Nürnberg übernimmt Vorreiterrolle

Im Beisein von Bürgermeister Christian Vogel (l.) und Verena Bentle wurde im SüdstadtBad der Stadt Nürnberg eine „Toilette für alle“ eröffnet. (Foto: oh/C. Vogel)
 
,,Toilette für alle" im SüdstadtBad. (Foto: oh/C. Vogel)
,,Toilette für alle" im SüdstadtBad eröffnet - Menschen mit schweren Behinderungen haben große Schwierigkeiten am Alltag teilzunehmen

NÜRNBERG (pm/nf) - Am gestrigen Samstag, 11. Juli 2015, eröffnete im SüdstadtBad - erstmals in Deutschland - eine „Toilette für alle“ in einem öffentlichen Bad. Nach rund sechsmonatiger Planungs- und Bauzeit, wurde die neue WC-Anlage im Beisein der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Verena Bentele, im SüdstadtBad ihrer Bestimmung übergeben.


Verena Bentele: „Menschen mit schweren Behinderungen und Inkontinenzerkrankungen haben es im Alltag schwer, aktiv am öffentlichen Leben teilzunehmen. Ein solche Toilette für alle, ist daher ein wichtiger und riesiger Schritt in die richtige Richtung“. Die Stiftung Leben pur hat die Toilette für alle ins Leben gerufen. David J. Offenwanger, der Projektverantwortliche, erläuterte in seiner Ansprache, die Beweggründe für die Stiftung. Öffentliche Toiletten sind heute in den meisten Fällen selbstverständlich – genau wie Wickeltische für Babys. Auch Behinderten-WCs findet man an vielen Orten. Doch für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sind bisherige Behinderten-Toiletten oft ungeeignet. Das betrifft vor allem Menschen mit Querschnittslähmung, Schädel-Hirn-Trauma, angeborener schwerer Behinderung oder Multipler Sklerose. Auch ältere Menschen, die pflegebedürftig oder dement sind, brauchen spezielle Hilfe. Diese kann mit einer solche Toilette geboten werden.

Bürgermeister Christian Vogel, der durch einen Fachartikel auf die kam, das auch für die Stadt Nürnberg zu verwirklichen, spricht von einem guten Tag für die betroffen Menschen aber auch für die ganze Stadt. Er erläuterte in seinem Grußwort, wie ihm das Thema nachgegangen ist, als er den Bericht dazu gelesen hatte. Schnell war mit der Stiftung Kontakt aufgenommen. 

„Menschen mit Behinderung planen genauso Ausflüge mit Familie und Freunden, fahren in andere Städte, wollen die Freizeit genießen", so Christian Vogel.

Wenn es unterwegs keine geeignete Toilette für sie gibt, muss improvisiert werden: Zum Wechseln der Inkontinenzversorgung müssen die Betroffenen von ihren Begleitern auf den Boden einer öffentlichen Toilette gelegt werden. Für die Begleitperson ist das häufig sehr mühsam und belastend für den Rücken. Zudem stellt dies für alle Beteiligten eine unangenehme und unhygienische Situation dar: Die Böden sind häufig nicht sauber, dadurch können die Betroffenen leicht krank werden. Oft müssen zwei bis drei Personen helfen und es gibt kaum Platz“. Dies gehört zumindest im SüdstadtBad nun der Vergangenheit an. In der Toilette für alle findet man u.a. eine höhenverstellbare Liege mit Sicherheitsgitter, einen elektrischen und vor allem mobilen Lifter, einen Notrufschalter oder einen luftdicht verschließbaren Windeleimer.

Bürgermeister Christian Vogel ist froh, dass er mit den Mitarbeitern von NürnbergBad sofort Unterstützer für seine Pläne gefunden hat. Aus dem eigenen Budget von NürnbergBad – ohne Zuschüsse- wurde diese Maßnahme nun verwirklicht. Für Christian Vogel ist es nur ein Anfang: „Ich bin fest entschlossen, weitere solche Anlagen in unserer Stadt in wichtigen Freizeiteinrichtungen zu verwirklichen“. „Der Tiergarten ist schon fest in meinem Fokus. Teilhabe darf nicht nur am Papier stehen, Teilhabe muss unser alle Ziel sein“.
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