Vorstellung des Kriminalromans „Schwarze Madonna“ von Xaver Maria Gwaltinger und Josef Rauch

Spannend, grausam, konsequent: Bei der "Schwarzen Madonna" gibt es viele Tote. (Foto: Victor Schlampp)

REGION (vs) - Können zwei Autoren gemeinsam einen spannenden Kriminalroman schreiben, mit zwei Ermittlern, zwei Hauptschauplätzen und einer überraschenden Auflösung? Mit „Schwarze Madonna“ liefern Xaver Maria Gwaltinger und Josef Rauch den überzeugenden Beweis. Es geht!

Die Ausgangslage: Den ermittlungstechnisch versierten, aber geschäftsmäßig ziemlich erfolglosen Privatdetektiv Phillip Marlein mit Sitz in Fürth, plagen wieder einmal Geldsorgen. Um die überfällige Miete zu bezahlen, soll er das Verschwinden eines neugeborenen Kindes aufklären. Auf der anderen Seite steht der im Allgäu beheimatete Emil Bär, ehemaliger und vom Leben überforderter Pastor und Psychologe, der eher unfreiwillig in die Rolle des Ermittlers hineingedrängt wird.
Ausgangspunkt sind der Diebstahl der sogenannten Schwarzen Madonna aus der Gnadenkapelle von Altötting und zwei mysteriöse Todesfälle: Eine junge Frau ist im Fluss ertrunken und die Leiche eines neugeborenen Jungen mit herausgerissenem Herzen schockiert die Anwohner.
Recht schnell stoßen Marlein und Bär auf eine heidnisch-satanistisch orientierte Sekte, die das Marienbild der katholischen Kirche auf den Kopf gestellt hat. Die Jungfrau wird als sexspendende Göttin verehrt, die von ihren Anhängerinnen als Tribut für die Ekstase jede männliche Erstgeburt als Opfer fordert. Das bietet Stoff für fast 450 Seiten pornographischer, blasphemischer und grausam-mörderischer Detailverliebtheit.
Gwaltinger und Rauch haben das Thema sorgfältig recherchiert. Es ist sozusagen ein Meisterwerk des Bösen: spannend, originell und konsequent zu Ende gedacht. Allein die beiden ausgefeilten Charaktere von Marlein und Bär, die auch die sprachliche Ausdrucksweise exzellent getrennt werden, zeigt das Ringen um Perfektion. Die letztendliche Auflösung des Kriminalfalls ist ebenso unerwartet wie schockierend.

Muss soviel Gewalt sein?

Wenn man Kritik jenseits eventueller religiöser Empfindungen anbringen möchte, dann geht es um die Themen Glaubwürdigkeit und der Umgang mit der Darstellung von Gewalt. Der Kriminalroman – zumindest, wenn er in Bayern spielt - lebt von einer bürgerlichen Gesellschaft, in der ein oder mehrere Verbrechen den normalen Alltag unterbrechen. Spannung entsteht vor allem durch die Frage nach dem Täter und ob und wie dieser zur Strecke gebracht wird. Gwaltinger und Rauch verkehren diese Grundlage ins Gegenteil. In einer von falschen Polizisten, Mördern, Psychopathen und sonstigen Perversen dominierten Gesellschaft versuchen zwei zwielichtige Ermittler mit ebenfalls weitgehend kriminellen Methoden eine mafiös-strukturierte Gruppe am geplanten Massenmord zu hindern. Da fällt es gar nicht mehr auf, dass eine real ermittelnde Polizei faktisch nicht mehr existiert. Es hätte den Rezensenten auch nicht überrascht, wenn die angebliche Mariensekte auch noch eine aus sowjetischen Beständen geklaute Atomrakete auf den Vatikan abgefeuert und ganz Altötting und Umgebung durch das Ausstreuen von Milzbranderregern unbewohnbar gemacht hätte. Doch: Ist das wirklich bayerischer Alltag? Die zweite Frage lautet: Hätte man die ganze Geschichte nicht auch etwas weniger brutal in Szene setzen können? Um den Lesern keinen Hinweis auf die Auflösung zu geben, müssen Details im Verborgenen bleiben. Nur soviel: Es betrifft Mann und Frau, Erwachsene und Neugeborene, auch zwei Hunde müssen ihr Leben lassen. An Todesarten kommen unter anderem Erhängen, Ersäufen, Zermantscht-Werden, Aufspießen und Vergiften vor. In die Rubrik der versuchten Morde fallen unter anderem vor den Zug werfen, erschießen und erschlagen.
Das erinnert an die sogenannten Splattermovies: Eine Gruppe Jugendlicher macht einen Abenteuerurlaub irgendwo im Urwald. Dann kommt ein Perverser mit der Kettensäge und das Blutbad kann beginnen.....

Die „Schwarze Madonna“ ist im Emons Verlag unter ISBN978-3-95451-442-7 erschienen und kann über den Buchhandel bestellt werden.

Victor Schlampp
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