Neues GPS-System der Polizei ermöglicht in Notfällen metergenaue Ortung des Hilfesuchenden

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (r.) lässt sich in der Einsatzzentrale in Nürnberg zeigen, wie das neue GPS-System in der Praxis funktioniert. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Polizeipräsident Johann Rast stellen in Nürnberg die neue Notfall-Software vor. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann startet bei der Bayerischen Polizei neue Software zur Standortbestimmung von Mobiltelefonen bei 110-Notrufen

NÜRNBERG (nf) - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat zusammen mit Polizeipräsident Johann Rast und Polizeidirektor Bernd Wolf eine neuentwickelte Software für die Einsatzzentralen der Bayerischen Polizei vorgestellt, die eine Ortung in Notfällen über SMS ermöglicht. Ab April soll die Notfallfunktion für alle verfügbar sein.

Über den GPS-Empfänger im Smartphone kann die Polizei nach Freigabe durch den Anrufer die Position bis auf wenige Meter genau feststellen. Die neue Ortungsmöglichkeit wurde federführend beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd entwickelt und dort sowie beim Polizeipräsidium Mittelfranken bereits seit mehreren Wochen getestet. ,,Bis Ende März werden wir alle Einsatzzentralen der Bayerischen Polizei mit der innovativen Software ausstatten", kündigte Herrmann an. ,,So können wir unseren Bürgerinnen und Bürgern im Notfall noch schnellere Hilfe bieten." Die Ausstattung mit der innovativen Software kostet dem Freistaat einmalig rund 70.000 Euro. Dazu kommen knapp 6.000 Euro an jährlichen Betriebskosten.

Wie Herrmann erläuterte, gehen mehr als eine Million Notrufe pro Jahr über die Notrufnummer '110' bei der Bayerischen Polizei ein. ,,Immer wieder kommt es leider vor, dass Anrufer ihren genauen Standort nicht angeben können", so der Minister. Es verstreiche wertvolle Zeit, bis die Einsatzkräfte vor Ort sind. ,,Gerade in Gefahrensituationen zählt aber jede Minute", betonte Herrmann. ,,In solchen Fällen bietet die unmittelbare Einbindung der GPS-Ortung in das Einsatzleitsystem der Bayerischen Polizei völlig neue Möglichkeiten und ist deutschlandweit in dieser Form einmalig." Laut Herrmann können die Informationen im Bedarfsfall auch unverzüglich über eine Schnittstelle zwischen den Einsatzzentralen der Bayerischen Polizei mit den Integrierten Leitstellen der Feuerwehren und Rettungsdienste ausgetauscht werden.

Die Schwachstellen

Für die Polizei bedeutet das beispielweise bei Suchaktionen weniger Personaleinsatz, für Betroffene schnellere Hilfe. Die Schwachstelle: Nutzer benötigen in jedem Fall eine funktionierende Internetverbindung. Bei Unfällen im Wald oder auf Landstraßen könnte das neue System allerdings ebenso schnell an seine Grenzen kommen. Zudem muss der Hilfesuchende natürlich in der Lage sein (ob Unfall oder Bedrohungssituation) sein Mobiltelefon bedienen zu können. Johann Rast: ,,Das stimmt - es wird nicht immer und überall funktionieren. Dann müssen wir wieder auf die herkömmlichen Einsatzmethoden zurückgreifen. Doch die Internetverbindungen werden flächendeckend auch immer besser."

Bei der Nutzung ist eine spezielle Notruf-App nicht notwendig. Die Einsatzzentralen versenden im Notfall an die Mobiltelefonnummer des Anrufers eine SMS mit einem Weblink, wahlweise in verschiedenen Sprachen. Nachdem dieser Link vom Anrufer aufgerufen wurde, wird die GPS-Position des Smartphones ausgelesen. Die Koordinaten werden dann an die jeweilige Einsatzzentrale der Bayerischen Polizei übertragen und automatisch in einer Karte dargestellt. Herrmann: ,,Der Polizist am Notrufannahmeplatz kann somit den aktuellen Standort des Anrufers feststellen und die Polizeistreife gezielt hinschicken."

Ganz besonders wichtig ist dem bayerischen Innenminister, dass der Datenschutz in jedem Fall gewährleistet ist. ,,Durch das Bestätigen des Links gestattet der Anrufer selbst die nur einmalige Ortung seines Standorts", erläuterte Herrmann. ,,Eine weitere Ortung erfolgt nicht." Außerdem werden die übermittelten Daten nur in polizeieigenen Systemen verarbeitet. Eine Datenübernahme von externen Anbietern in das Einsatzleitsystem der Bayerischen Polizei findet nicht statt.
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