HIV-Ambulanz im Klinikum Nord muss schließen

Am 30. Juni 2016 wird die HIV-Ambulanz schließen. (Foto: Symbolbild©Sherry Young/Fotolia.com)
Rund 200 Patienten sind betroffen

NÜRNBERG (pm/nf) - Das Klinikum Nürnberg behandelt Patienten mit HIV nicht nur stationär, sondern seit 1988 zusätzlich auch ambulant in seiner HIV-Ambulanz. Da die kassenärztliche Ermächtigung nun nicht mehr verlängert wurde, muss die HIV-Ambulanz im Klinikum Nürnberg Nord zum 30. Juni 2016 schließen. Dies betrifft knapp 200 Patienten. „Das Klinikum Nürnberg bedauert die Schließung außerordentlich“, betont Dr. Alfred Estelmann, Vorstand des Klinikums Nürnberg. „Die HIV-Ambulanz wurde von Dr. Hans Grummich mit hoher Kompetenz und großem persönlichem Engagement betreut.“


Seit 28 Jahren behandelt das Klinikum Nürnberg Patienten in der HIV-Ambulanz im Klinikum Nürnberg Nord. Die ambulante Behandlung von Patienten ist in Deutschland den niedergelassenen Ärzten vorbehalten, begründete Ausnahmen von dieser Regel bedürfen der Genehmigung durch den Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), der alle zwei Jahre aufs Neue darüber entscheidet.
Seit 1988 wurde die kassenärztliche Ermächtigung für die HIV-Ambulanz im Klinikum Nürnberg jedes Mal um weitere zwei Jahre verlängert, in den letzten Jahren auf den Hämatologen, Onkologen und HIV-Spezialisten Dr. Hans Grummich. Vor jeder Entscheidung befragt der Zulassungsausschuss Ärzte Mittelfranken der KV die für die jeweilige Behandlung zuständigen niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte, wie viele Patienten sie selbst versorgen können und ob sie einer Ermächtigung – in diesem Falle von Dr. Hans Grummich zur Behandlung von HIV-Patienten – zustimmen.

Als Ergebnis dieser Abfrage gibt es nach Aussage der niedergelassenen Ärzte, die Patienten mit HIV-Erkrankungen in Mittelfranken ambulant behandeln, ausreichend Kapazitäten, auch die Patientinnen und Patienten der HIV-Ambulanz des Klinikums Nürnberg mit zu betreuen. Diese Aussage führte dazu, dass der Zulassungsausschuss zum Ergebnis gekommen ist, auf eine ambulante Versorgung von Patienten mit HIV durch am Klinikum angestellte Ärzte aus rechtlichen Gründen verzichten zu müssen.

„Diese Entscheidung ist für das Klinikum Nürnberg rechtlich bindend“, erläutert Estelmann. Das hat zur Folge, dass das Klinikum Nürnberg nach dem 30. Juni 2016 keine HIV-Patienten mehr ambulant behandeln darf. „Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich, da sich unseren Patienten nun einen neuen Arzt suchen müssen“, sagt der Klinikum-Vorstand. Um eine lückenlose Weiterbehandlung spätestens nach dem Stichtag am 30. Juni sicher zu stellen, rät der Klinikum-Vorstand den betroffenen Patienten, sich schon jetzt nach einem neuen Arzt umsehen.

Die AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V. fürchtet nun, dass mit einer Schließung der Immunambulanz mittelfristig die HIV-Kompetenz auch für die stationäre Versorgung von HIV-Patienten am Klinikum Nürnberg verloren gehen wird. Briefe an den Vorstand des Klinikums Nürnberg und an Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, mit der dringenden Bitte, sich für einen Erhalt der Immunambulanz einzusetzen, blieben bislang unbeantwortet, so die AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V.
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