Lebendige Großstadt

Blick zur Lorenzkirche im Jahre 1913. Fotos (2): Archiv
 
Nürnberg-Wöhrd im Jahre 1916.

Sommerausstellung des Stadtarchives im Nürnberger Handwerkerhof

NÜRNBERG - Zum 11. Mal findet im Nürnberger Handwerkerhof zur Sommerzeit eine Foto-Ausstellung des Nürnberger Stadtarchivs statt, die vom 27. Juli bis 15. September im Ausstellungsraum oberhalb der Töpferei bei freien Eintritt zum Besuch einlädt.

Das Thema der diesjährigen Ausstellung lautet „Lebendige Großstadt, beschauliche Winkel“, die Motive sind eindrucksvolle Zeugnisse der Stadtgeschichte und zeigen die Stadt vor der fast vollständigen Zerstörung durch die verheerenden Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Mit der Industrialisierung Nürnbergs, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts rasch einsetzte, veränderte sich auch das Gesicht der Stadt – aus dem noch stark von der frühen Neuzeit geprägten Gemeinwesen wurde die nordbayerische Industriemetropole. Vor allem im ausgehenden 19. Jahrhundert verlief unter dem Druck der Menschenmassen, die aus dem ländlichen Umland, der Oberpfalz und Oberfranken nach Nürnberg zuzogen, ein Urbanisierungsprozess von ungeheurer Dynamik. Um 1900 hatte die industrielle und großstädtische Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht, sodass zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Stadt rund 361.000 Einwohner zählte. Mit der Eingemeindungswelle von 1898/99 erfuhr Nürnberg schließlich eine ihrem demografischen Wachstum entsprechende Gebietserweiterung: Die insgesamt 13 nun zum Stadtgebiet zählenden Vororte und Dörfer ermöglichten eine planvolle Weiterentwicklung im Verkehrswesen und im Städtebau.

In die noch ländlich wirkenden Vororte drang die Industrialisierung und damit die urbane Bebauung ein, und selbst die Altstadt blieb von diesen Veränderungen nicht unberührt: Während sich die Lorenzer Altstadt zur modernen, von Hotelbauten, Cafés und Geschäftshäusern geprägten City wandelte, konnte die Sebalder Seite ihr von historischen Bauten geprägtes Gesicht weitgehend bewahren. Ausschlaggebend für diese Entwicklung im Weichbild der Innenstadt war der Neubau des Bahnhofs vor dem Frauentor zu Beginn des 20. Jahrhunderts, während gleichzeitig die alte, aus dem 16. Jahrhundert stammende Stadtbefestigung erhalten blieb. Ein weiterer Modernisierungsschub erfasste Nürnberg in den Jahren der Weimarer Republik: Von 1920 bis 1933, unter der Ägide Oberbürgermeister Hermann Luppes, wurde der steigenden Bedeutung von kommunalen Aufgaben wie der Wohlfahrtspflege, der Gesundheitsfürsorge, der Kultur und des Sports durch moderne, zeitgemäße Bauten Rechnung getragen.

Lebenswirklichkeit und Alltag
Die 11. Sommerausstellung des Stadtarchivs Nürnberg im Handwerkerhof präsentiert über 40, teilweise bislang unveröffentlichte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die den Besucher in die Jahrzehnte zwischen der Jahrhundertwende um 1900 und dem Zweiten Weltkrieg versetzen. Sie zeigen nicht nur das Nebeneinander von Tradition und Moderne, sondern vermitteln anschaulich die Atmosphäre von großstädtischem Flair und urbanem Leben der gleichzeitigen kleinstädtisch, zuweilen sogar dörflich anmutenden Beschaulichkeit, die Nürnberg in jenen Jahren eben auch charakterisiert hat. Entstanden sind die Fotografien, bis auf eine Ausnahme, im Auftrag des städtischen Hochbauamts, das seit den späten 1890er Jahren freie Fotografen, aber auch die eigenen Mitarbeiter beauftragte, den sich in rasantem Tempo vollziehenden Stadtwandel festzuhalten. Neben den kunsthistorisch bedeutsamen Sakral- und Profanbauten und neu errichteten kommunalen Gebäuden wurden auch Abrisse und architektonische Veränderungen mit dem Fotoapparat "eingefangen". Zwar galt das eigentliche Interesse von Auftraggeber und Fotografen Architektur und Stadtbild, da die Lichtbilder in erster Linie als Sachaufnahmen für eine Verwendung innerhalb der städtischen Behörden vorgesehen waren, doch spiegeln sie gleichzeitig auf ganz selbstverständliche Weise die Lebenswirklichkeit und den Alltag der Menschen wider. Zu den reizvollsten Motiven zählen daher die vielen Straßenbilder mit Passanten, die ganz zufällig im Vorbeigehen abgelichtet wurden.


Öffnungszeiten:

Die Ausstellung des Stadtarchivs kann zu den normalen Öffnungszeiten der Ladengeschäfte von 10.00 bis 18.30 Uhr und samstags von 10.00 bis 16.00 Uhr besucht werden. Die Gaststätten des Handwerkerhofes öffnen Montag bis Samstag von 10.30 bis 22.00 Uhr. Infos auch unter

www.handwerkerhof.de





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