Nostalgie und pure Freude – mit der Dampflok entlang der Goldenen Straße

Ein Tag mit Freu(n)den mitten in Europa: Mit der Dampflok entlang der Goldenen Straße. (Foto: Stadt Lauf/Anja Müller)
 
Ein Tag mit Freu(n)den mitten in Europa: Mit der Dampflok entlang der Goldenen Straße. (Foto: Stadt Lauf/Anja Müller)
REGION (pm/nf) - Für Eisenbahnfans wurden am vergangenen Samstag Träume wahr: Im Morgengrauen setzte sich die 1.650 PS starke Dampflokomotive der Fränkischen Museums-Eisenbahn (FME), Baujahr 1943, in Bewegung. Die Ehrenamtlichen der FME schwitzten schon in der Nacht davor, um das Ruhefeuer anzuheizen. Gegen 6 Uhr konnte das schnaubende und fauchende „Ungeheuer“ dann seine Reise antreten.

Von Nürnberg ging es nach Lauf (rechts Pegnitz), Neunkirchen am Sand und Hersbruck (rechts). Anschließend führte der Weg über Schirnding nach Cheb (Eger) und von dort aus Richtung Loket im Kreis Karlsbad. 

Über 440 gut gelaunte Passagiere verteilten sich auf neun Wägen, darunter ein Speise- und Barwagen sowie ein zusätzlicher Bauwagen. Die Waggons mit dem Charme früherer Tage wurden neben der FME von Eisenbahnfreunden aus Hersbruck, Würzburg und Passau zur Verfügung gestellt.

Dass es spielerisch leicht aussah, wie die beeindruckende Dampflok 52 8195-1 die historischen Reisezugwagen aus den dreißiger und fünfziger Jahren zog, war den insgesamt 30 engagierten Helfern der FME zu verdanken. 

Ein Tag mit Freu(n)den mitten in Europa

. Die landschaftlich reizvolle Bahnstrecke, auf der die Eisenbahn unterwegs war, ist die kürzeste Verbindung zwischen Nürnberg und Karlsbad beziehungsweise Prag. Deshalb wurde sie in vergangener Zeit auch von den Luxuszügen des Bäderverkehrs genutzt: vom Orientexpress, dem Ostende-Karlsbad-Express sowie dem Paris-Karlsbad-Express. 

Gemächlich schnaubte der kohlegefeuerte Zug von Nürnberg über die Fichtelgebirgsbahn. Im oberen Pegnitztal ging es über denkmalgeschützte Eisenbahnbrücken und durch mehrere Tunnel.

Entlang der Strecke erntete der Zug immer wieder Beifall von Menschen, die ihn in Bildern und Videoaufnahmen festhielten. 

In Cheb wechselte der Staffelstab von dem fränkischen Dampflok-Kraftprotz an ein tschechisches Duo aus Dampftender- und Diesellokomotive, das die Fahrgäste bis nach Loket (Elbogen) brachte. Dort wurden sie vom Zweiten Bürgermeister der Stadt, Petr Zahradnicek und dem örtlichen Pfarrer, Jiri Majkov, sehr herzlich in Empfang genommen.



Die Stadt liegt malerisch in der Biegung des Flusses Eger, der hier einen Felsen umfließt. „Heute waren wir in Elbogen, das über alle Beschreibung schön liegt und sich als landschaftliches Kunstwerk von allen Seiten betrachten lässt“, war schon Johann Wolfgang von Goethe dem Zauber des Städtchens verfallen. 



Viele Fahrgäste besuchten die königliche Burg Loket, die zu den größten erhaltenen Burgen in Mitteleuropa zählt – sie ist das Wahrzeichen des Ortes. Den Betrachtern bot sich ein überwältigender Ausblick über die Stadt und die sie umgebende Landschaft. Auch die Porzellanausstellungen, die Sammlungen vom Stadtmuseum, das Waffenmuseum und die ehemaligen Gefängnisräume lohnten den Besuch. 

Während des Aufenthalts blieb außerdem genügend Zeit, weitere historische Bauwerke zu besichtigen und einen Bummel durch die Straßen zu unternehmen.
Die Genießer unter den Eisenbahnfreunden kamen ebenfalls auf ihre Kosten: mit regionalen Gaumenfreuden wie dem köstlichem Schwein aus dem Erd-Ofen oder einem süffigen Bier.



Laufs Erster Bürgermeister Benedikt Bisping, der die Schirmherrschaft für die Fahrt übernommen hatte, freute sich sehr, dass seine Idee dieser „außergewöhnlichen Bahnerlebnisreise nach Böhmen“ nach umfangreichen Planungen umgesetzt werden konnte. „Im Jubiliäumsjahr 650 Jahre Goldene Straßen gilt es, die Kaiser Karl IV.-Burgenstädte Nürnberg, Lauf und das Nürnberger Land mit Loket im Kreis Karlsbad zu verbinden und somit die Freundschaft von Franken und Böhmen auszubauen“, so Bisping im Vorfeld der Reise.

 Lauf und Loket verbindet ein Memorandum zum Austausch und zur kulturellen Zusammenarbeit. Dr. Ekkehard Wagner aus Lauf, langjähriger stellvertretender Vorsitzender der Fränkischen Museumseisenbahn und Professor in Ruhestand, sowie zahlreiche Vereine und Einrichtungen befürworteten die Idee dieser einzigartigen Fahrt. Und Dank der finanziellen Unterstützung durch die Sparkasse Nürnberg, konnte das Erlebnis, das innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war, zu einem familienfreundlichen Preis angeboten werden.



„Dieser tolle Tag verging fast wie im Flug“, freuten sich die Fahrgäste bei der bewegten Verabschiedung durch den Ersten Bürgermeister Lokets, Zdenek Bednar. Dass eindrucksvoll ein längst vergangenes Kapitel Bahngeschichte erzählt werden konnte, dafür bedankte sich Bürgermeister Benedikt Bisping auf der Heimreise per Zug-Durchsage bei allen Fahrgästen, Unterstützern, Ehrenamtlichen und Fördern aufs Herzlichste.
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