Feierliche Einweihung des dritten Bauabschnitts im Pellerhof

Feierliche Einweihung im Pellerhof (v.l.): Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Dr. Inge Lauterbach, ehemalige Vorsitzende der Altstadtfreunde, Unternehmer Werner Diehl, Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner, Baureferent Daniel F. Ulrich und Karl-Heinz Enderle, Vorsitzender der Altstadtfreunde Nürnberg. Ganz vorne: Das ,,Ehepaar Peller", dargestellt von Susanne Hupfer und Gunter Hackel. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Karl-Heinz Enderle, Vorsitzender der Altstadtfreunde Nürnberg, bei seiner Eröffnungsansprache im Pellerhaus. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Feierliche Einweihung des dritten Bauabschnittes im Pellerhaus (v.l.) Harald Pollmann, Altstadtfreunde, Baureferent Daniel F. Ulrich, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Unternehmer Werner Diehl, Dr. Inge Lauterbach, Altstadtfreunde, Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
Möglich wurde der Wiederaufbau des Pellerhofes nur durch außergewöhnlich hohes bürgerliches Engagement

NÜRNBERG (nf) - Manchmal beginnt ein Bericht mit dem Schlusswort. In diesem Fall mit den Worten von Karl-Heinz Enderle, Vorsitzender der Altstadtfreunde Nürnberg e.V.: ,,Lassen Sie uns das Werk vollenden.“ Unbestritten haben sich die Altstadtfreunde vor rund acht Jahren ein großes Werk vorgenommen – den Wiederaufbau von Deutschlands prächtigstem Renaissancehof am Egidienberg. Gestern wurde die Einweihung des dritten Bauabschnittes im Pellerhof mit vielen Gästen gefeiert.


Es wird aller Voraussicht nach der vorletzte Bauabschnitt sein. Nach der Fertigstellung des Dachs über dem Westflügel wird das Werk bis Mitte 2017 wieder in vollem Glanz erstrahlen. An den Längsseiten präsentiert sich der Hof erstmals seit seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder in seiner ursprünglichen Form. Jetzt fehlt noch der Schaugiebel mit aufwendigen Voluten und Girlanden. Außerdem, so Steinmetz Harald Pollmann, mangelt es momentan an Fenstern, Türen und Bodenbelägen. Das Pflaster im Hof müsste auch neu gestaltet werden. Was die Handwerker bisher schon mit viel Herzblut geschafft haben, ist enorm.

Ebenfalls als enorm darf man getrost das Engagement der Förderer für den Wiederaufbau bezeichnen. Sowohl mit Rat und Tat als auch ganz erheblichen finanziellen Mitteln haben Spender dazu beigetragen, dass der Traum möglich wurde. Nürnberger Unternehmen und Stiftungen wie Diehl, die Zukunftsstiftung der Sparkasse, die Staedtler Stiftung, Müller Medien oder die Alpha Gruppe - um nur einige zu nennen - stemmten das Millionen-Projekt. Selbst einige stattliche Erbschaften konnten die Altstadtfreunde entgegennehmen. Hervorzuheben ist die Unterstützung der Familie Diehl. Bereits vor rund neun Jahren hatte der Nürnberger Ehrenbürger Karl Diehl anlässlich seines 100sten Geburtstages mit einer 500.000 Euro-Spende die Anschubfinanzierung für dieses ehrgeizige Projekt gesichert. Sein Sohn Werner hat den gleichen Betrag bereits zum zweiten Mal beigesteuert - das erste Mal 2009 anlässlich seines 65sten Geburtstages. Damit trägt die Familie Diehl rund ein Drittel der Gesamtkosten, die auf 4,5 bis 5 Millionen Euro geschätzt werden.

Karl-Heinz Enderle dankte deshalb während der Feier ganz besonders den großzügigen Förderern. Zumal von der Stadt Nürnberg weder zu Beginn der Bauarbeiten noch zum aktuellen Zeitpunkt finanzielle Unterstützung zu erwarten war und ist. Dennoch bedankte sich Enderle auch bei der Stadt Nürnberg als Eigentümerin für die reibungslose Zusammenarbeit – mit einem kleinem Nachsatz. Enderle: ,,Ich bin froh, dass sich Politiker mal an ihre Versprechen halten.“ Das Versprechen nämlich, keinerlei finanzielle Mittel für das Projekt bereitzustellen. Enderle lobte allerdings, dass wegen der Bauzeitüberschreitung der Bau nie eingestellt wurde, was jederzeit möglich sei.
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly verteidigte sich mit dem Argument des chronischen Geldmangels in der Stadtkasse. Er könne am heutigen Tag, beim Anblick der fertigen Arbeiten, den ,,gesteigerten Glückshormonspiegel“ der Anwesenden verstehen. Obwohl er zu Anfang der Wiederherstellung eher zurückhalten war. Er glaubte nicht vermitteln zu können, Geld in den Wiederaufbau zu stecken, wenn das Geld eigentlich für Straßen, Brücken oder Kindergärten dringend gebraucht würde. Und: ,,A bissl haben wir schon getan – wenn auch nicht viel.“ Er lobte die gute Atmosphäre des Hauses für Veranstaltungen und bestätigte, dies sei ein guter Tag und ein Beispiel für das Mäzenatentum einer Stadt sowie das bürgerliche Engagement. Für die künftige Nutzung schätze er es sehr, dass sich verschiedene Generationen von Baugeschichte hier die Hand geben. Das gelte auch dafür, dass ganz real junge Leute Baugeschichte bald hautnah erleben können.

Hintergrund: Neben weiterer Kulturnutzung soll dort ein Kinder- und Jugendtreff beheimatet und an das schon bestehende Deutsche Spielearchiv angedockt werden. Das wiederum sehen die Altstadtfreunde kritisch. Der gesamte Pellerhauskomplex hat nur einen Eingang. Konflikte seien damit vorprogrammiert. Auch das über Jahrzehnte vernachlässigte Bibliotheksgebäude müsste schon allein wegen des Brandschutzes für Kosten, die einem Neubau entsprechen, saniert werden.

Streitpunkt Fassade

Auch bei der Fassade des Pellerhauses gehen die Meinungen von Stadt und Altstadtfreunden weit auseinander. Nach Meinung der Altstadtfreunde wird der Egidienplatz erst wieder an seine alte Grandezza anknüpfen können, wenn er seine architektonische Mitte zurück erhält: das Pellerhaus. Es sei an der Zeit, die Chancen des Umbruchs zu nutzen, und es wäre fatal, den heutigen Zustand für alle Zeiten zu konservieren. Die Mayer’sche Fassade habe zweifellos architektonische Qualität, die ihr Denkmalcharakter verleiht, zeittypisch für die 1950er Jahre sei sie mit dem Tonnenabschluss und den eng gestellten Sandsteinpfeilern nur bedingt. Man müsse den Architekten Fritz und Walter Mayer allerdings hoch anrechnen, dass sie die alte Eingangshalle rekonstruiert, den Treppenturm erhalten und den Hof konserviert haben.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bekräftigte in seiner gestrigen Ansprache das Nein zur Rekonstruktion der Fassade. Er wolle nichts wegmachen, was selbst schon ein Denkmal ist und zitiert das Denkmalschutzgesetz. Die Zeit der Renaissance sei nicht wichtiger als die Baukunst der Nachkriegszeit. Sie erzähle ebenfalls ein wichtiges Stück Stadtgeschichte. Dieser geschichtliche Bruch, ergänzt durch den Hof, gehöre eben zu Nürnberg. Man solle, so Maly, ,,nicht mit dem Kopf durch die Wand“ und Respekt vor einem Nachkriegsdenkmal haben. Beschwichtigend fügte er hinzu, die Leistungen der Altstadtfreunde für Nürnberg seien unglaublich wichtig.

Karl-Heinz Enderle berichtete dagegen von einer nicht repräsentativen Umfrage, in der die überwältigende Mehrheit der Nürnberger Bürger für eine Wiederherstellung der Renaissance-Fassade stimmten. Man darf gespannt sein.

Baustellenbesichtigung

Fertigstellung des dritten Bauabschnitts,

Samstag, 8. Oktober 2016
10:00 bis 15:00 Uhr
Führungen zu jeder halben Stunde.

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