Eröffnung der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung ,,Karl IV." in Nürnberg

Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ ist von 20. Oktober 2016 bis zum 05. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Das Haus der Bayerischen Geschichte zeigt die spannende Geschichte des bedeutenden Herrschers des Spätmittelalters. (Foto: © Studio Messberger, Nürnberg)
 
Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ ist von 20. Oktober 2016 bis zum 05. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Das Haus der Bayerischen Geschichte zeigt die spannende Geschichte des bedeutenden Herrschers des Spätmittelalters. (Foto: © Studio Messberger, Nürnberg)
Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg – Buchtipp zum Thema hier

NÜRNBERG (pm/nf) - Am kommenden Mittwoch wird in der alten Kaiserstadt Nürnberg die erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ von Ministerpräsi­dent Horst Seehofer und dem Ministerpräsidenten der Tschechischen Republik Bohuslav Sobotka feierlich eröffnet. Im Germanischen Nationalmuseum wird noch letzte Hand zur Fertigstellung der Schau angelegt.


„Nürnberg steht symbolisch für die Verbindung zwischen dem Kern des Heiligen Römischen Reichs und Böhmen. Deshalb bietet sich die ehemalige Reichsstadt geradezu an, hier eine Bayerische Landesausstellung zu Kaiser Karl IV. zu zeigen. Ich begrüße es sehr, dass das Haus der Bayerischen Geschichte und die Natio­nalgalerie Prag Hand in Hand eine Landesausstellung ganz besonderer Art erstellt haben“, so Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle angesichts der bevorstehenden Er­öffnung. „Als Historiker freut es mich besonders, bei der Preview bereits einen Blick auf die Exponate und die Präsentation der Bayerische-Tschechischen Lan­desausstellung werfen zu können – die Räume des Germanischen Nationalmuse­ums Nürnberg bieten ein ideales und würdevolles Umfeld“, lobt Spaenle.

Eine außergewöhnliche Schau

Wenige Tage vor der Fertigstellung der Ausstellung stellt Dr. Richard Loibl, Direk­tor des Hauses der Bayerischen Geschichte, den Gästen in Aussicht: „Freuen Sie sich auf eine außergewöhnliche Schau, mit Spitzenexponaten aus den Weltmu­seen, wie man sie in dieser Exklusivität in Sonderausstellungen nur selten bewun­dern kann. Realisiert wurde diese erste gemeinsame tschechisch-bayerische Lan­desausstellung in Rekordzeit. 2013 zwischen den Ministerpräsidenten von Tsche­chien und Bayern vereinbart, wurde sie bereits am 14. Mai 2016 in Prag und am 19. Oktober 2016 in Nürnberg eröffnet. Das ist außergewöhnlich!“

Kaiser mit Schwert und Feder

Das 14. Jahrhundert war eine Krisen- und Umbruchzeit: Die Pest wütete in weiten Teilen Mitteleuropas, Naturkatastrophen und Hungersnöte forderten viele Opfer. Zeitgleich erlebten Architektur, Technik, Kunst und Kultur einen Aufschwung, be­sonders in den mit Karl verbundenen Reichs- und Bischofsstädten. Prag erhielt die erste Universität Mitteleuropas und entwickelte sich zur Metropole. Die Prager Hofkunst wirkte stilbildend. Auch die freie Reichsstadt Nürnberg, sein zweithäu­figster Aufenthaltsort nach Prag, hat Karl erheblich durch Stiftungen gefördert. Seine hohe Bildung machte ihn zu einem Kaiser des Schwertes und der Feder: Als erster Herrscher verfasste er eine Autobiographie.

Karl war als Sohn von Johann von Luxemburg und Elisabeth von Böhmen eine wichtige Figur im politischen Spiel. Als Gegenkönig des Wittelsbachers Ludwig der Bayer konnte Karl die Unterstützung des Papstes gewinnen und damit den Kampf um die römisch-deutsche Krone. Seine Krönung 1355 in Rom bedeutete die Er­neuerung des Kaisertums im Heiligen Römischen Reich. Und er schaffte ein epo­chales Werk: Die Goldene Bulle von 1356 wurde zu einer Art Reichsgrundgesetz und regelte für viereinhalb Jahrhunderte die Wahl des Römischen Königs durch die Kurfürsten.

Als Kaiser stützte er sich weniger auf militärische Gewalt als auf Diplomatie - und auf erhebliche Geldsummen, mit denen er die Zustimmung der Kurfürsten erkaufte. Die reichen Silbervorkommen Böhmens, die Förderung des Handels sowie die effiziente Verwaltung und Nutzung seiner Territorien ermöglichten den Erfolg des ebenso frommen wie berechnenden Kaisers. Daneben betrieb er geschickte Hei­ratspolitik: Bei seinen vier Ehen wie bei der Ver­heiratung seiner Kinder spielte die Mehrung seiner Hausmacht stets die wichtigste Rolle. So bildete die Mitgift der Wittelsbacherin Anna von der Pfalz die Grundlage für Karls „Neuböhmen“ in der Oberpfalz.

Umstrittener Herrscher oder Ikone?

Weil er für seine Hausmachtpolitik in großem Umfang Reichsgut verpfändete, sa­hen deutsche Historiker Karl lange als „Vater Böhmens, aber Erzstiefvater des Reiches“, während er in Böhmen bzw. Tschechien bis heute als „Vater des Vater­landes“ gilt.

Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung wirft mit über 180 hochrangigen Kunst­werken, Urkunden, kulturhistorischen und alltagsgegenständlichen Zeugnis­sen und medialen Inszenierungen einen neuen Blick auf den facettenreichen Herr­scher und seine Zeit. Das Konzept wurde von der Nationalgalerie Prag und dem Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg in Zusammenarbeit mit Wissen­schaftlern des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmit­teleuropas (GWZO) Leipzig, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissen­schaften, des Deutschen Historischen Instituts Rom, der Heinrich-Heine-Universität Düssel­dorf und der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde St. Martha Nürn­berg erarbeitet.

Begleitprogramm zur Landesausstellung

Das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee und die Metropolregion Nürnberg ha­ben begleitend zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung eine Vielzahl an Festen, Konzerten, Themenabenden und weiteren Veranstaltun­gen organisiert. So laden während des gesamten Ausstellungs-Zeitraums über 300 grenzübergrei­fende Veranstaltungen entlang der Goldenen Straße zwischen Nürnberg und Prag ein, sich auf Spurensuche zu begeben.

Bayerisch-Tschechische Landesausstellung 2016/17 „Karl IV. “
Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg
20.10.2016 – 05.03.2017
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