Mauersegler am Unschlitthaus bekommen neue Nistplätze

Ein Mauersegler im Nest. Am Unschlitthaus in Nürnberg werden nach der Dachsanierung Nistkästen angebracht, damit die gefährdeten Zugvögel hier ein dauerhaftes Zuhause finden. Weitere Infos hier auf dieser Seite oder auf www.nabu.de (Foto: NABU/D. Erlenbach/www.nabu.de)
Dauerhafte Nistmöglichkeit in Nürnberg - Wissenswertes über den Mauersegler vom NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NÜRNBERG (pm/nf) - Bei der Vorbereitung der Dachsanierung des Unschlitthauses hat das Hochbauamt Nistplätze der geschützten Mauersegler gefunden. Um die Kolonie am Ort zu erhalten, bringt das Hochbauamt zusammen mit dem Umweltamt ab Donnerstag, 16. April 2015, für die Vögel als Zwischenlösung geeignete Ersatznistkästen an. Diese werden für die Dauer der Bauarbeiten bis September 2016 an den Dachgauben des nördlichen Unschlitthauses angebracht.


Die bisherigen Nistplätze werden noch vor der Rückkehr der Vögel aus dem Winterquartier verschlossen. Mauersegler sind Zugvögel. Die Tiere werden mit arteigenen Rufen aus kleinen wetterfesten Lautsprechern zu den vorübergehenden Ersatznistplätzen gelockt. Die Rufe der Artgenossen erleichtern den Vögeln auch die Annahme der neuen Nistplätze. Brutbeginn ist zwischen der 17. und 19. Kalenderwoche, also etwa ab dem 20. April 2015. Der Jungenschlupf findet ab der
22. Kalenderwoche, sprich ab 25. Mai 2015, statt.
Nach der Umsiedlung der Vögel kann die Dachsanierung durchgeführt werden. Im Zuge der Arbeiten werden auch Teile des Traufbereichs und der Gauben mit festen Nistkästen ausgestattet, um den Mauerseglern nach Abschluss der Baumaßnahme ein neues, dauerhaftes Zuhause zu schaffen.

Infos über den Mauersegler - Vogel des Jahres 2003 - vom NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Der Mauersegler hat sich in Städten und Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter den Dächern von Altbauten, aber auch in anderen Gebäudenischen wie altem Gemäuer, geeignete Wohnstuben findet. Viele Nistplätze gehen heute jedoch durch Gebäudesanierungen verloren.
Der Mauersegler hat sich in Städten und Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter den Dächern von Altbauten, aber auch in anderen Gebäudenischen wie altem Gemäuer, geeignete Wohnstuben findet. Dank dieser Anpassungsfähigkeit konnte sich der rasante Flieger in der Vergangenheit zunächst gut vermehren. Viele Nistplätze gehen heute jedoch durch Gebäudesanierungen verloren. Die Folge ist, dass der Mauersegler nun bereits auf die Vorwarnliste der "Roten Liste" gefährdeter Brutvögel gesetzt werden musste.

Name und Verwandtschaft

Der Mauersegler (Apus apus) gehört zur Familie der Eigentlichen Segler (Apodidae), zu der in Deutschland lediglich eine weitere Art zählt: der Alpensegler, der nur in der Gegend von Freiburg im Breisgau brütet.

Der Name "Mauersegler" ist auf dessen Verhalten, an den Mauern entlang zu segeln, zurückzuführen. Früher wurde er deshalb auch Turmschwalbe genannt. Der wissenschaftliche Name "Apus apus" leitet sich von dem griechischen Wort für "fußlos" ab und ist ein Hinweis auf die kurzen, kaum erkennbaren Stummelfüße des Mauerseglers. Segler zählen nicht zu den Singvögeln, sondern bilden eine eigene Ordnung innerhalb der Vogelwelt.

Kennzeichen

Mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern sind Mauersegler erheblich größer als unsere heimischen Schwalben. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Bis auf die grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich bis rußschwarz, wobei Weibchen und Männchen gleich gefärbt sind. Jungvögel sind an der weiß geschuppten Stirn und dem größeren Kehlfleck zu erkennen. Der Schnabel und die Füße sind schwärzlich, die Iris tiefbraun.

Lautäußerungen

Vor allem bei der Balz hört man häufig ein hohes, schrilles, oft gereiht vorgetragenes "srih" oder "sprih". Ein hoher "swir-rir"-Ruf wird von beiden Partnern in unterschiedlicher Höhe am Nest ausgestoßen.

Nahrung

Mauersegler gehen ausschließlich in der Luft auf Jagd nach Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Dabei wird der Schnabel erst beim Zugreifen geöffnet. Sie jagen nicht selten in großer Höhe von bis zu 3.000 Metern über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. In Europa sind als Nahrungstiere u.a. Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen nachgewiesen worden, in Afrika auch schwärmende Termiten. Um zu trinken, nehmen Mauersegler in einem schnellen, geraden Gleitflug direkt von der Gewässeroberfläche Wasser auf.
Lebensraum

Der Mauersegler war ursprünglich ein Fels- und Baumbrüter. Heute ist er hauptsächlich ein Bewohner menschlicher Siedlungen, wo er in Einzelhöfen, Dörfern und vor allem in Städten mit hohen Gebäuden, wie Wohnblocks, Altbauten, Türmen und Fabriken, vorkommt.

Fortpflanzung

Mauersegler sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und in der Regel Ende April zu uns zurückkehren. Ihre Brutzeit erstreckt sich bis Ende Juli. Es gibt nur eine Jahresbrut, aber nach Gelegeverlust oft eine Ersatzbrut. Die Brutdauer ist abhängig von klimatischen Bedingungen und variiert zwischen 18 (schönes Wetter) und 25 Tagen (schlechtes Wetter).

Mauersegler sind Höhlenbrüter an Gebäuden und Felsen, seltener auch in alten Bäumen und Nistkästen. Das flache Nest besteht vor allem aus Halmen, Blättern, Haaren, Federn und ähnlichen leichten Materialien, welche die Mauersegler im Flug aus der Luft aufsammeln und mit ihrem Speichel zusammenkleben.
Mauersegler legen meist zwei bis drei weiße, elliptische Eier.

Auch die Entwicklungszeit ist abhängig von klimatischen Bedingungen. Nach dem Schlüpfen vergehen in normalen Jahren etwa 41 Tage bis zum Flüggewerden, bei guten Bedingungen nur 37, bei schlechten aber bis zu 56 Tage. Die Geschlechtsreife wird frühestens am Ende des zweiten Lebensjahres erreicht. Mauersegler können bis zu 20 Jahre alt werden.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Mauerseglers erstreckt sich von Nordafrika und Europa bis in den nordöstlichen Teil der Mongolei. Die nördlichsten Brutvorkommen liegen in Skandinavien am 70. Breitengrad. Brutplätze befinden sich meist unter 1.000 Metern Höhe.
Bestand

Der europäische Bestand wird auf 7 bis 17 Millionen Brutpaare geschätzt (davon bis zu 5 Millionen in Russland). In Deutschland brüten 230.000 bis 460.000 Paare. Als Koloniebrüter kann der Mauersegler lokal hohe Siedlungsdichten erreichen. Je nach Struktur der Bebauung (Plattenbauten, Einzelhöfe, u.a.) gibt es aber erhebliche Unterschiede.
Langfristige, erhebliche Bestandsveränderungen der Gesamtpopulation sind aus Mitteleuropa bisher nicht bekannt. Drastische lokale Einbrüche, meist auf Grund von Brutplatzverlusten (z.B. durch Gebäudesanierungen), kommen dagegen häufig vor, so dass der Mauersegler bereits auf die Vorwarnliste der ,,Roten Liste" gefährdeter Brutvögel gesetzt werden musste.

Gefährdung

Zu den Gefährdungsursachen zählen:


Verlust der Nistmöglichkeiten an Gebäuden aufgrund baulicher Veränderungen im Zuge von Renovierungen, aber auch durch Neubauten ohne jegliche Nischen und Spalten.

sinkendes Nahrungsangebot: zunehmende Insektenarmut infolge vermehrter Insektizidanwendung in der Landwirtschaft, aber auch durch zunehmend sterile Ziergärten im städtischen Raum.

Vernichtung von Alt- und Totholz durch naturferne Forstwirtschaft, worunter kleine, baumbrütende Populationen zu leiden haben.

www.nabu.de
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