Der Pellerhof wächst und gedeiht: Baustellenbesichtigung!

Baustellenbesichtigung Pellerhof am 12. April 2014. (Foto: Altstadtfreunde Nürnberg e.V./Kabelitz)
 
Baustellenbesichtigung Pellerhof am 12. April 2014. (Foto: Altstadtfreunde Nürnberg e.V./Kabelitz)

NÜRNBERG (pm/nf) - Nach der Winterpause bieten die Altstadtfreunde unter dem Motto „Der Pellerhof wächst empor“ wieder eine Baustellenbesichtigung in Nürnbergs einst prächtigstem Bürgerhof an. Die Führungen finden am Samstag, 12. April zwischen 11 und 15 Uhr jede halbe Stunde statt.
Erstmals werden die Besucher einen ganz neuen Raumeindruck im Hof des Pellerhauses genießen können. Nach der vollständigen Errichtung der östlichen Arkaden und der Eindeckung des Dachs wurde das, seit 2008 stehende Gerüst entfernt.

Schon im letzten Jahr wurden die in verschiedenen Betrieben der Region gefertigten Steine und ein komplett gespendeter Bogen im Pellerhaus versetzt. Hier war wieder das unbekümmerte Abweichen von jeglicher Regelmäßigkeit auffallend: Alle sechs Bögen haben unterschiedliche Spannweiten und die Flucht der Arkadenreihe ist nicht gerade. In ihren alten Teilen war sie leicht ausgebaucht. Dies kann allerdings auch mit den Bombenschäden zusammenhängen, genau wie die Tatsache, dass die Bogenreihe nicht horizontal läuft, sondern vom Vorderhaus in Richtung Hof deutlich absinkt. All dies wurde natürlich berücksichtigt und wieder aufgegriffen, so dass sich das Mauerwerk nun wieder präsentiert wie vor der Zerstörung 1944/45.

Grundlage für die Arbeiten waren der Baubestand des darunterliegenden Stockwerkes, der original erhaltene Bogen auf der gegenüberliegenden Westseite und eine Fülle von Fotos vor der Zerstörung des Hauses. So waren der Abstand der Säulen und die Höhenmaße durch den Bestand festgelegt. Die Profile und die Gestaltung von Kapitellen und Schlusssteinen waren ebenfalls übertragbar. Die Formgebung wurde mit Hilfe der Vorkriegsbilder vom unverwitterten Original lediglich überarbeitet.

Neu konstruiert werden mussten die unterschiedlichen Maßwerke der Brüstungsfelder und das prächtige Chörlein. Hier erwies sich wieder einmal die umfassende Fotodokumentation des Hauses als großer Glücksfall: Aus der Sammlung von Dr. Erich Mulzer gibt es frontale Fotos von zehn Maßwerkfeldern des Hofes, die es sogar ermöglichten, Abweichungen von der geometrisch richtigen Konstruktion bei der Neuanfertigung zu berücksichtigen. Auch vom Chörlein sind gute Bilder vorhanden, so dass es hier ebenfalls möglich war, die verlorenen Vorbilder recht genau zu wiederholen. So wurde z.B. in der Ornamentik des Chörleins bei Fensterstürzen, Sockeln und Voluten festgestellt, dass sich der 1950er-Jahre-Aufbau vom Original teils erheblich unterscheidet.
MIt dem Aufbau ist man deutlich näher am Renaissance-Original.

Sämtliche Steine wurden aus Worzeldorfer Quarzit angefertigt, einem Material, das genau dem in den dreißiger Jahren verwendeten entspricht. Alle Steine sind handwerklich gearbeitet, was zu kleinen Unregelmäßigkeiten führt, die als solche gar nicht auffallen aber zu einem lebendigen Ge-samtbild führen, das sich wohltuend von maschinell gefertigten Fassaden abhebt.

Nach Fertigstellung der Natursteinarbeiten wurden noch die Stockwerksdecke und der Dachstuhl erstellt. Mit dem Bau dieser Bogenreihe haben die Altstadtfreunde und die beteiligten Firmen im Laufe des Jahres 2013 eine
Aufbauleistung vollbracht, wie es sie in Nürnberg wohl seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gegeben hat.

Baustellenbesichtigung
„Der Pellerhof wächst empor“
Samstag, 12. April 2014
11 – 15 Uhr, Führungen zu jeder halben Stunde
Egidienplatz 23, 90403 Nürnberg
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