Scharfe Kritik: S-Bahn in Nürnberg droht Qualitätsverlust

DGB und EVG befürchten negative Folgen für Beschäftigte, Kunden und Sicherheit

NÜRNBERG (pm/nf) - Der DGB Bayern und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Bayern befürchten durch die geplante Vergabe des Nürnberger S-Bahn-Netzes an das britische Privatunternehmen National Express negative Auswirkungen für die Beschäftigten, die Kunden und die Sicherheit in den Zügen.


Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern: „National Express ist offensichtlich mit einem arbeitnehmerunfreundlichen Konzept zum Zuge gekommen. Weil Bayern eines der letzten Bundesländer ohne Tariftreue- und Vergabegesetz ist, kann National Express mit Dumping-Konditionen kalkulieren. Es drohen gravierende Folgen für die 450 Beschäftigten und durch Einsparungen beim Sicherheitsdienst auch für die Kunden. Es steht völlig in den Sternen, ob die 450 Beschäftigten ihre Jobs behalten. In der Industrie ist es völlig undenkbar, dass ein Betrieb verkauft wird, ohne dabei die Zukunft der Beschäftigten zu regeln. Beim Freistaat hingegen ist das möglich. Unfassbar.“

Frank Hauenstein, Leiter der Nürnberger EVG-Geschäftsstelle, erläutert: „Wir vermuten, dass National Express den Sicherheitsdienst in den Zügen nicht mit Eisenbahnern besetzen will, sondern wie schon in Nordrhein-Westfalen über Subunternehmer. Zum Schutz vor Vandalismus und für die Sicherheit der Fahrgäste fordern wir weiterhin betrieblich geschultes Personal für die Begleitung der Züge. In Nordrhein-Westfalen betreibt National Express seit einigen Tagen zwei Regionalbahnen. Dort gäbe es bereits etliche Berichte und Beschwerden über eklatante Verspätungen, falsche Züge und schlechten Service.

Hauenstein sagt weiter: „In NRW hat National Express einen Dumping-Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft abgeschlossen, der ausschließlich für Lokführer gilt. Der Arbeitgeber National Express empfiehlt dort den Beschäftigten, Mitglied in dieser Gewerkschaft zu werden, damit seriöse Gewerkschaften keine Chance haben, in eine Verhandlungssituation zu kommen.“

DGB und EVG kritisieren die Vergabepraxis der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Matthias Jena: „In ihren Ausschreibungen trifft die BEG keinerlei Regelungen für das Personal. Auch eine Preisgarantie für die Kunden wird es nicht geben. Der BEG geht es nur um das billigste Angebot und die Gewinnmaximierung der Privatwirtschaft. Die vom Ministerpräsidenten versprochene Koalition mit dem Bürger ist offensichtlich nur ein Werbespruch.“

Hauenstein zur Vergabepraxis: „National Express erlangt durch staatliche Förderung in Großbritannien einen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Die BEG betreibt also einen ungleichen Wettbewerb, da sie nicht alle Bewerber gleich behandelt. Vor dem Hintergrund der sonstigen Wettbewerbsorientierung der BEG ist das absurd.“

Lesen Sie auch den MarktSpiegel Hauptartikel mit weiteren Statements:
http://www.marktspiegel.de/nuernberg/lokales/einsp...
2 Kommentare
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Günther Klebes aus Erlangen | 21.12.2015 | 09:50   Melden
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