ein leben per Mausklick?

Immer häufiger werden Tiere im Internet angeboten


Pferde, Reptilien, Vögel, Meerschweinchen, Hunde und Katzen, aber auch Exoten - alles lässt sich per Mausklick kaufen. 86 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage in Hamburg gaben Bequemlichkeit als Hauptgrund an.
Aber nicht nur die Bequemlichkeit, auch der Umsatz spielt eine Rolle. Alle Welpen sind süß, gleich welcher Rasse, und so haben die Züchter die Nase vorn. Ein Tierheim kann es sich nicht aussuchen, welche Rassen es zum Kauf anzubieten hat, und ein großer schwarzer kurzhaariger Hund, der vielleicht noch dazu alt ist, hat weit weniger Chancen, ein neues Heim zu finden als ein neun Wochen alter Welpe.
Bequem vergleichen, bei Nichtgefallen Rückgabe, bei Schnäppchen sofort zuschlagen - das mag bei Kleidung und Elektrogeräten verständlich sein, bei Tieren ist es verhängnisvoll. „Kann ich meinen alten Hund zu Ihnen ins Tierheim bringen? Ich hätte dafür gerne einen Welpen eingetauscht“ - nein, das ist kein Spaß, sondern ist wirklich so vorgekommen.
Das Tierheim steht ständig mit dem Rücken zur Wand. Es bietet nicht die Auswahl wie das Internet, die Preise für die Lebewesen müssen niedriger sein als beim Züchter oder im Netz, die Vorgaben des Veterinäramtes sind einzuhalten, die Besucher sind wie Kunden zu behandeln, die Tiere sollen keine „Ladenhüter“ sein, sondern sollen in jeder Hinsicht den Vorstellungen des Käufers entsprechen.
„Wir sind aber auch kein Zoogeschäft und kein Tiergarten, in dem man sich so lange aufhalten kann, wie man möchte. Das verstehen viele Besucher nicht, im Gegenteil, statt uns die Arbeit zu erleichtern, werden Forderungen gestellt,“ heißt es von denen, die ehrenamtlich, sprich kostenlos viele Stunden ihrer Lebenszeit im Tierheim verbringen. Und wofür das alles? Für den Blick aus Hundeaugen, die nach der Vermittlung bei einem Besuch im Tierheim die Tierpfleger zwar freundlich ansehen, die aber unmissverständlich ihrem Herrchen oder Frauchen signalisieren, doch lieber wieder nach Hause zu gehen. In das neue Heim und das neue Leben. Und dann wissen die Verantwortlichen, dass ihre Mühe nicht umsonst war.
© Margrit Vollertsen-Diewerge,
Erlangen

Das Tierheim Erlangen
Der gemeinnützige Tierschutzverein Erlangen und Umgebung e.V. ist Betreiber des Erlanger Tierheims in der Bayreuther Straße. Das Tierheim ist Auffang- und Durchgangsstation für ungewollte, ungeliebte und – aus welchem Grund auch immer – herrenlose Tiere. Sein Zweck ist es, diese Tiere so schnell wie möglich in gute Hände weiterzugeben. Beim Erlanger Tierheim handelt es sich – wie bei fast allen vergleichbaren Heimen – nicht um eine staatliche Einrichtung, sondern um einen gemeinnützigen Verein, der auf die Mithilfe und Spenden von tierlieben Menschen angewiesen ist.
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