Wrestling in Nürnberg: Wenn Sport auf Unterhaltung trifft

NÜRNBERG - Am Donnerstagabend war es soweit. Die Wrestler der WWE, kurz für World Wrestling Entertainment, traten in der Nürnberger Arena auf. Die WWE ist ein Medienunternehmen, welches vor allem für die Veranstaltung von Wrestling-Shows sowie -TV-Sendungen bekannt ist. Schon seit 1980 wird es offiziell als „Sports-Entertainment“, also Sportunterhaltung vermarktet.

Grundstein Nummer 1: Die Handlung

Doch was ist Sportunterhaltung eigentlich? Der Grundstein für Wrestling ist immer eine gewisse Handlung, auch Story oder Storyline genannt. Diese kann einige Minuten oder gar Jahre dauern. Im Wrestling gibt es in einer Handlung so gut wie immer einen Bösen, den Heel und einen Guten, den Face. In der Storyline ist immer abgesprochen, wie genau die Handlung abläuft und wer, wie gewinnt. Man kann sich das wie ein Drehbuch für einen Kinofilm vorstellen. Dort kämpft auch der Gute gegen den Bösen. Obwohl es so aussieht als ob der Böse gewinnt, kann der Gute noch kurz vor Schluss zum Helden werden und den Bösen besiegen. Schauplatz der Handlung ist aber meistens der Ring, wo Matches zwischen den Heels und den Faces ausgetragen werden. Neben den Szenen im Ring gibt es allerdings auch Drehorte, wie Interviewbereiche, Umkleiden oder Parkplätze. Eine typische Handlung für das Wrestling ist zum Beispiel ein sogenannter „Heel Turn“: das bedeutet ein Guter wird zum Bösen. So ist zum Beispiel der Heel Turn von Hulk Hogan 1996 zu erklären. Seit Jahren war er ein Publikumsliebling, doch dann attackierte er den Face Randy Savage, womit er sich als Verbündeter von den beiden Bösen Kevin Nash und Scott Hall zu erkennen gab. Hulk Hogan hielt danach ein Interview, brach mit den Fans und rief die New World Order des Wrestlings aus.

Grundstein Nummer 2: Der Sport

Der andere Aspekt des Wrestlings ist der Sport. Früher, zu Hogans Zeiten, waren die Aktionen, auch Moves genannt, relativ schlicht und einfach gehalten. Zum Beispiel hatte Hogan als gewinnbringenden Move (Finisher) einen Leg Drop. Das heißt er holte Schwung in den Ringseilen und landete mit den Beinen auf den Kopf des liegenden Gegners. Heute sieht man verschiedene Varianten dieses Moves, den Sieg bringt er oft nicht mehr ein. Heute sind Finisher vor allem Symbolaktionen. Jeder Wrestler hat seinen eigenen speziellen Finisher. Diese sind heute wohl spektakulärer als früher. Über den 619 (sprich: engl. Six-One-Nine) von Rey Mysterio oder dem Corkscrew Shooting Star Press genannt Red Arrow von Adrian Neville. Diese Moves sind aber besonders riskant. Einer der gefährlichsten Finisher hat wohl AJ Styles mit seinem Styles Clash. Eine Verletzung im Wrestling ist dramatisch. Da die Handlungen meistens feststehen ist es sehr schlecht, wenn Moves einen Wrestler verletzen. Falls sich ein Superstar dann doch mal verletzen sollte, muss die Handlung umgeschrieben werden. So geschehen im Sommer 2016 als der Face Finn Balor den Universal Championship gewann. Leider verletzte sich der Ire im Match schwer an der Schulter und musste bereits am nächsten Tag den Titel wieder abgeben.Geplant war das natürlich nicht.
Deshalb ist es wichtig, dass im Ring nichts schief geht. Wrestler sind sehr erfahren und trainiert. Ihre Aktionen führen sie teilweise täglich durch.

Grundstein Nummer 3: Die Zuschauer

Wie in der sonstigen Geschäftswelt gilt auch bei der WWE: Der Kunde ist König. Wollen die Zuschauer nicht das Produkt sehen, muss die WWE reagieren. Es ist wichtig, dass die Wrestler das Publikum auch unterhalten können. Dafür sind aber auch gute Geschichten und Charaktere notwendig, die von kreativen Köpfen hinter der Kulisse bestimmt werden. Ein gutes Beispiel, wie eine Charakterveränderung hilft, ist Bray Wyatt. Er ist in die WWE eingestiegen als Husky Harris und war Teil einer Gruppierung. Harris hatte keinerlei Interesse bei den Zuschauern geweckt. Im Gegenteil. Die Reaktionen auf ihn waren negativ. Der Charakter war eintönig und langweilig. Nach dem Ende der Gruppierung wurde Harris in die WWE-interne Entwicklungsliga NXT gesteckt. Dort wurde er als Bray Wyatt eingesetzt, ein Anführer eines bösartigen Hinterwäldler-Kults, selbst mehr Monster als Mensch. Um ihn herum formte man zusammen mit den Wrestlern Erick Rowan und Luke Harper die Wyatt Family. Seitdem ging es mit ihm auf und ab, aber die Reaktionen des Publikums waren immer sehr gut. So kam es, dass im Februar 2017 Wyatt den WWE Championship erringen konnte, den wichtigsten Titel der WWE.

Das Highlight des Jahres: WrestleMania

Jedes Jahr gibt es ein riesiges Wrestling Event, genannt WrestleMania. Die erste Show fand 1985 statt. Am 2. April 2017 gibt es schon die 33. Ausgabe. Letztes Jahr wurde der Zuschauerrekord gebrochen. Das Interesse an der WWE steigt auch in Deutschland, weshalb die WWE mehrmals hier auf Tour ist. Die nächsten Termine stehen noch nicht genau fest. Der nächste deutsche Tourstopp wird wohl am Donnerstag, den 11. Mai 2017 bei WWE Live in Stuttgart in der Porsche-Arena sein.
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