Erst auf dem Abschnitt Forchheim - Ebermannstadt, dann auch zwischen Ebermannstadt und Heiligenstadt. Der erste Weltkrieg vereitelte den weiteren Ausbau der Strecken. Bereits zur Zeit des Wirtschaftswunders wurde der Verkehr auf Busse und Lastwagen verlagert. Die Rohstoffvorkommen der Fränkischen Schweiz blieben weitgehend unangetastet. Parallel zur Wiesent zählt die Schiene unverändert zum festen Bestandteil der Fahrplantabellen. Heute fahren moderne Triebwagen im Stundentakt über den ältesten Streckenteil. Auf dem letzten Abschnitt bis Behringersmühle dampfen in den Sommermonaten historische Fahrzeuge und vermitteln (zum Glück) ein nostalgisches Fahrerlebnis. 

Der Bezug zur Gegenwart drängt sich auf. Eine vernünftige Bahnverbindung zwischen Heiligenstadt und Forchheim - sowohl für Pendler als auch für Touristen - wäre doch ein Pfund, mit dem die Marktgemeinde wuchern könnte - nicht zuletzt in der Diskussion um Emissionsschutz, Dieselskandal, überlasteten Autobahnen und steigendem LKW-Verkehr. ,,Wünschen kann man sich ja viel", sagt Heiligenstadts Bürgermeister Helmut Krämer schmunzelnd, ,,dann muss man halt an Weihnachten mal schauen, was man wirklich bekommt." Eine Wiederbelebung der Strecke hält er für nicht mehr möglich. ,,Überall, wo die Bahn fährt, müssen Lärmschutzwände hochgezogen werden. Wer würde denn heute dulden, dass drei Meter neben seinem Haus ein Zug vorbei rauscht? Keiner!" Ein bißchen wehmütig wird der Bürgermeister, wenn die Gedanken an seine Kinderzeit in Siegritz zurückwandern. Er erinnert sich an den Streckengeher, der immer die Bahngleise abgeklopft hat und an das Lied ,,Die alte Dampfbahn", das er so oft gehört hat.  

Doch in der Gegenwart wird beispielsweise das Gelände des ehemaligen Bahnhofs in Heiligenstadt  gewerblich genutzt. Nur ein Schild mit dem (nicht mehr originalgetreuen) Schriftzug ,,Heiligenstadt i. OFr. bei der Raiffeisenbank ist übrig geblieben. 1990/1991 wurde auf der ehemaligen Bahnstrecke ein Radweg Richtung Ebermannstadt gebaut. Radeln kann man jetzt von Forchheim über Heiligenstadt bis nach Staffelstein. ,,Die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Der Radweg wird so gut genutzt, das ist wirklich ein Erfolgsmodell", erzählt Helmut Krämer. Für das neue Buch gibt er allerdings einen eindeutigen Lesetipp ab. Das ist so gut, interessant und spannend, das werde ich Weihnachten öfter verschenken." Wolfgang Bleiweis (hat bereits viele Bücher zum Thema Eisenbahn geschrieben) gibt sich etwas optimistischer zur Wiederbelebung der alten Strecke: ,,Sicher nicht von heute auf morgen, aber langfristig gebe ich dem Projekt eine gewisse Chance."

Wolfgang Bleiweis, Hermann Meißner
Lokalbahn Forchheim - Heiligenstadt
Schienenweg entlang von Wiesent und Leinleiter
96 Seiten, 43 Abbildungen
14,90 Euro
ISBN 3-928786-51-2
Verlag Wolfgang Bleiweis, H & L Publikationen, Segnitzstraße 4, 97422 Schweinfurt

Erhältlich u.a.
Heiligenstadt, Zeitschriftenladen
Fränkische Schweiz Buchhandlung, Ebermannstadt
Forchheim, Buchhandlungen
Bahnhofsbuchhandlung Bamberg
Nürnberg: Buchhandlung Jakob am Hefnersplatz
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