Kulturgeschichte: Blick hinter die Kulissen

Elsbet von Tucher auf dem 20-Mark-Schein. Foto: oh

Themenkonzert der ION am 26. Juni im Historischen Rathaussaal am 26. Juni 2013 um 20 Uhr

NÜRNBERG (nf) - Jeder vor 1990 geborene Deutsche kann sich bestimmt an die Frau vom 20-Mark-Schein erinnern. Kaum jemand weiß, dass es sich bei der Frau mit der Haube um ein Gemälde von  Albrecht  Dürer handelt, das die Patrizierin Elsbeth Tucher zeigt. Jetzt versucht sich Folkert Uhde, der neue musikalische Leiter der ION Orgelwoche, Elisabeth von Tucher in einem Konzert am Mittwoch, 26. Juni, 20 Uhr, im Rathaussaal der Stadt Nürnberg, zu nähern.


Bernhard von Tucher,  Geschäftsführer der Tucher’ schen Kulturstiftung und Geschäftsführender Vorstand der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung berichtet nachstehend für die MarktSpiegel-Leserinnen und -Leser über die berühmte Nürnbergerin und fragt: War es Liebe?
,,1499 wird Elisabeth ebenso wie ihr Mann Nikolaus von Dürer gemalt. Albrecht Dürer ist damals schon ein bekannter Maler der italienischen Renaissance und seine Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Familie der Tucher gehört zu den bedeutendsten Patrizierfamilien der Stadt. Ihre Vertreter finden sich sowohl im Rat der Stadt als auch in kirchlichen Ämtern. Auch Nikolaus wird in seinem Hochzeitsjahr 1492 Genannter des größeren Rates. Elisabeth geborene Pusch heiratet also in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie, die in Nürnberg Einfluss hat, Vertreter aller wichtigen Familien kennt und Umgang mit bekannten Künstlern pflegt. Auch Nürnberg ist zu dieser Zeit eine blühende Stadt im Herzen Europas. Hier treffen sich die Handelswege von Süd nach Nord, von West nach Ost. Gleichzeitig mit den Waren treffen auch Nachrichten aus aller Welt ein. Man ist also informiert über andere Kulturen, Italien ist nah und die Reichsstadt für mittelalterliche Verhältnisse durchaus weltoffen. Wissenschaft und Künste gedeihen: Martin Behaims Globus entsteht und ein Jahr später die Schedelsche Weltchronik.
Geheiratet wird in der Familie von Tucher wie in Fürstenhäusern nicht aus Liebe sondern um Geld, Macht und Einfluss zu mehren. Davon zeugt das Tucher Buch, das die Familiengeschichte über Jahrhunderte fortschreibt und damit auch eine wichtige Quelle der Stadtgeschichte ist. Sucht man aber nach Elisabeth von Tucher findet man nicht mehr als ein paar Daten: Elisabeth von Tucher, geboren 1473, gestorben im September 1517, Vater: Hans Pusch, Mutter Elisabeth geb. Zollner, Ehemann: Nicolaus II. von Tucher (1464-1521), Eheschließung 1492, die Ehe blieb kinderlos. Bekannt ist noch, dass Elisabeths Vater verschuldet war und: heute weiß man, dass sich über keine Tucherin so wenig im großen Tucherbuch findet wie über sie. 
Das lässt Raum für Spekulationen: Es ist anzunehmen, dass Elisabeth Pusch für die Familie nicht gerade eine vorteilhafte Partie war. Also eine Liebesheirat? Hat sich der neun Jahre ältere Nikolaus von Tucher, der im Tucherbuch als klein und dick, mit gelbem Haar nicht gerade vorteilhaft beschrieben wird, in die bei der Heirat 19-Jährige verliebt und zum Entsetzen der Familie durchgesetzt? Oder fühlte man sich der Familie Pusch gegenüber aus irgendwelchen Gründen verpflichtet? Aber welche Verpflichtungen sollten das sein, die beim verschuldeten Pusch nicht gegen Geld aufzuwiegen gewesen wären?
Umso spannender wird wohl das musikalische Portrait werden, das Folkert Uhde selbst moderiert und das selbstverständlich von der Tucher’schen Kulturstiftung begleitet und unterstützt wird.
„Die Familienmitglieder der Tucher sind sehr neugierig auf diesen Konzertabend. Zwar trennen Elsbeth und uns rund 500 Jahre, eine lange Zeitspanne, aber es sind gerade mal rund fünfzehn Ahnen, die die Zeit zur ihr überbrücken und so lag es für uns nahe, auch dieses ION-Projekt nach Kräften zu unterstützen. Wir begleiten den Orgel-Interpretationswettbewerb der ION ja bereits seit einigen Jahren, indem wir die Preisgelder zur Verfügung stellen. Das ist für uns ein Bekenntnis zu dieser Institution und natürlich zu Nürnberg.“


http://www.ion-musica-sacra.de/




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