EM 2016 in Frankreich: Droht uns ein Langeweiler-Turnier?

Beste Stimmung erhoffen sich die Fans von der EM 2016: Durch neues Format könnte aber ein Langeweiler-Turnier drohen. (Foto: p!xel 66 - Fotolia.com)

SERVICE (rs/fi) - Die Fußball EM 2016 wird ein Event der Superlative: Mit 24 Teilnehmern ist das Starterfeld in Frankreich größer denn je, das Turnier erstreckt sich exakt über einen Monat (10. Juni bis 10. Juli 2016) und dauert damit genauso lange wie eine Weltmeisterschaft. Trotzdem steht den Fans nicht unbedingt ein riesiges Fußballfest ins Haus. Das Mega-Kontinentalturnier droht in der Frühphase zum Langeweiler zu werden. Aufgrund vieler Starter aus kleinen Fußballnationen dürfte vor allem in den Gruppenspielen der große Reiz fehlen.

Das neue Format findet daher beileibe nicht nur Zustimmung. Gerade die großen Verbände wie Deutschland prophezeiten beim Beschluss der Aufstockung von 16 auf 24 Teilnehmer vor sieben Jahren, dass es bei der EM 2016 zu einer Verwässerung der Leistungsdichte kommen werde. Weil nicht nur die Ersten und Zweiten aus jeder der sechs Gruppen das Achtelfinale erreichen, sondern auch vier Gruppendritte, ist der sportliche Reiz in den ersten beiden Wochen des Turniers überschaubar. Gruppenspiele zwischen den Debütanten Wales und Island sind etwa ebenso denkbar wie ein Achtelfinale zwischen Weltmeister Deutschland und Albanien. Es ist anzunehmen, dass der EM Spielplan erst ab dem Viertelfinale die ganz große Spannung mit den von vielen Fans ersehnten Klassikern bringen wird.

Hinter der Aufstockung steckte sportpolitisches Kalkül von UEFA-Präsident Michel Platini. Indem der Franzose 2008 mehr Startplätze für kleinere Nationen schuf, sicherte er sich eine breite Stimmenmehrheit auf dem Kontinent. Das Endprodukt auf dem Rasen könnte aber zum Eigentor werden: In Hochglanz-Stadien wie St. Denis oder Marseille sind Duelle zu erwarten, die bereits in der EM-Qualifikation kaum einen Fan emotionalisieren und an den Fernseher locken. Auf Klassiker wie Deutschland gegen Italien oder Spanien gegen Frankreich, welche die Faszination großer Meisterschaften ausmachen, muss man wohl bis zum Viertelfinale oder Halbfinale warten. Der Turniersieger wird – großes Teilnehmerfeld hin oder her – mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus einer dieser Nationen kommen.

Das soll die Leistung der kleineren Fußball-Nationen keineswegs schmälern. Vor allem die Debütanten Nordirland und Island verdienen ein Kompliment, diese Nationen gewannen ihre Gruppen und hätten sich auch für das 16er-Format qualifiziert, das von 1996 bis 2012 ausgespielt wurde. Auch die Leistungen der weiteren Neulinge Wales, Slowakei und Albanien waren mehr als beachtlich. Immerhin sind unter anderem die früheren Europameister Niederlande und Griechenland in der Qualifikation auf der Strecke geblieben. Unter dem Strich steht: Die Qualifikation wurde durch die Ausweitung der Startplätze womöglich spannender als es das Endturnier sein wird – eigentlich sollte es andersherum sein.

20 Starter stehen bereits fest, die letzten vier Plätze werden in den Play-offs vom 12. bis 17. November ausgespielt. In Hin- und Rückspiel treffen die Ukraine und Slowenien, Schweden und Dänemark, Bosnien-Herzegowina und Irland sowie Norwegen und Ungarn aufeinander. Spannend wird es, wenn am 12. Dezember in Paris die Gruppen ausgelost werden und der EM Spielplan steht.
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