Nürnberg im Mittelalter: Ärzte, Apotheker, Quacksalber und Pestilenzen

Der Nürnberger Weinstadel, einstmals das ,,Sondersiechenhaus" für Leprakranke. (Foto: oh/Reinhard Hahn)

Spannende Reise in Nürnbergs Vergangenheit
Altstadtspaziergang am Samstag, 26. April, mit den Altstadtfreunden e.V.

NÜRNBERG (pm/nf) - Die Altstadtfreunde eröffnen am Samstag, 26. April, die Saison mit dem 1. Stadtspaziergang 2014. Insgesamt ist es der 212. Diesmal geht es um „Ärzte, Apotheker, Quacksalber und Pestilenzen im alten Nürnberg“. Die Führungen starten von 10 bis 16 Uhr alle 15 Minuten am Tugendbrunnen in der Königstraße. Die Teilnahme ist kostenlos.

In reichsstädtischer Zeit war das Gesundheitswesen, so wie praktisch alle übrigen Lebensbereiche, vom Rat streng geregelt. Dementsprechend erfolgte auch die Kontrolle durch den Inneren Rat. Betroffen waren alle Bereiche: Ärzte, Apotheker, Hebammen, die Spitäler (St. Elisabeth, Hl. Geist), die Häuser für ansteckende Erkrankungen (Siechkobel, St. Sebastian, Franzosenhaus).

Der Rundgang wendet sich zuerst den Apothekern zu. In Nürnberg sind sie erst seit der Mitte des 14. Jh. nachweisbar, zunächst als Ratsbedienstete und seit 1434 auch in selbstständiger Tätigkeit.Von den ehemaligen reichsstädtischen Apotheken existieren heute noch vier: die Kugel-, Spital-, Stern- und als älteste die Mohrenapotheke gegenüber der Lorenzkirche. Dort findet sich in der „Apothekertür“ heute noch ein Hinweis darauf.

Weitere Stationen sind das ehemalige „Anatomische Theater“, das im aufgelösten Katharinenkloster eingerichtet wurde, sowie das Heilig-Geist-Spital. Nach dem Stifterwillen diente es als Krankenhaus, als Altersheim zur kostenlosen Versorgung mittelloser und arbeitsunfähiger älterer Leute und als Pfründnerhaus mit der Möglichkeit sich dort einzukaufen.

Kriege, Hungersnot und Seuchen waren die großen Geißeln im Mittelalter und der frühen Neuzeit, wobei die Menschen den letzteren besonders hilflos ausgeliefert waren: Lepra, Pocken, Typhus, Cholera und der „schwarze Tod“, die Pest, rafften in sich immer wiederholendem Rhythmus abertausende Menschen dahin, entvölkerten ganze Landstriche. Der Name des heutigen Weinstadels lässt nicht mehr vermuten, dass sich dort das „Sondersiechenhaus“ für die Leprakranken befand, wo die an der unheilbaren Krankheit Leidenden einmal im Jahr untersucht und verköstigt wurden.

Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Besuch im letzten erhaltenen Nürnberger Badehaus in der Irrerstraße 1. Das von den Altstadtfreunden sanierte Haus kann wegen Vermietung normalerweise nicht besichtigt werden, öffnet aber zum Altstadtspaziergang am Samstag seine Türen.

Und für den Nachwuchs haben die Altstadtfreunde auch etwas in petto. Kinder ab 9 Jahren dürfen sich über Schwalbenkot, Kletterkraut und Schlangenhaut gegen Schmerzen und Wehwehchen aller Arten wundern. Konnte man im Mittelalter einfach so zum Zahnarzt gehen? Und was um alles in der Welt ist ein Bader? Auf der Zeitreise mit der Kinderzeitmaschine finden die jungen Altstadtfreunde es heraus. Au Backe! Von Quacksalbern, Badern und Ärzten im alten Nürnberg, am 26. April um 14.00 Uhr. Treffpunkt am Tugendbrunnen.
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