Filigrane Totenkronen für ledige Frauen und Männer

Thomas Werner (l.) und Martin Schramm begutachten die Totenkronen. Foto: Ebersberger

Altstadtverein übergibt Grabbeigaben ans Stadtmuseum

FÜRTH (web) - Das Stadtmuseum ist um eine Attraktion reicher: Der Altstadtverein übergab der Einrichtung drei restaurierte Totenkronen.

Rein zufällig wurden diese im Sommer 2009 gefunden: Um marode Leitungen zu reparieren beziehungsweise zu erneuern, musste vor dem Schulhaus an der Michaelskirche das Erdreich aufgegraben werden. Im Zuge dieser Arbeiten stieß man auf die historischen Grabbeigaben aus dem 18. Jahrhundert – der Platz rund im die Kirche war früher ein Friedhof. Thomas Werner, Hobbyarchäologe beim Fürther Altstadtverein, erkannte sofort, dass man hier auf einen ganz besonderen Schatz gestoßen war. Zwei freiberufliche Archäologinnen wurden aus Bamberg herbeigeholt, die Arbeiten an den Leitungen kurzfristig unterbrochen. Man stieß auf Skelette und eben auch auf die Totenkronen, die sich allerdings, so Werner, „in einem äußerst desolaten Zustand“ befanden. Die aufwändige Restauration kostete rund 2.700 Euro, den Hauptanteil übernahm der Altstadtverein, und mit einem kleinen Beitrag beteiligte sich auch das Stadtarchiv. Die wieder hergestellten, feingliedrigen Kronen aus Draht, Glasplättchen, Perlen und sogar Halbedelsteinen übergab Thomas Werner vor wenigen Tagen an Museumsleiter Martin Schramm, der die Funde nun in die Dauerausstellung eingliedern will.

Totenkronen wurden einst vor allem verstorbenen unverheirateten Frauen und Männern aufgesetzt und standen symbolisch für Reinheit, Keuschheit oder Jungfräulichkeit. Ansonsten wisse man noch ziemlich wenig über diese Grabbeigaben: Thomas Werner und Martin Schramm sind sich allerdings einig, dass derart fragile Kronen wohl eher den bessergestellten Schichten zuzuordnen sind und kaum den ärmeren Familien.
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