Polizeistatistik Mittelfranken: Gewalt gegen Polizeibeamte auf traurigem Höchststand

Die polizeiliche Schwerpunktsetzung bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls wird sowohl im präventiven als auch im repressiven Bereich im Jahr 2017 fortgesetzt. (Foto: ©AA+W/Fotolia.com)
Fürth bleibt sicherste Großstadt Bayerns

REGION (nf/ots) - 2016 ist die Zahl der Straftaten leicht angestiegen. Gleichzeitig konnte aber die Aufklärungsquote weiter verbessert werden. Polizeipräsident Johann Rast zieht bei der Vorstellung der Polizeistatistik insgesamt eine positive Bilanz.


Wie bereits im Jahr 2015, wurden die Fallzahlen auch im Jahr 2016 von der Flüchtlingssituation geprägt. Im Bereich der Straftaten gegen das Aufenthaltsgesetz beziehungsweise Asylverfahrensgesetz wurden erneut 3.414 Fälle registriert. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 verzeichnet für den Regierungsbezirk Mittelfranken 95.260 Straftaten. Dies ist eine Steigerung um 798 Fälle (+ 0,8 %). Die Aufklärungsquote konnte von 64,8 % auf 65,5 % gesteigert werden.

Bei der Betrachtung der registrierten Gesamtstraftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße ist ein leichter Anstieg von 90.985 Fälle auf 91.846 Fälle (+0,9 %) zu verzeichnen. In der Großstadt Nürnberg ist die Anzahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr mit 45.992 Straftaten nahezu gleich geblieben (+ 0,1 %). Fürth bleibt auch in diesem Jahr die sicherste Großstadt Bayerns (über 100.000 Einwohner) mit einem Rückgang der Gesamtzahl der Straftaten um 0,8 % auf 5.950 Fälle.

Die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen (TV) - ohne ausländerrechtliche Straftaten - nahm erneut zu, im Vergleich zum Jahr 2015 um 8,8 %. Der Anteil nichtdeutscher TV an der Gesamtzahl der TV beträgt aktuell 37,4 %. Der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe beträgt in Mittelfranken 12,2 %. Der Anteil der Zuwanderer ist in der Anzahl der nichtdeutschen TV enthalten. Die Steigerung tatverdächtiger Zuwanderer ist die Hauptursache für die negative Entwicklung bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen.

Die Rohheitsdelikte stiegen im Regierungsbezirk Mittelfranken von 13.945 auf 15.278 (+9,6 %) an. Sie beinhalten neben den Körperverletzungsdelikten auch Straftaten wie Raub, Nötigung und Bedrohung. Die Aufklärungsquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 90,6 %.

Körperverletzung

Nach Rückgängen in den letzten drei Jahren ist bei den Körperverletzungsdelikten eine Steigerung um 1.155 Fälle auf 11.850 Fälle zu verzeichnen (+10,8 %).

Sachbeschädigungen

Die Sachbeschädigungen sind seit dem Jahr 2010 erstmals wieder von 9.856 Fällen auf 10.379 Fälle (+5,3 %) gestiegen. Die Aufklärung stieg um 0,3 Prozentpunkte.

Wohnungseinbrüche

Für das Jahr 2016 wurden 1239 Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls bekannt. Inklusive der durch Banden begangenen Einbrüche ist dies ein Rückgang um 165 Fälle (-11,8 %). Aufgeklärt werden konnten 21,9 %. Die polizeiliche Schwerpunktsetzung bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls wird sowohl im präventiven als auch im repressiven Bereich im Jahr 2017 fortgesetzt.

Straftaten gegen das Leben

Im Jahr 2016 stieg die Zahl der Straftaten gegen das Leben von 78 auf 91 erfasste Fälle (+16,7 %). Dies ist insbesondere auf die Steigerung bei den Totschlagsdelikten zurückzuführen. Bei Fußtritten/Stampftritten gegen den Kopf wird nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft jetzt häufiger wegen versuchten Totschlags durch das Fachkommissariat ermittelt. Die Gewalt gegen Polizeibeamte erreichte im Jahr 2016 einen traurigen Spitzenwert mit 1000 Delikten.

Sexualdelikte

Nach einem Anstieg im Vorjahr konnte bei den Sexualdelikten ein Rückgang um 15 Fälle auf 835 Fälle (-1,8 %) verzeichnet werden. Die Aufklärungsquote sank im Vergleich zum Vorjahr von 80,4 % auf 78,6 %.

Drogen

Die Betäubungsmittelkriminalität erreichte 2016 mit 7.469 Delikten (+23,9 %), auch aufgrund polizeilicher Kontroll- und Ermittlungstätigkeit, ein Höchstniveau. Insbesondere im Stadtgebiet Nürnberg war eine deutliche Steigerung (+31,1 %) zu verzeichnen.

Politisch motivierte Straftaten

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl der politisch motivierten Straftaten im Berichtsjahr 2016 um 152 auf insgesamt 703 Fälle angestiegen. Dies bedeutet einen Zuwachs von 27,6 %. Die Aufklärungsquote lag bei 51,3 %. Im Phänomenbereich Rechts stieg die Anzahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 113 Delikte auf 405 Fälle an.

Im Phänomenbereich Links sind die Fallzahlen im Jahr 2016 (193 Fälle) nahezu identisch mit dem Vorjahr (195 Fälle). Deliktische Schwerpunkte linker Kriminalität waren Sachbeschädigungen und sonstige Straftaten wie z. B. Beleidigungen. Unter den 193 Straftaten waren 22 Gewaltstraftaten (Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im Rahmen von Versammlungsgeschehen) zu verzeichnen. Die politisch motivierten Straftaten im Phänomenbereich Ausländer sind im Jahr 2016 um 10 Fälle (41,7 %) auf 34 Delikte angestiegen. Darin enthalten sind auch vier Straftaten, die der Deliktsqualität Terrorismus (Islamistischer Terrorismus) zuzurechnen sind.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.