Ehrung für einen großen Sohn der Stadt

Robert Schopflocher wurde der Jakob-Wassermann-Preis verliehen

FÜRTH (web) - Der Schriftsteller Robert Schopflocher wurde am vergangenen Sonntag mit dem Jakob-Wassermannpreis 2008 der Stadt Fürth geehrt. Im Stadttheater nahm der 84-Jährige die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung aus den Händen von Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung entgegen.

Erstmals wurde mit dem seit rund 70 Jahren in Argentinien lebenden Autor ein in Fürth geborener Literat ausgezeichnet. 1937 war Schopflocher im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie vor den immer stärker werdenden Anfeindungen der Nationalsozialisten nach Südamerika geflohen. Umso bewegter und ergriffener war Schopflocher deshalb bei der Preisverleihung, zu der zahlreiche Ehrengäste ins Stadtthaeter kamen, darunter auch die Preisträgerin von 1999, Hilde Domin.

OB Jung würdigte das schriftstellerische Lebenswerk Schopflochers. Dieses sei ein "eindrucksvoller Beweis dafür, dass heimatliche Gefühle und das Gespür für die Muttersprache trotz aller Verfolgungen nicht verloren gehen können und dass Menschlichkeit und mitmenschliches Handeln aktuelle Tugenden sind". Jung hob auch Schopflochers reine und klare Sprache hervor. Eine "große Übereinstimmung zwischen Wassermann und Schopflocher" sah Laudator Prof. Dr. Gunnar Och vom Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Erlangen- Nürnberg. Beide stammen aus Fürth, beide sind jüdischer Herkunft. Zudem ist bei beiden die eigene, jüdische Identität ein zentrales Thema und sowohl Wassermann als auch Schopflocher "begehren gegen alle For-men der Intoleranz und Barbarei auf", so Och.

Nicht zu vergessen: Beide Autoren sind großartige Erzähler. Robert Schopflocher dankte sichtlich bewegt: "Mein Lebenskreis, der im Nathanstift begann, neigt sich seinem Ende zu. Ich bin froh, dass ich diesen Höhepunkt meines Lebens noch erfahren durfte: die Ehrung einer Stadt, die nie aufhörte, meine innere Heimat zu sein". In seiner Dankesrede schilderte Schopflocher sein persönliches Verhältnis zu dem Werk Jakob Wassermanns, "dem ich, wie mir erst in letzter Zeit bewusst wurde, so viel verdanke". Der Jakob-Wassermann-Preis wurde erstmals 1996 an Edgar Hilsenrath verliehen. Die weiteren Preisträger waren: Hilde Domin (1999), Dagmar Nick (2002), Sten Nadolny (2004), Uwe Timm (2006) und Robert Schindel (2007).



Ein großer Literat und Kämpfer gegen Intoleranz: Robert Schopflocher bei der Verleihung des Jakob-Wassermann-Preises. Foto: Rolf Beres
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