Idyll in einer hektischen Zeit

Der „alte Kanal“ zwischen Nürnberg und Neumarkt


Als im Jahr 1836 mit den Bauarbeiten für den Ludwigskanal begonnen wurde, sah man das Kanalprojekt noch als technische Großtat. Auf der neuen Wasserstraße sollten schon bald – so hoffte man – Güter in großer Menge transportiert werden. Doch es kam ganz anders, und schuld daran war ein anderes Verkehrsprojekt, das ein Jahr zuvor für Furore gesorgt hatte. Zwischen Nürnberg und Fürth war am 7. Dezember 1835 die erste deutsche Eisenbahn gefahren.
Und während sich das Schienennetz in Windeseile ausdehnte, kämpfte die Schifffahrt auf dem Ludwigskanal um ihre Wirtschaftlichkeit. Konnten in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts noch bescheidene Gewinne erwirtschaftet werden, so wuchsen die Verluste von 1863 an stetig. Und bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts, der Ludwigskanal war gerade mal 50 Jahre lang in Betrieb, war aus dem ambitionierten Wasserstraßenprojekt der „alte Kanal“ geworden, in den sich kaum noch ein Schiff verirrte.
Heute spürt man nur noch wenig von der technischen Seite dieses Bauvorhabens. Sie ist einer wunderschönen Idylle gewichen, die – gerade an den Wochenenden – von vielen Erholungssuchenden geschätzt wird. Eine kleine, stille Oase inmitten unserer schnelllebigen Zeit. Selbst die vielen Schleusen, die seinerzeit notwendig waren, um den Höhenunterschied zwischen Main und Donau zu überwinden, wirken heute beschaulich. Mit ihren liebenswerten Schleusen- wärter-Häuschen sind sie zum Relikt einer längst vergangenen Zeit geworden.
Egal, ob man auf den schmalen Treidelwegen entlang des Kanals zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist – man lässt sofort den hektischen Alltag hinter sich. Vor allem, wenn in den Morgenstunden die Herbstsonne durch die Nebelschwaden dringt und die angrenzenden Laubwälder in den schönsten Gelb- und Rottönen erstrahlen, entfaltet der „alte Kanal“ einen besonderen Reiz.
Wer sich selbst ein Bild von diesem einzigartigen Biotop machen möchte, der sollte den sehr gut erhaltenen Kanalabschnitt zwischen der Gartenstadt in Nürnberg und Neumarkt für sich entdecken. Die Strecke eignet sich vorzüglich zum gemütlichen Radfahren, da es praktisch keine Steigungen gibt. Im Gasthaus „Zum Ludwigskanal“ mit seinem schönen Biergarten kann man dann in aller Ruhe einkehren und sich mit einem erfrischenden Getränk und gutbürgerlicher Küche stärken.
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