Grundstücksmarktbericht 2015: steigende Preise

Beim Kauf von Grundstücken, Häusern und Wohnungen im Nürnberger Stadtgebiet wurden im Jahr 2015 rund 1,9 Milliarden Euro umgesetzt. (Foto: ©DOC RABE Media/Fotolia.com)
Wert der Wohnimmobilie selbst ermitteln

NÜRNBERG (pm/nf) - Der Grundstücksmarktbericht 2015 liegt vor. Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas hat am heutigen Mittwoch, 24. Februar 2016, zusammen mit Frank Seidler, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Bereich der kreisfreien Stadt Nürnberg, den „Nürnberger Grundstücksmarktbericht 2015“ vorgestellt. Die jährlich erscheinende Publikation enthält einen umfassenden Bericht über die aktuelle Entwicklung von Preisen und wichtigen Rahmendaten auf dem Nürnberger Immobilienmarkt.

Beim Kauf von Grundstücken, Häusern und Wohnungen im Nürnberger Stadtgebiet wurden im Jahr 2015 rund 1,9 Milliarden Euro umgesetzt. Damit lag der Immobilienumsatz um 19 Prozent höher als 2014. Das rege Marktgeschehen im Jahr 2015 zeigt sich auch in einer gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent gestiegenen Zahl von Immobilientransaktionen. Bei der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses gingen insgesamt 5 594 Kaufurkunden ein.

Dr. Michael Fraas: „Die gute wirtschaftliche Lage, niedrige Zinsen und der kontinuierliche Einwohnerzuwachs erzeugen besonders bei Wohnimmobilien Nachfragedruck, der auch im Jahr 2015 wieder zu deutlichen Preissteigerungen geführt hat.“ Dass nicht allein die gestiegenen Baukosten Ursache dafür sind, belegen die hohen Preissteigerungen gerade bei Bestandsimmobilien.

Wichtige Ergebnisse des Berichts sind:

- Die Preissteigerung für neu gebaute Eigentumswohnungen lag gegenüber dem Vorjahr bei 4 Prozent. Die Preise pro Quadratmeter Wohnfläche in diesem Segment betrugen je nach Lage und Objekteigenschaften zwischen 2 900 und 4 800 Euro.

- Für jüngere gebrauchte Wohnungen ermittelte der Gutachterausschuss eine Preissteigerung von 11 Prozent, für Wohnungen in vor 1945 errichteten Gebäuden von 16 Prozent. Für große, etwa 15 Jahre alte Bestandswohnungen wurden zwischen 2 200 bis 3 300 Euro je Quadratmeter bezahlt. Für ältere, etwa 50 Jahre alte Wohnungen lagen die Preise zwischen 1 600 und 2 200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

- Für Mehrfamilienhäuser im Bestand kam es zu einer Teuerung um
9 Prozent. Für diese Objekte, die überwiegend älteren Baujahres sind, betrugen die Kaufpreise im letzten Jahr zwischen 400 000 Euro bis
1 000 000 Euro.

- Der Preisanstieg bei Bauflächen für den Geschosswohnungsbau betrug 10 Prozent.

- Unbebaute Grundstücke zur Neubebauung mit einem Ein- oder Zweifamilienhaus sind im Stadtgebiet schwer zu finden sind. In diesem Teilmarkt wurden in den letzten vier Jahren circa 30 Prozent weniger Verkäufe registriert als in den vier Jahren davor. Gleichzeitig wurde der höchste Umsatz seit Beginn der Aufzeichnungen vor 25 Jahren erzielt. Die Grundstückspreise stiegen 2015 um 12 Prozent.

- Beim Verkauf von neuen Reihenhäusern oder Doppelhaushälften wurden je nach Lage, Größe und Ausstattung Preise zwischen 400 000 und 550 000 Euro, für gebrauchte Objekte zwischen 220 000 und 410 000 Euro bezahlt.

- Die Preise für Bestandsobjekte bei den freistehenden Häusern streuen wegen der größeren Individualität der Eigenheime sehr stark. Die Höhe der Kaufpreise bewegte sich in der Regel zwischen 300 000 Euro und 740 000 Euro, vereinzelt auch höher. Für fünf Objekte in diesem Marktsegment wurden letztes Jahr Kaufpreise von über einer Million bezahlt.

„Ein Ende des seit etwa 2010 anhaltenden Preisanstiegs war 2015 nicht erkennbar. Ob diese Entwicklung anhält, lässt sich derzeit nicht absehen. Immerhin sind die Neubaupreise bei Eigentumswohnungen, wie schon im Vorjahr, nicht mehr so stark gestiegen“, erläutert der Vorsitzende des
Gutachterausschusses, Frank Seidler. Zu Beginn der 1990er-Jahre gab es einen ähnlichen Preisanstieg. Danach sind die Preise allerdings wieder gefallen. Bei Gewerbegrundstücken kam zu einem moderaten Anstieg der Kaufpreise in Höhe von 3 Prozent.
Angesichts der Preisentwicklung für Wohnimmobilien werden die von Stadt, Freistaat Bayern und Bund eingeleiteten preisdämpfenden Maßnahmen umso wichtiger. Die Stadt wird im Rahmen eines Wohnungsbau-Sonderprogramms eine Reihe von Bauflächen kurzfristig vermarkten. Dr. Fraas sagt hierzu: „Auf diesen Flächen werden bezahlbare Wohnungen entstehen, insbesondere Mietwohnungen im geförderten Wohnungsbau.“

Dr. Fraas lobt dabei das Engagement des Freistaats Bayern bei der Wohnungsbauförderung. Neben den zinsvergünstigten Darlehen gibt es nun Zuschüsse in Höhe von 300 Euro pro Quadratmeter Wohnraum im geförderten Mietwohnungsbau. Der Freistaat hat der Stadt Nürnberg Fördermittel in Höhe von rund 35 Millionen Euro (Vorjahr: 12 Millionen Euro) für den Neubau geförderter Wohnungen und weitere 5,5 Millionen Euro aus dem Bayerischen Modernisierungsprogramm zugewiesen. Daneben setzt Dr. Fraas auf die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung im Mietwohnungsbau. Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung könnten in den ersten drei Jahren insgesamt bis zu 35 Prozent der Herstellungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Hierzu sagt Dr. Fraas: „Die Sonderabschreibung würde das Bauen billiger machen und hierdurch dem Mietwohnungsbau weiteren Schub verleihen. Wichtig ist, dass Bundestag und Bundesrat das Gesetz zügig beschließen!“

Der circa 150 Seiten starke „Nürnberger Grundstücksmarktbericht 2015“ kann ab Donnerstag, 25. Februar 2016, kostenfrei im Dienstleistungszentrum BAU eingesehen oder zum Preis von 50 Euro erworben werden.

Er enthält Tabellen mit Werten für Reihenhäuser, Doppelhaushälften, freistehende Häuser, Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in den meisten Stadtgebieten, Angaben zu Grundstücken und Gewerbeobjekten, viele immobilienwirtschaftlich relevante Kennzahlen sowie einfach anwendbare Berechnungsverfahren. Mit deren Hilfe können zum Beispiel Haus- oder Wohnungseigentümer den ungefähren Wert ihrer Wohnimmobilie selbst ermitteln.
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