,,Sebalder Steppe": Geschichte der verlorenen Stadtviertel

SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Anja Prölß-Kammerer (l.) und Altstadt-Stadträtin Christine Kayser begrüßen das Erinnerungskonzept rund um die Tucherstraße. (Foto: SPD-Stadtratsfraktion)
Rathaus-SPD begrüßt Konzept für Tucherstraße als Erinnerungs-Achse

NÜRNBERG (pm/nf) - Vor zwei Jahren hatte die SPD-Stadtratsfraktion ein Erinnerungskonzept für das Wohnviertel rund um die Tucherstraße gefordert. Altstadt-Stadträtin Christine Kayser liegt das als Folge der verbrecherischen Kriegspolitik völlig zerstörte und aus der sogenannten „Steppe“ aufgebaute Wohnviertel besonders am Herzen.


„Bei meinen Führungen in dem Viertel habe ich sehr emotionale Reaktionen auf die Geschichte des Viertels erlebt, vor allem natürlich von Zeitzeugen, die Zerstörung und Wiederaufbau direkt miterlebten.“ Die Fraktionsvorsitzende Dr. Anja Prölß-Kammerer ergänzt: „Heutzutage wird das Viertel verglichen mit anderen Quartieren der Altstadt eher weniger beachtet. Zu Unrecht wie wir meinen, spiegelt sich doch die jüngere Stadtgeschichte hier sehr deutlich wieder, vom „verlorenen“ Stadtviertel, in dem sprichwörtlich kein Stein mehr aufeinander stand, hin zur Aufbauleistung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte des Viertels soll nicht in Vergessenheit geraten, weshalb wir den Antrag zur Gestaltung der Tucherstraße als Erinnerungsachse gestellt haben.“

Den nun vorgestellten Entwurf der Künstlerin Anja Schoeller bezeichnet Kayser als „sehr vielversprechend und eine wirkliche Chance für ein zu Unrecht oft weniger beachtetes Altstadt-Viertel“. Die Künstlerin Anja Schoeller schlägt – anlehnend an der Bezeichnung des Viertels als „Sebalder Steppe“ nach der Zerstörung und Räumung des Gebiets – einen „Sebalder Steppen Kompass“ vor, der Orientierung zwischen Zerstörung und Wiederaufbau schafft. Kayser zeigt sich besonders angetan von dem Vorschlag der Künstlerin, in Workshops, wie der Gedächtniswerkstatt Stadtteilbewohner und Zeitzeugen zusammen ihre Erinnerungen einbringen zu lassen und damit das gemeinsame kulturelle und historische Erbe sichtbar zu machen.

Auch die Idee, die Geschichte von alt verwurzelte Geschäfte jenseits der großen Filialisten, die im Viertel zuhause sind, als Teil der Identität des Viertels verstärkt ins Bewusstsein zu rufen – dazu gehören beispielsweise die Drogerie Seifenzahn mit ihrer 90-jährigen Geschichte oder das Traditionsunternehmen Samen Edler – findet viel Zuspruch bei der Altstadt-Stadträtin. Mit einer öffentlichen Ausstellung sollen die Exponate und Forschungsergebnis in den öffentlichen Raum wirken. Auch das Aufstellen von Kunst im öffentlichen Raum mit Bezug zur wechselvollen Geschichte des Viertels, würde nach Ansicht von Kayser einen schönen Brückenschlag in die Zukunft darstellen und könnte für moderne Akzente sorgen. Nachdem das Konzept im Meinungsträgerkreis Nördliche Altstadt bereits positiv aufgenommen wurde, hofft Kayser nun auf Zustimmung im Kulturausschuss und eine möglichst zeitnahe Umsetzung der Schritte hin zu einer „Erinnerungsachse Tucherstraße“.
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