Kritiker fordern in einem offenen Brief klare Strukuren für die Friedrich-Alexander-Universität

Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat im Dezember 2016 die 5. Teilbaumaßnahme für Sanierungsarbeiten des Gebäudes der Gruppe Chemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit Kosten in Höhe von 14,4 Millionen Euro gebilligt. Das Gebäude der Gruppe Chemie befindet sich auf dem Areal der Technischen Fakultät auf dem Erlanger Südgelände. (Foto: FAU/Georg Pöhlein)
NÜRNBERG/ERLANGEN (nf) - Die Ansiedlung der technischen Fakultäten der Universität in Nürnberg auf dem AEG Areal ließ sich nicht verwirklichen, die Suche nach einem neuen Nürnberger Standort wird fortgesetzt. Statt der ,,Kleinstaaterei" mit 28 Standorten war eigentlich eine Konzentration auf Erlangen und Nürnberg geplant, die Wachstum ermöglichen und Synergien heben sollte. Doch nun wird vermehrt Kritik an der ,,Zwei-Standorte"-Politik laut.

Bedenken gegen dieses Vorhaben kommen u.a. von Wirtschaftsvertretern aus Erlangen, die sich kürzlich in einem offenen Brief gegen Nürnberg als Erweiterungsstandort der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) ausgesprochen haben. Die Unterzeichner des Briefes (Dr. Robert Pfeffer, Cerbomed GmbH/Bezirksvorsitzender Mittelstandsunion BV Mittelfranken, Siegfried Beck, Kreishandwerksmeister, Dr. Wolf Bertling, Mentor, Hans-Ulrich Erne, Unternehmensberater, Julia Gelsebach, Junior Operating Officer, René Handl,Geschäftsführer Zertinum Consulting) fordern ein ,,neutrales Expertengremium" für die Suche nach einem Erweiterungsstandort der Technischen Fakultät einzusetzen.

Die Verfasser des offenen Briefes, gerichtet an Staatsminister Joachim Herrmann, OB Dr. Florian Janik und Rektor Prof. Dr. Joachim Hornegger, sind der Meinung, dass es ein strategischer Fehler sei, Teile der Fakultät nach Nürnberg zu verlagern, denn ,,Exzellenzuniversitäten leben davon in sich vernetzt zu sein und räumlich eine optimierte fachübergreifende Kooperation für Forschung und Lehre zu gewährleisten." Eine wie jüngst diskutierte Zersplitterung schade hier. Für viele Studenten sei ein Pendeln zwischen zwei verschiedenen Standorten in unterschiedlichen Städten eine Zumutung und schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Flächen in Erlangen seien vorhanden. Viel sinnvoller sei es, einen Standort aufzuwerten und zugleich auch den anderen Standort zu stärken. Also Konzentration der Technischen Fakultät in Erlangen und weitere Aufwertung der ehemaligen Fachhochschule Nürnberg, jetzt Technischen Hochschule Nürnberg, damit sie ihrem Namen noch stärker gerecht werde. Eine Universität und deren Technische Fakultät zu teilen, mache keinen Sinn. Die Metropolregion Nürnberg werde gestärkt, wenn sie zwei exzellente technische Hochschulbildungsstätten habe.

Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas hält das vorgeschlagene Expertengremium allerdings für unnötig: ,,Die FAU hat bereits im Jahr 2014 ihr Konzept ,,Vision FAU 2030` erarbeitet. Dieses Konzept will u.a. angesichts der heutigen Zersplitterung der Technischen Fakultät auf 28 Standorte - mancher Lehrstuhl hat bis zu acht Adressen - Abhilfe schaffen und gleichzeitig weiteres Wachstum ermöglichen. Daher sieht die ,Vision FAU 2030` vor, die Technische Fakultät in Zukunft auf zwei starke Pole konzentrieren. Der eine Pol ist das Erlanger Südgelände, der andere wird in Nürnberg sein. Dabei geht es auch nicht um eine Aufteilung oder Verlagerung weg von Erlangen, sondern der Fakultät soll an dem künftigen Nürnberger Standort Wachstum ermöglicht werden."
Der Status quo mit räumlicher Zersplitterung verhindere gerade die von den Unterzeichnern des offenen Briefes geforderte ,,in sich vernetzte und räumlich optimierte fachübergreifende Kooperation für Forschung und Lehre", so Fraas.

Darum sei es das Ziel der ,,Vision FAU 2030", den heutigen ,,Parcours" innerhalb der vielen Erlanger Standorte der Technischen Fakultät zu beenden, aber auch einen etwaigen ,,Wanderzirkus" zwischen Erlangen und dem künftigen Nürnberger Standort zu vermeiden. Daher sollten die einzelnen Einrichtungen, Departments, Lehrstühle und Institute der Technischen Fakultät an den beiden Standorten funktional situiert werden und zwar so, dass die Studentinnen und Studenten ihren jeweiligen Studiengang komplett an einem Standort ohne Hin- und Herpendeln absolvieren können.

Dr. Michael Fraas weiter: ,,Das Beispiel der TU München (Exzellenzuniversität) zeige, wie eine intelligente Situierung von Universitätseinrichtungen funktioniere. ,,Die TU München konzentriert sich - vom Olympiapark und den Unikliniken abgesehen - auf drei große Standorte, den Innenstadt-Campus (in München-Schwabing), den Campus Garching und Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Man studiert im Regelfall in seinem jeweiligen Studiengang komplett an einem der drei Standorte ohne Pendeln. Übrigens liegen die drei Standorte der TU München erheblich weiter auseinander als Nürnberg und Erlangen. Der Exzellenz der TU München in Forschung und Lehre hat die intelligente Konzentration auf drei starke Pole jedenfalls nicht geschadet - vielmehr hat sie erheblich davon profitiert, weil hierdurch Synergien erst geschaffen wurden."

Der Nürnberger Wirtschaftsreferent erklärte abschließend: ,,Ohne in die Debatte um mögliche Flächen in Nürnberg einsteigen zu wollen: Auch wenn das ehemalige AEG-Areal als möglicher Nürnberger Standort für die Technische Fakultät entfallen ist, hat das Konzept ,,Vision FAU 2030" seine Grundlage nicht verloren. Es gilt nun, eine andere Fläche in Nürnberg nach sachlichen und funktionalen Kriterien auszuwählen. Nach erfolgter Auswahl durch Wissenschaftsministerium und FAU ist es dann unsere Aufgabe als Stadt, u.a. das erforderliche Baurecht zu schaffen, studentisches Wohnen zu ermöglichen (im Umfeld) und gemeinsam mit dem Freistaat für die adäquate Nahverkehrsanbindung zu sorgen. "

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