Europawahl aktuell und Bürgerentscheid Rathaussaal

Historischer Rathaussaal Nürnberg. (Foto: Stadt Nürnberg/Dierenbach)
 
Friedensmahl im Historischen Rathaussaal Nürnberg. (Foto: bayernpress)
NÜRNBERG (pm/nf) - Am heutigen Freitag, 16. Mai 2014, hat Wahlamtsleiter Wolf Schäfer in einer Pressekonferenz ausführlich über die Europawahl und den Bürgerentscheid zum künftigen Umgang mit dem Historischen Rathausaal am 25. Mai 2014 berichtet.

Bürgerinformation der Stadt Nürnberg zum Historischen Rathaussaal und seiner Geschichte


Das Nürnberger Rathaus spiegelt die Bedeutung der Reichsstadt. Mit der Goldenen Bulle (1356), dem ersten geschriebenen Reichsgesetz, wurde jeder neue König verpflichtet, seinen ersten Reichstag hier abzuhalten. Die dauerhafte Hinterlegung der Reichskleinodien 1423/24 unterstrich zusätzlich ihre Bedeutung.

Die Geschichte des Saals

Der Nürnberger Rathaussaal, bereits zwischen 1332 und 1340 errichtet, war mit 40 Metern Länge und 12 Metern Scheitelhöhe einst der größte weltliche Bau nördlich der Alpen. Hier tagte der Rat der Stadt und hielt Gericht. Er war immer auch ein Ort der Repräsentation und diente für die Huldigung des Kaisers, wenn sich dieser in der Stadt aufhielt. Seit jeher konnten Bürgerinnen und
Bürger den Saal für gesellschaftliche Anlässe mieten. Ein weltgeschichtlich bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte des Saales war das Friedensmahl, mit dem 1649 der Abschluss der Friedensverhandlungen nach dem Dreißigjährigen Krieg gefeiert wurde.
Erste Ausmalung

1521 wurde Albrecht Dürer mit der Neukonzeption (u.a. Bemalung und Ausstattung) des Rathaussaals beauftragt. Die Themenwahl der Gemälde und die Texte der Wandbeschriftungen im großen Saal wurden maßgeblich von Willibald Pirckheimer beeinflusst. Umgesetzt haben Dürers Entwürfe wohl Maler aus seiner Werkstatt. Die zentralen Gemälde entstanden auf der Nordwand des Rathaussaals, der „Triumphzug des Kaisers Maximilian I.“ als Huldigung an den Kaiser, die „Verleumdung des Apelles“ als Mahnung an die Richter zu einem gerechten Urteil, während der „Pfeiferstuhl“ zur Dürerzeit und bis 1613/21
noch als real gemauerte Empore bestand, auf der die städtischen Musiker spielten. Auch die anderen Innenwände und die Außenwand des Gebäudes wurden nach Dürers Vorgaben bemalt. Teile der Ausstattung wie z.B. die gotischen Reliefs an der Ostseite integrierte Dürer, große Teile veränderte er, einige Ausstattungsgegenstände kamen später dazu.

Zweite Ausmalung

Von der originalen Bemalung aus Dürers Werkstatt sind nur noch Spuren überliefert; der Gesamtzustand ist nicht dokumentiert. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Wände mehrfach verändert, ergänzt, übermalt, teils auch neu bemalt. Besonders einschneidend war die Renovierung 1613/21, bei der die gesamte Westwand des Saales eingerissen, neu gebaut und neu bemalt sowie die Nordwand baulich um einige Meter verlängert wurde. Auch der gemauerte „Pfeiferstuhl“ wurde damals wohl entfernt.

Weitere Bearbeitung

1904/1905 wurden die Wandgemälde unter der Leitung des Münchner Restaurators Hans Haggenmiller restauriert und z.T. neu bemalt. Die einzigen Farbfotos der Bemalung des Saals stammen aus der Zeit 1943/1944, unmittelbar vor seiner Kriegszerstörung. Sie dokumentieren den Zustand der Jahre 1904/1905. Kriegszerstörung Der Saal wurde bei den Bombenangriffen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, besonders am 2. Januar 1945, schwer getroffen und bis auf die Grundmauern zerstört. Erhalten blieben die Reliefs an der Ostwand - wenn auch schwer zerstört - sowie die aus Lindenholz geschnitzten Lüster; sie waren bereits 1943/44 abgenommen und im Kunstbunker gesichert worden.

Wiederaufbau

Nach dem Krieg erfolgte 1956-58 der Wiederaufbau. 1978 begann die Stadt, den Saal in seinen historischen Grundelementen mit der Holzdecke und der Vertäfelung zu rekonstruieren. Hierfür hat der Verein Altstadtfreunde Nürnberg e.V. Spenden eingeworben. Ab 1985 hat die Stadt Künstler beauftragt, Entwürfe für eine historisch orientierte Bemalung vorzulegen. Im Rahmen dieses
Wettbewerbs erhielt auch der Maler Michael Mathias Prechtl einen Auftrag. Er präsentierte einen auf Dürers Bildideen basierenden modernen Entwurf, der sehr kontrovers diskutiert wurde. Prechtl zog diesen Vorschlag 1989 zurück. Der Stadtrat beschloss danach, die Wände bis auf weiteres unbemalt zu lassen. So zeigt der Saal heute, dass er nach der Bombenzerstörung des Krieges
zwar wieder aufgebaut, aber nicht vollständig rekonstruiert worden ist, weil vieles eben unwiederbringlich zerstört war.

Ausgangspunkt der neuen Diskussion

Im „Jahr der Kunst“ 2012 entschloss sich das Kulturreferat der Stadt Nürnberg, sich der Geschichte der Wandmalereien auf der Nordwand mit Hilfe einer filmischen Projektion zu nähern. In einer multimedialen Schau über die Geschichte des Rathaussaales wurden u.a. erstmals die bis dahin kaum beachteten Dias von 1943/44 sowie die Entwürfe Prechtls gezeigt. Ziel war es, die komplexe Geschichte der Wandmalerei im Rathaussaal zu thematisieren und damit die wissenschaftliche Erforschung der Rathausgeschichte, die gerade beim Thema Wandbemalung und Ausstattung noch offene Fragen aufweist, neu zu beleben. Der Kulturausschuss der Stadt Nürnberg hat seither in den Sitzungen vom 1. März und 5. Juli 2013 das Thema einer möglichen Ausmalung behandelt und eine Expertenbefragung beauftragt.

Am 7. Mai 2013 fand im Rathaussaal eine öffentliche Diskussion mit Dürerfachleuten, Restauratoren und Denkmalpflegern statt, die weit überwiegend zu dem Ergebnis kamen, dass eine Ausmalung im Sinne Dürers aufgrund der fehlenden Überlieferung nicht möglich sei.

Zum 500. Jubiläum der Neugestaltung des Rathaussaales nach Entwürfen von Albrecht Dürer im Jahr 2021 erarbeitet die Stadtverwaltung eine Gesamtkonzeption für das Rathaus, die eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung gewährleistet. Zukünftig sollen die Besucherinnen und Besucher mehr Informationen über die Bedeutung des Nürnberger Rathauses
im Lauf der Jahrhunderte erhalten. Es geht vor allem um die Perspektive der Stadt im Verhältnis zu Kaiser und Reich. Auf Bild- und Texttafeln, ergänzt durch ein digitales Vermittlungs- und Führungssystem, soll in der Ehrenhalle und im Rathaussaal die facettenreiche Geschichte des Rathauses dauerhaft erläutert werden.

In dieser Situation hat der Verein Altstadtfreunde Nürnberg e.V. angekündigt, ein Bürgerbegehren zur Frage einer Rekonstruktion des historischen Rathaussaales auf den Weg zu bringen. Der Nürnberger Stadtrat hat daraufhin beschlossen, ein Ratsbegehren einzuleiten, damit der Bürgerentscheid am Tag der Europawahl stattfinden kann, um so Kosten zu sparen.
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