Die Geschichte der Geisdorfer Glocke

Pfarrer Kaiser (2.v.l) und Pfarrer Bruha (2.v.r.) hielten gemeinsam die Messe zur Einweihung des neuen Glockenturms in Geisdorf. (Foto: Nicole Fuchsbauer)

Aus der Not eine Tugend gemacht: Einweihung des neuen Glockenturms

REGION - Pfarrer Christian Kaiser brachte es in seiner Predigt auf den Punkt: Die Geisdorfer haben aus der Not eine Tugend gemacht. Der neue Glockenturm wurde am Sonntag, 25. Mai 2014, feierlich eingeweiht. Die Messe hielt Pfarrer Christian Kaiser gemeinsam mit seinem Kollegen, dem evangelischen Pfarrer Udo Bruha, der Gemeinde Memmelsdorf-Lichteneiche. Pfarrer Bruha ist auch Gefängnispfarrer der JVA Bamberg und erzählte kurz aus seinem Alltag als ,,Knastpfarrer", was viele Zuhörer doch nachdenklich stimmte. Doch was macht den Glockenturm so besonders?

Im Jahr 1984 bekamen die Einwohner von Geisdorf, ein kleines idyllisches Dorf im Landkreis Heiligenstadt, von ihrem damaligen Pfarrer Erhard M. Melcher eine Glocke. Die Glocke stammt aus den 1920er Jahren und wurde mitten im Dorf zwischen zwei Linden aufgehängt. Seitdem wurde sie von allen Geisdorfern geläutet: Jede Woche übernahm eine andere der acht ortsansässigen Familien den Dienst morgens um sechs, mittags um 12 und abends um 18 Uhr von Hand zum Angelusgebet zu läuten. Neu zugezogene Familien wurden übrigens in diesen Plan und in die Gemeinschaft integriert.

Im Jahr 2012 wurde die Glocke allerdings vom Bauhof des Marktes Heiligenstadt abgebaut – die außergewöhnliche Konstruktion über einem öffentlichen Weg entsprach nicht mehr den öffentlichen Sicherheitsanforderungen.

Natürlich wollten die Geisdorfer auf gar keinen Fall auf ihre Glocke verzichten. Sie gründeten den Verein ,,Unter den Geisdorfer Linden" um einen Glockenturm zu errichten, damit das ,,Zeichen der Gemeinschaft und des Lebens im Dorf wieder erklingen kann". Das Grundstück, auf dem der neue Glockenturm steht, wurde dem Verein gestiftet, zahlreiche Spenden haben den Bau des Glockenturms mitsamt einem automatischen Läutwerk überhaupt erst möglich gemacht, wie 1. Vorstand Josef Pickel während der Einweihungszeremonie erklärte. Die Kosten belaufen sich auf rund 18.000 Euro. Er bedankte sich bei allen, die das Projekt tatkräftig unterstützt haben und wäre glücklich über weitere Spenden.
Und so dürfen alle Gemeindemitglieder endlich wieder früh, mittags und abends beim Geläut ihrer Glocke kurz innehalten und sich darüber freuen, dass dieses wichtige Zeichen der Dorfgemeinschaft zurück gekehrt ist. Und vielleicht darüber, dass Dienst an der Glocke jetzt auch ohne Dienstplan funktioniert...

Spenden können auch weiterhin auf das Vereinskonto Nr. 20001 bei der Raiffeisenbank Heiligenstadt BLZ 77069051 eingezahlt werden. Der Verein ,,Unter den Geisdorfer Linden e.V." ist als gemeinnützig anerkannt.

www.geisdorfer-linden.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.