Weinköniginnen tragen Trauerflor

In diesem Jahr haben die Weinköniginnen ihrem Protest gegen die restriktiven Ausschankzeiten mit schwarzer Trauerkleidung zum Ausdruck gebracht. (Foto: tom)

FÜRTH (tom) – Am vergangenen Mittwoch sollte eigentlich die 19. Auflage des Fürther Weinfests beginnen. Doch anstelle der Weinköniginnen und der Wirte zog gegen Abend ein merk­würdiger Trauerzug durch die Gustavstraße.

Dieser Trauerzug, mit dem das diesjährige Weinfest und ein Stück­weit auch die Lebenskultur in der Gustavstraße zu Grabe getragen wurde, war aber nur einer von mehreren symbolischen Akten, mit dem die Fürther Bürger und Mandatsträger gegen eine Entscheidung des Ansbacher Verwaltungsgerichts protestierten. Die Richter hatten Tage zuvor dem Eilantrag von drei ehemaligen An­wohnern der Gustavstraße Recht gegeben und aus Lärmschutzgründen ein Veranstaltungsende von 22.00 Uhr – das entspricht einem Ausschankschluss um 21.00 oder 21.15 Uhr – verhängt.
Bereits am Mittwochmittag hatten sich die Mitglieder des Ältestenrates – einem Gremium des Fürther Stadtrats – in der Gustavstraße getroffen, um ebenfalls ein Zeichen zu setzen. Die Stadträte von SPD, CSU und Grünen stießen bei dieser Gelegenheit nicht nur mit Wein, Spritz und Bier an, sondern unterzeichneten auch eine Re­solution. In dem Schreiben an die Bayerische Staatsregierung und den Landtag sprachen sich die Politiker gegen den „lebensfremden und abwegigen“ Richterspruch aus. „Ein Weinfest in Bayern, bei dem um 22 Uhr alle Plätze ge­räumt sein müssen, ist in keiner Stadt und keinem Dorf vorstellbar“, stellten die Stadtvertreter über alle Parteigrenzen hinweg fest und wandten sich an die Staatsregierung: „Bitte un­ter­stützen Sie uns, damit Fürth die Stadt bleibt, die sie seit vielen Jahre ist: offen, lebensfroh und tolerant“.
Über eine solche Unterstützung würde sich nicht nur die Stadtspitze sondern auch die überwältigende Mehrheit der Bürger in Fürth freuen. Die protestierten während der Wein- oder besser: Kein-Festtage mit zahlreichen kreativen und friedlichen Aktionen – von dem Trauerzug bis hin zu ei­nem Picknick auf der Gustavstraße gegen den Richterspruch aus Ansbach, der – Ihrer Meinung nach – nicht mit der Le­benswirklichkeit unserer Zeit (beispielsweise Sommerzeit-Re­gelung und Ladenschlusszeiten von 20.00 Uhr) vereinbar ist.
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