Fürther Goldschmiedin geht auf Wanderschaft

Ihre Gürtelschnalle hat Constanze Pfundt an ihrem Arbeitsplatz in Fürth sebst gefertigt. Foto: Ebersberger
 
Ein letztes Mal darf die Fürther Goldschmiedemeisterin Kathrin Müller ihrer Gesellin Constanze Pfundt über die Schulter schauen. Foto: Ebersberger

FÜRTH (web) - Bald klettert sie auf das Ortsschild ihrer Heimatstadt Leipzig und lässt sich auf der anderen Seite vertrauensvoll in die Hände ihrer Kollegen fallen. Nein, das ist nicht irgendein geplanter Jugendstreich, sondern ein Abschiedsritual. Constanze Pfundt geht für drei Jahre und einen Tag auf die Walz.

Den für eine junge Frau doch eher ungewöhnlichen Entschluss, auf Wanderschaft zu gehen, hat die 25-jährige Goldschmiedin schon zu Anfang ihrer Ausbildung in Fürth gefasst. „Das passt, das ist was für mich“, hörte sie sich sagen. Bedenken, dass sie sich dabei doch in einer von Männern dominierten Welt bewegt, hatte sie „eigentlich nicht“. Und sie wisse ja, dass sie nicht die einzige Frau ist, erzählt Pfundt, die als Gesellin in der Goldschmiede Müller in der Fürther Fußgängerzone arbeitet.
Neue Länder entdecken, viele Menschen kennenlernen, die Selbstständigkeit fördern und dabei auch noch ihren beruflichen Horizont in anderen Werkstätten erweitern - das waren die Hauptbeweggründe für die sehr ruhig und selbstbewusst wirkende junge Frau, sich für mindestens drei Jahre von Familie, Freunden und auch ihrer bisherigen Arbeitsstätte zu verabschieden. Immerhin, das gehört zu den Regeln der Wandergesellen, darf sie sich während dieser Zeit ihrer Heimatstadt nicht näher als 50 Kilometer nähern, auch zu ihrer momentanen Wirkungsstätte in Fürth muss stets ein Abstand von mindestens 30 Kilometer bleiben.
Diese lange Trennung habe am Anfang schon „etwas abgeschreckt“, doch ihr Tatendrang und Wissensdurst war größer. Darüber hinaus hat sie sich mittlerweile genauestens zum Thema Wanderschaft informiert, sich mit anderen Gesellen getroffen und ausgetauscht. Je mehr sie sich damit beschäftigt hatte, desto größer wurde auch die Vorfreude auf das Leben auf der Walz als „Freireisende“. Einer Gesellenvereinigung (Schacht) hat sie sich nicht angeschlossen. Pfundt sieht das nicht unbedingt als Nachteil, hat sie doch die Wandergesellen bislang als „eine große Familie kennengelernt, in der man sich gegenseitig immer unterstützt.“
Während der Wanderjahre muss sie auf Handy oder Laptop verzichten, darf für Unterkunft und Weiterreise kein Geld ausgeben und im Reisegepäck - ein mit einem Lederriemen geschnürtes Bündel - ist nur das Nötigste wie Schlafsack, ein bisschen Wäsche, Zahnbürste und natürlich Werkzeug verstaut.
Am 17. Mai geht es für Constanze Pfundt los. Zunächst steht ihr noch ein sogenannter „Export-“ oder auch „Losbringgeselle“ zur Seite. Besteht sie die dreimonatige Probezeit, wird er ihr - so will es die Tradition - einen Nagel durchs Ohrläppchen schlagen. Den Hänger mit dem Zunftzeichen, den sie anschließend tragen wird, hat die Goldschmiedin bereits selbst angefertigt, ebenso ihre Gürtelschnalle.
Wo es hingehen wird, weiß die 25-Jährige noch nicht genau, aber auf alle Fälle mal „Richtung Süden“. Dabei wird sie im ersten Jahr in Deutschland bleiben, im zweiten steht Europa auf dem Plan und dann geht es, so sie will, um die ganze Welt. Ja, und wenn sie mal in einer Werkstatt keine Arbeit findet? „Na, dann muss ich halt zur nächsten weiterziehen“, erklärt sie besonnen ruhig mit einem Schmunzeln.
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