Heckenwirtschaften

Geheimtipp: Rustikale Weinschänken in Mainfranken


Mainfranken ohne Wein – das ist schlichtweg undenkbar. Der Weinbau prägt die Landschaft mit ihren sanften, rebenbestückten Hängen, der Weinbau beschert aber auch den Menschen hier ein gutes Auskommen – direkt über den Anbau und Verkauf der leckeren Tropfen, indirekt aber auch über die vielen Urlauber und Ausflügler, die die fränkische Weinregion als beliebtes Feriengebiet entdeckt haben.

Mit dem Weinbau hängen aber auch reizvolle Traditionen wie beispielsweise die Heckenwirtschaften zusammen. Bei den Hecken- oder Häckerwirtschaften (abgeleitet von fränkischen Begriff Häcker für Winzer) handelt es sich um saisonal geöffnete, rustikale Gastbetriebe, in denen die Winzer ihren selbst erzeugen Wein – zusammen mit regionalen kalten oder einfachen warmen Speisen – vermarkten. In anderen Gebieten sind diese Heckenwirtschaften auch als Besenschänken, Buschenschenken oder Straußenwirtschaften bekannt.
Die Räumlichkeiten solcher Heckenwirtschaften sind ganz unterschiedlich und reichen von leergeräumten und mit einfachen Bänken möblierten Scheunen oder Garagen bis hin zu individuell geschmückten Heckenwirtschaften, die kaum mehr von einer Weinstube zu unterscheiden sind. In früheren Zeiten waren gar die privaten Wohn- und Schlafzimmer der Winzer leergeräumt worden, um für eine begrenzte Zeit darin Gäste zu bewirten.

Ein 1.200 Jahre altes Recht
Das Recht der Heckenwirtschaften führen die Winzer auf einen Erlass Karls des Großen zurück, in dem vor 1.200 Jahren die Bewirtschaftung der kaiserlichen Güter geregelt worden war und in dem den Winzern (angeblich) der Betrieb von sogenannten „Kranzwirtschaften“ erlaubt wurde. Auf diesen Erlass wurde später ein Rechtsanspruch auf Weinausschank abgeleitet. Seitdem dürfen Winzer ihren Wein mit der Auflage ausschenken, dass dies nur vier Monate im Jahr in höchstens zwei Zeitabschnitten geöffnet haben und die Heckenwirtschaft eine vorgegebene Sitzzahl nicht überschreitet. Die Öffnung zeigen die Winzer traditionell durch das Heraushängen eines Besens an. Zur Weinlesezeit wird in den Heckenwirtschaften oft auch Bremser (Federweißer) ausgeschenkt.
Auch das Weingut Hirn in Untereisenheim lädt alljährlich in seine Heckenwirtschaft ein. Rund drei Monate lang bis zum kalendarischen Frühlingsanfang sowie – an dem Wochenenden und Feiertagen – im Oktober gibt es dort „kleine Leckereien mit großem Geschmack“.
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