Studie: Fortbestand heimischer Fischarten gefährdet

Schlauer Räuber: Auch der Hecht gehört zu den heimischen Fischarten, die es laut Studie nachhaltig zu schützen gilt. Foto: © Kletr/Fotolia.com

HEILIGENSTADT (pm/rr) - Den oberfränkischen Fischen geht es schlecht. Nur noch in rund einem Viertel der Fließgewässer in Oberfranken sind die Fischbestände in einem guten bis sehr guten Zustand. Das ist das Ergebnis der neusten Studie der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken, die unlängst in Heiligenstadt vorgestellt wurde.


Insgesamt wurden 14 Gewässerstrecken in sieben repräsentativ ausgewählten Fließgewässern in Oberfranken (Zinnbach, Südliche Regnitz, Weißer Main, Selbitz, Wiesent, Ellerbach und Mittelebrach) untersucht. Die Fachbehörde hat zusammen mit der Hochschule Magdeburg-Stendal ermittelt, welchen Belastungsfaktoren unsere heimischen Fischbestände, aber auch Fischnährtiere und Wasserpflanzen ausgesetzt sind. „Der Zustand unserer heimischen Fließgewässer ist kritisch. Wir müssen die erforderlichen Maßnahmen zeitnah, gezielt und vor allem gemeinsam angehen“, appelliert Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und stellt eine deutlichere Verschlechterung gegenüber den früheren Erhebungen fest, in welchen noch über 40 Prozent der Fischbestände in gutem Zustand waren. Gründe der aktuellen Situation seien zum einen der erhöhte Feinsedimenteintrag aus den Bereichen Straßenbau und Landwirtschaft sowie die fehlende Durchgängigkeit der Fließgewässer durch Querbauwerke. Belastungen durch Abwässer wurden nicht festgestellt. Der Sedimenteintrag beeinträchtige die Reproduktion der heimischen Fischarten wie Bachforelle, Äsche, Elritze oder Bachneunauge eklatant, wie die Forscher der Hochschule Magdeburg-Stendal herausfanden. Deshalb sei der Fortbestand dieser heimischen Fische nachhaltig gefährdet.

Konkrete Maßnahmen angemahnt

Um die Aufzucht der heimischen Bachforelle und Äsche hat sich die Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken in Aufseß besonders angenommen. „Wir fühlen uns für den Erhalt der Artenvielfalt unserer heimischen Fische verantwortlich“, unterstreicht der Bezirkstagspräsident und schlägt vor, sich vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie mit den Verantwortlichen in Politik, Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und dem Fischereiwesen an einen Tisch zu setzen. Konkrete Maßnahmen müssten her, etwa permanente Bedeckungen der Uferstreifen oder die Anlage wallartiger Gewässerrandstreifen. Eine Möglichkeit sei auch die Anlage von weiteren Struktur- und Landschaftselementen, die dem Schutz der Ressourcen Boden und Wasser dienen, wie zum Beispiel Feuchtflächen zum Wasser- und Sedimentrückhalt. Das gemeinsame Ziel sei ein umfassender Boden- und Wasserschutz, aber auch in den Gewässern selbst sollten gezielte Entwicklungsmaßnahmen eingeleitet werden, um die Gewässerbelastung zu verringern und die Lebensraumbedingungen für die Fischbestände nachhaltig zu verbessern. „Kurz- bis mittelfristig kann die Bestandssituation der strömungsliebenden und kieslaichenden Fischarten durch die Anlage von Kiesbänken, Sichelbuhlen bzw. durch die Umlagerung von Kies verbessert werden“, erläutert Dr. Thomas Speierl, Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks. Dazu müssten die Fischereiberechtigten und Fischereivereine mit ihrem gewässerspezifischen Wissen ebenso ins Boot geholt werden, wie die jeweiligen kommunalen Verwaltungen. Darüber hinaus empfehlen die Verfasser der Studie, den Gewässerzustand weiterhin zu erfassen und auf die Problematik des Feinsedimenteintrags bei den Landwirten aufmerksam zu machen.
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