Trauer um den ehemaligen Direktor der Kunsthalle Nürnberg

NÜRNBERG (pm/nf) - Mit 91 Jahren ist Curt Heigl, ehemaliger Direktor der Kunsthalle Nürnberg, am gestrigen Donnerstag, 23. Oktober 2014, gestorben. Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner würdigt Heigls Verdienste um die Bildende Kunst: „Mit ihm verliert Nürnberg einen der profiliertesten Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher der Stadt.“

Der 1923 in Schliersee/Oberbayern geborene Curt Heigl studierte zunächst Architektur und Design an der Akademie der Bildenden Künste in München, später Kunstgeschichte an der Universität München. In Zürich absolvierte er ein Gaststudium bei dem Bauhausmeister Johannes Itten. Als Leiter des Gewerbemuseums der Bayerischen Landesgewerbeanstalt wechselte Heigl 1957 nach Nürnberg.

In seine Amtszeit fiel 1965 die Konzeption für den Neubau der kriegszerstörten Norishalle, die bis 1969 nach Plänen des Architekten Heinrich Graber errichtet wurde. Freimütig gab Heigl stets zu, die ihm 1972 übertragene Aufgabe als Direktor der Kunsthalle nur zögerlich übernommen zu haben, weil er Nürnberg eigentlich verlassen wollte. Schließlich wurde die Direktion der Kunsthalle Nürnberg zu seiner Lebensaufgabe, die er in der Nachfolge des Gründungsdirektors Dietrich Mahlow und unter Übernahme von dessen Sammlungskonzept bis zu seiner Pensionierung 1988 innehielt. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst blieb Heigl eine Eminenz im Nürnberger Kunstbetrieb und war unter anderem langjähriger Vorsitzender der Jury des Kunstpreises der „Nürnberger Nachrichten“.

Bis heute herausragend steht Curt Heigl als Kurator für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, die sowohl regionale, nationale wie internationale Positionen umfassten. Der bekennende Jazz-Fan setzte sich engagiert für die regionale Kunstszene ein und legte einen Schwerpunkt auf das Medium der Zeichnung. Die von ihm begründete „Triennale der Zeichnung“ fand von 1979 bis 1988 statt. Sein Motto lautete „Kunst für alle“ und seine Begeisterung für unterschiedlichste Kunstformen war ansteckend. Unter dem Titel „Museum auf Zeit“ zeigte Heigl von 1974 bis 1976 in der Norishalle Beispiele aus den städtischen Beständen zeitgenössischer Kunst. Heigl erweiterte die Sammlung trotz knapper Mittel kontinuierlich, was letztlich zur Gründung des Neuen Museums führte.

Zu seinen bekanntesten Erwerbungen gehört der Kauf des Gemäldes „Telephone“ des in Nürnberg aufgewachsenen Pop-Art-Künstlers Richard Lindner (1901-1978), das heute eine der Ikonen des Neuen Museums darstellt.
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