Leistungsfähiges Verkehrsangebot zwischen Erlangen und Nürnberg gefordert

Ein weiteres Schienenprojekt mit hoher Bedeutung für die Region ist der noch nicht vollendete Ausbau der Strecke zwischen Fürth und Erlangen. Nach der ursprünglichen Planung sollte dieser Endausbau spätestens mit der Betriebsaufnahme des schnellen Fernverkehrs Nürnberg – Berlin zum Dezember 2017 geschafft sein. Der laufende Rechtsstreit zum S-Bahn-Verschwenk hat jedoch bereits zu einer Verzögerung beim Baufortschritt geführt, so der VGN bei der heutigen Pressekonferenz. (Foto: oh/VGN)
Bürgerentscheid zur StUB am 19. April 2015 - Anschluss des Fürther Bogens

NÜRNBERG (pm/nf) - Auf der heutigen Jahrespressekonferenz des VGN berichteten die beiden Geschäftsführer Jürgen Haasler und Andreas Mäder über die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2014 (MarktSpiegel berichtete) und ganz aktuelle Projekte im Infrastrukturbereich. Ein für die Region bedeutsames Verkehrsprojekt ist die Stadt-Umland-Bahn Erlangen (StUB). Für ihren Bau hat der Freistaat über die Regelung nach dem GVFG hinaus eine Sonderförderung zugesagt und damit eine fast einzigartige Finanzierungsgrundlage geschaffen. In der Zwischenzeit wurden die Kostenschätzungen der standardisierten Bewertung durch kommunale Fachstellen und externe Ingenieurbüros bestätigt, so die beiden Geschäftsführer.


Um diese Aufgabe soll sich der vorgesehene Zweckverband der Städte Erlangen und Nürnberg sowie des Landkreises Erlangen-Höchstadt kümmern. Während der Beitritt der Städte zum Zweckverband bereits von deren Stadträten beschlossen wurde, entscheiden am 19. April im Landkreis Erlangen-Höchstadt die Bürgerinnen und Bürger über eine Beteiligung. Mit den Ergebnissen der Feinplanung könne auf der Basis genauer Zahlen über die Realisierung des Bauvorhabens entschieden werden. „Es ist an der Zeit, jetzt endlich die Realisierungsphase anzugehen und nicht noch weitere Jahre mit Diskussionen und komplett neuen Planungen verstreichen zu lassen“, appelliert Mäder.

Regional bedeutsam, weil für die Lösung der Verkehrsprobleme im gesamten Raum Erlangen und auch für die Verbindung zwischen den Hochschulstandorten Erlangen und Nürnberg ein leistungsfähiges Verkehrsangebot notwendig sei. Im Vergleich mit einem Bussystem böte der Schienenverkehr höhere Kapazitäten, sei schneller und habe aus Fahrgastsicht eine höhere Attraktivität. Zwischen Nürnberg-Thon und Erlangen sei der Busverkehr schon lange an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Deshalb sei die durchgehende Straßenbahnverbindung zwischen beiden Städten wichtig. „Es wäre ein Unding“, so Mäder, „die Straßenbahn im Knoblauchsland enden zu lassen und die Studierenden hier nochmals auf den Bus umsteigen zu lassen“.

Ausbau der S1 Nürnberg – Erlangen

Ein weiteres Schienenprojekt mit hoher Bedeutung für die Region ist der noch nicht vollendete Ausbau der Strecke zwischen Fürth und Erlangen. Dieser ist aber die Grundlage für den dort vertraglich fixierten 20-Minuten- Takt der S-Bahn. Nach der ursprünglichen Planung sollte dieser Endausbau spätestens mit der Betriebsaufnahme des schnellen Fernverkehrs Nürnberg – Berlin zum Dezember 2017 geschafft sein. Der laufende Rechtsstreit zum S-Bahn-Verschwenk hat jedoch bereits zu einer Verzögerung beim Baufortschritt geführt. Erst im Frühjahr 2016 wird das Bundesverwaltungsgericht im Hauptsacheverfahren über die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss entscheiden. „Es ist schon eine Paradoxie, dass ausgerechnet die S-Bahnstrecke im VGN mit dem höchsten Fahrgastpotenzial beim Ausbau so weit hinterherhinkt“, klagt Mäder. „Damit das Fahrtenangebot für tausende Berufs- und Ausbildungspendler verbessert werden kann, ist möglichst schnell eine bauliche Lösung erforderlich“.

Für eine Zwischenlösung wurden heute, 8. April 2015, die Weichen gestellt. Denn der bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann und der Vertreter der DB Netz AG, Volker Hentschel, unterzeichneten in Fürth eine Planungsvereinbarung für den Anschluss des so genannten Fürther Bogens an die bestehende Bahntrasse im Bereich Stadeln. Damit könnten spätestens ab Januar 2019 weitere vier Kilometer zusätzliche Gleise sowie auch der zweite S-Bahnsteig am Fürther Hauptbahnhof durch die S1 genutzt werden. Das würde dem S-Bahnsystem mit Sicherheit mehr Kapazitäten und eine höhere Fahrplanstabilität bringen. Außerdem kann dann die bis dahin fertig gestellte Station Fürth-Klinikum bedient werden.

Ob mit dieser Zwischenlösung aber ein reibungsloser Betrieb möglich sein wird, ist zu hinterfragen, so der VGN. Denn vorerst sei nicht klar, nach welchem Fahrplankonzept der Fernverkehr nach der Inbetriebnahme der Aus- und Neu- baustrecke Nürnberg – Berlin rollen wird. Ebenso ist das künftige Güterverkehrsaufkommen noch nicht absehbar. Fest stehe jedoch, dass sich die S- Bahn nach wie vor die Trassen mit dem Fernverkehr, den Regionalexpress-Zügen sowie dem Güterverkehr teilen muss. Auch wenn es laut dem von der Stadt Fürth in Auftrag gegebenen Gutachten möglich sein sollte, je Richtung drei S-Bahnen je Stunde verkehren zu lassen, dürfte es sich noch nicht um einen durchgehenden 20-Minuten-Takt handeln. Und für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht im Frühjahr 2016 gegen den Verschwenk der S-Bahn entscheidet und dann eine vollständige Neuplanung für den Ausbau der Bestandsstrecke notwendig sein wird, muss mit einer Verzögerung gerechnet werden, die bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts hineinreicht.
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