Triathlon-Sensation in Roth: Jan Frodeno knackt Weltbestzeit

Jan Frodeno nach seinem triumphalen Finish: Beim DATEV Challenge in Roth am vergangenen Sonntag hat er die Bestzeit von Andreas Raelert um fast sechs Minuten unterboten. (Foto: © Christoph Raithel)
 
DATEV-Challenge-Impression mit den drei bestplatzierten Triathletinnen (v.l.) Yvonne van Vlerken, Daniela Ryf und Carry Lester. (Foto: © Christoph Raithel)

ROTH (pm/vs) - Das schönste Geschenk zum 15. Geburtstag des DATEV Challenge Roth hatte der Sieger mitgebracht: Jan Frodeno stellte beim Langdistanz-Klassiker in der Triathlon-Hochburg Roth eine sensationelle neue Weltbestzeit auf. Mit 7:35:39 Stunden unterbot der Weltmeister auf der Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen Andreas Raelerts vor fünf Jahren an gleicher Stelle aufgestellten Rekord von 7:41:33 Stunden um fast sechs Minuten.

Frodeno hatte schon vor einem halben Jahr angekündigt, erstmals beim DATEV Challenge Roth an den Start zu gehen und Raelerts Rekord angreifen zu wollen. Und wenn ein Mann dieser Klasse so etwas ankündigt, "dann sollte man alles dafür tun, um es auch zu schaffen" sagte ein überglücklicher Jan Frodeno im Ziel. Auf das Rennen hatte sich der Olympiasieger von 2008, damals noch über die Kurzdistanz, akribisch vorbereitet. Und vor Ort traf er dann nicht nur auf das größte Feld im Triathlon-Zirkus, sondern auch auf optimale äußere Bedingungen: meist bedeckter Himmel, warme Temperaturen, praktisch kein Wind.
Also machte sich der Top-Favorit auf zu einem Start-Ziel-Sieg. Es wurde ein Rennen gegen die Uhr, wenn auch kein einsames: Hunderttausende Fans verfolgten das beeindruckende Solo des Top-Favoriten, der am Ende nicht nur den neuen Rekord in Händen hielt, sondern auch ein Gesetz der Serie brach: Noch nie hatte ein Hawaii-Sieger anschließend in Roth triumphiert. Frodeno war schon beim Schwimmen eine Klasse für sich und ließ auch beim Radfahren keinen Kontrahenten in Sichtweite kommen – trotz eines Ausritts in den Graben in der zweiten Radrunde. "Aber das hat dank des zusätzlichen Adrenalinschubs wahrscheinlich mehr Zeit gebracht, als der Sturz Zeit gekostet hat", sagte Froneno hinterher.
Während des Rennens sagte er nicht so viel, vielmehr erlebte er auf der abschließenden Marathonstrecke "viele Hochs und Tiefs". Am Ende behielten die Hochs die Oberhand. Und ein fassungsloser Sieger gestand im ersten Interview im Zielbereich ein: "Jetzt habe ich verstanden, warum das hier das größte aller Rennen ist."
Wie überlegen Frodeno war, beweist sein Vorsprung auf die Konkurrenz. Den Überraschungszweiten Joe Skipper (Großbritannien, 7:56:23 Stunden) distanzierte der Sieger um mehr als 20 Minuten. Titelverteidiger Nils Frommhold wurde verdienter Dritter, auch er knackte noch knapp die Acht-Stunden-Marke (7:57:49 Stunden).

Hervorragende Frauen

Wie bei den Männern (Jan Frodeno), so auch bei den Frauen (Daniela Ryf): Die Hawaii-Sieger haben den mittelfränkischen Triathlon-Klassiker dominiert. Ryf gewann den DATEV Challenge Roth in unglaublichen 8:22:04 Stunden – und damit in der drittbesten jemals erzielten Zeit auf der Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen.
Damit kam sie sogar fast an die Fabelzeiten der unvergleichlichen Chrissie Wellington heran, die jedoch bei ihren Siegen 2010 und 2011 an gleicher Stelle noch einen Tick schneller unterwegs war.
Zwischendurch musste die sympathische Wellington, die am Sonntag als ganz normale Zuschauerin in Roth unterwegs war, allerdings um ihre Weltbestzeit bangen. Immerhin fuhr Daniela Ryf auf der Radstrecke zehn Minuten schneller als seinerzeit die Britin. Doch auf der Marathonstrecke fehlten der für eine Langstrecklerin noch vergleichsweise jungen Schweizerin die nötige Ausdauer.
Auch wenn Wellingtons Weltbestzeit hielt: Daniela Ryf scheint auf einem guten Weg zu sein, sie brechen zu können. "Ich hoffe, ich komme wieder", sagte sie im Ziel, in dem sie den Eindruck machte, als hätte sie gerade einen lockeren Zehn-Kilometer-Lauf absolviert.
Wie dominant Ryf war, zeigen die Zeitabstände zur Konkurrenz. Die Australierin Carrie Lester lieferte als Zweitplatzierte mit 8:42:13 Stunden eine Top-Zeit ab, wurde aber trotzdem um 20 Minuten abgehängt. Lester belegte damit exakt den gleichen Platz wie im Vorjahr und verwies Titelverteidigerin Yvonne van Vlerken (8:49:35 Minuten) auf Rang drei. Van Vlerken war angetreten, um als erste Frau in Roth zum vierten Mal zu gewinnen. Die Chancen schwanden, als Daniela Ryf vor gut einer Woche nachmeldete. Und als Ryf auf dem Rad in ihrer eigenen Liga kurbelte, war van Vlerkens Traum endgültig geplatzt.
Neben den Top 3 knackte mit der Britin Laura Siddall (8:51:59 Stunden) eine vierte Frau die Neun-Stunden-Schallmauer. Für Lokalmatadorin Anja Beranek, im Vorjahr noch Dritte, reichte es diesmal "nur" zum fünften Platz. Sie blieb mit 9:00:20 Stunden hauchdünn über der Neun-Stunden-Marke.
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