Zeitzeugen mahnen: Frieden ist nicht selbstverständlich!

Beim Zeitzeugengespräch (v.l.) Werner Kraus, Hans Berthold, Volker Bauer, Hansgeorg Hauser und Josef Niederwald. (Foto: © CSU)

REDNITZHEMBACH - (dn/vs) - Dieser Tage war die Veranstaltungsreihe „Zeitzeugengespräch zum Kriegsende“ des CSU-Landtagsabgeordneten Volker Bauer Station zu Gast in Rednitzhembach.

Damit möchte Bauer vor allem der Nachkriegesgeneration ins Bewusstsein rufen, dass Frieden und Demokratie keineswegs selbstverständlich sind. Rund dreißig interessierte Gäste zwischen 16 und „weit in den 80“ lauschten den Berichten von Josef Niederwald, Hans Berthold, Werner Kraus und dem ehemaligen Parlamentarischen Staatssekretär am Finanzministerium Hansgeorg Hauser. Nicht in Rednitzhembach aufgewachsen ist der 1934 geborene Josef Niederwald. In Adelschlag bei Eichstätt erlebte er den Alltag im Nationalsozialismus beim Jungvolk und in der Schule, in der täglich der Frontverlauf abgesteckt wurde ebenso mit, wie einen Bombentreffer 500 Meter neben seinem Elternhaus und die Angriffe der alliierten Tiefflieger. Positiv hob Niederwald hervor, dass auch im Krieg das Menschliche nicht überall vergessen wurde. Nach dem Abschuss eines britischen Jagdflugzeuges etwa ordnete sein Großvater als Bürgermeister die christliche Bestattung des feindlichen Soldaten auf dem Friedhof an. Dass die Dorfjugend bis zur Rückkehr des letzten lebenden Kriegsgefangenen 1955 in die Heimat keine Tanzveranstaltungen organisierte, zeugt davon, wie groß der Zusammenhalt damals noch im Dorf war.
Das Kriegsende in Rednitzhembach erlebten Hans Berthold (geb. 1935), Werner Kraus (geb. 1937) und Hansgeorg Hauser (geb. 1943). Bertholds Vater war als Kohle- und Lebensmittelfahrer weitgehend vom Frontdienst befreit und chauffierte 1945 den so genannten„Volkssturm“, eine Nottruppe unausgebildeter 12- bis 15-Jähriger und Senioren bis nach Würzburg, wo die anrückenden Amerikaner aufgehalten werden sollten. Durch Beschuss aus der Luft kamen von ursprünglich 17 LKW lediglich drei nach Schwabach zurück; darunter Vater-Berthold, der drei Wochen lang, nachts und ohne Licht zurück fuhr. Den Einmarsch der Amerikaner in Rednitzhembach, das friedlich übergeben wurde, erlebte Berthold am 17. April mit der Familie im Gewölbekeller sitzend. Der rüstige Senior unterstrich, dass auch die folgenden Jahre durch schlechte Ernten und das Zusammenrücken von 22 Personen – durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen – in einem Haus ohne Wasser- und Abwasseranschluss nicht leicht waren. Werner Kraus erinnerte sich, wie er als Kind die Luftangriffe auf Schwabach und später Nürnberg erlebte. „Als Nürnberg brannte war der Tag hier finster wie die Nacht und die Hitze hat verkohlte Rechnungsschnipsel und Papier aus den Druckereien bis nach Rednitzhembach getragen“, so Kraus. Stolz ist Kraus auf seine Eltern, die einen kriegsgefangenen Franzosen entgegen der geltenden Weisung gut behandelten, sodass hier eine lebenslang gute Verbindung entstand. Von den menschlichen Seiten des Krieges beziehungsweise der Nachkriegszeit berichtete der 1943 geborene Hansgeorg Hauser, dessen erste Kindheitserinnerungen das Eintreten eines dunkelhäutigen US-Soldaten in den Keller des Familienhauses und das genüssliche Verspeisen von Orangenschalen beinhalten. Nachdem der CSU-Ortsvorsitzende Ralf Schmidt den Senioren seinen Dank für die „Einblicke in eine andere, schwere Zeit“ dankte, appellierten diese daran, dass Demokratie auch Bürgerpflichten mit sich bringt. „Haltet durch Beteiligung an Wahlen dazu, dass das Volk durch seine Stimme die Demokratie erhält“, so Niederwald. Kein Verständnis hatte Kraus abschließend für die Unzufriedenheit und den aufkeimenden Hass in der heutigen Gesellschaft und Berthold und Hauser unterstrichen, das Frieden historisch kein Normalzustand sei und aktiv erhalten werden muss.
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