Gewerkschaft warnt vor zu vielen Mini-Jobs in der Gastronomie

Minijobs statt Vollzeitstellen: In der Gastronomie wird diese Entwicklung immer gravierender. (Foto: Fotolia)

NÜRNBERG - Unsichere Jobs werden in Nürnberg immer mehr zum „Normalfall“. Im vergangenen Jahr arbeiteten rund 38 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG hingewiesen.

Vor zehn Jahren lag der Anteil der sogenannten „atypisch Beschäftigten“ dagegen noch bei etwa 28 Prozent. Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt in Nürnberg unter die Lupe genommen hat. Demnach arbeiteten im vergangenen Jahr rund 121.000 Beschäftigte in nicht-regulären Jobs.
Für die NGG ist diese Tendenz „alarmierend“: „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt in Nürnberg“, sagt Regina Schleser von der NGG Nürnberg-Fürth. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. In der Gastronomie seien diese besonders verbreitet – auf Kosten von regulärer Beschäftigung. „450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren“, so Schleser. Die Gewerkschafterin warnt: „Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen.“
Auf den ersten Blick gehe es Bayern wirtschaftlich gut. Beim genauen Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen, so die NGG-Geschäftsführerin. „Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger“, sagt Schleser. Die NGG fordert die Arbeitgeber in Nürnberg auf, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen. „Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG seit Jahren eingesetzt hat, ist dabei eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben auch viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit“, so Regina Schleser. Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.
„Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für manche Rentner oder auch Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen“, sagt die NGG-Geschäftsführerin. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden – „und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen“, so Schleser.
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