Das Ludwig-Erhard-Zentrum in Fürth

Das Projekt „Ludwig-Erhard-Zentrum Fürth“ ist nun bis zur Grundsteinlegung für einen mindestens 15 Millionen Euro teuren Neubau vorangetrieben worden, und noch immer wird in Fürth darüber gestritten, ob der Aufwand dafür sinnvoll ist oder ob Stadt, Land und Bund die anfallenden Kosten nicht wichtigeren Zwecken widmen sollten.

Die Auseinandersetzung ist verständlich: Die Befürworter des Projekts finden es wichtig, dass Erhard in seiner Geburtsstadt Fürth in besonderer Weise gewürdigt wird. Sie wollen mit dem Projekt in erster Linie den Makel löschen, der dadurch entstanden ist, dass der Fürther Stadtrat Erhard zweimal die Ehrenbürgerwürde verweigert hat. Doch diese Rehabilitation ist unnötig: Kaum ein Fürther weiß von den damaligen Debatten. Die meisten, die Erhard als den Vater des deutschen Wirtschaftswunders kennen, halten ihn – Ratsbeschlüsse hin/Ratsbeschlüsse her – mit größter Selbstverständlichkeit für einen Ehrenbürger ihrer Stadt. Und abgesehen davon: Um Erhard in Fürth zu würdigen, wäre das ursprüngliche Projekt, die beiden Erhard-Häuser in der Ludwig-Erhard- und der Gartenstraße durch den Fürther Ludwig-Erhard-Initiativkreis zu erwerben und sie zu einer Dokumentations-, Begegnungs- und Forschungsstätte auszubauen, angemessener gewesen als die Errichtung eines neuen Erhard-Zentrums. Die Kosten hierfür waren mit etwa zwei Millionen Euro veranschlagt, und es war vorgesehen, sie ausschließlich mit privaten Spenden zu decken.

Die Errichtung des Neubaus für ein Erhard-Zentrum ist nur sinnvoll, wenn hier nicht bekannte Fakten museumsartig ausgestellt werden, sondern wenn eine Forschungsstätte errichtet wird, in der in weitaus größerem Stil, als das in den Erhard-Häusern denkbar ist, die aktuelle Bedeutung der politischen Vorstellungen von Erhard erforscht, diskutiert und aufgezeigt wird. Um anzudeuten, worum es dabei geht: Erhard hat das deutsche Wirtschaftswunder mit seiner intensiv bedachten Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft und ihrer konsequenten Durchsetzung in der praktischen Politik erreicht. Nach Erhards Rücktritt aus der Politik brach die Epoche des Wirtschaftswunders schlagartig ab, weil Erhards Soziale Marktwirtschaft durch das Konzept der „Globalsteuerung“, also durch Wirtschaftslenkung und staatlichen Dirigismus ersetzt wurde, die dem damaligen Zeitgeist entsprachen. Und da sich die staatliche Wirtschaftssteuerung – wie es Erhard vorausgesagt hatte – schnell immer weiter ausgebreitet hat, wäre eine Besinnung auf den ursprünglichen Erhardschen Politikansatz -- auf die zeitlos gültigen Prinzipien von Erhards Politik -- längst überfällig. Die Frage ist nur, ob ein Erhard-Zentrum, das mit beträchtlichen öffentlichen Geldern errichtet wird, in der Lage sein kann, eine Forschung zu betreiben, mit der die gegenwärtige Politik zwangsläufig und grundsätzlich in Frage gestellt wird. Eine solche politikkritische Funktion könnte wohl nur eine von der Politik unabhängige, privat finanzierte Institution erfüllen, wie sie ursprünglich angestrebt wurde. Das wäre auch im Sinne von Ludwig Erhard gewesen, der nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler ausdrücklich eine private, von Parteien unabhängige Ludwig-Erhard-Stiftung in Bonn gegründet hat.
Dr. Horst Friedrich Wünsche
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