VAG testet reinen Elektrobus auf der Buslinie 36

Die Hochvoltaggregate des 10,7 Meter langen Sileo befinden sich auf dem Dach. Die beiden sogenannten Batteriebänke umfassen je 150 Zellen. (Foto: VAG – Peter Roggenthin)
 
Der neue Sileo Elektrobus in der Seitenansicht. (Foto: VAG – Peter Roggenthin)
NÜRNBERG (pm/nf) - Die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg testet diese Woche einen batteriebetriebenen Elektrobus des türkischen Herstellers Bozankaya. Heute, Dienstag, 7. Oktober, ist der Sileo-Bus ohne Fahrgäste unterwegs, am 8. und 9. Oktober 2014 können die Fahrgäste der Buslinie 36 (Plärrer – Doku-Zentrum) mitfahren.

Von einer ersten Probefahrt am heutigen Dienstag waren sowohl der Fahrer Gerhard Freundl wie auch die VAGVorstände Tim Dahlmann-Resing und Michael Richarz beeindruckt. „Wir wollen an der Entwicklung dran bleiben und versprechen uns mit diesem Test erste Einblicke und Erfahrungen mit einem reinen Elektrobus im Linienbetrieb“, formuliert der Technikvorstand der VAG Michael Richarz. „Allerdings können wir noch nicht sagen, ob und wann die VAG Elektrobusse beschaffen und im Linienbetrieb einsetzen wird.“

Ein wesentlicher Grund dafür sind die vergleichsweise hohen Beschaffungskosten. Vor einer Bestellung müsste neben der Wirtschaftlichkeit in jedem Fall auch die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Technologie detailliert bewertet oder nachgewiesen sein. Interessant aus Sicht der VAG ist die garantierte Mindestreichweite des Testbusses. Eine elektrische Ladung reicht laut Herstellerangaben für mindestens 200 Kilometer. Das reicht noch nicht für einen ganztätigen Einsatz auf einer Linie wie der 36, ist aber ausreichend für eine Diensthälfte, wie sie bei der VAG üblich ist. Im Anschluss könnte der Bus aber über einige Stunden nachgeladen werden, um dann im Nachmittagsverkehr wieder zum Einsatz zu kommen.

Die Firma Bozankaya ist als Anbieter kompletter Busse neu auf dem deutschen Markt. Sie fertigt aber schon seit Jahren Baugruppen und Busse in der Türkei. Dort wird auch der Sileo gefertigt. Die elektrische Ausrüstung des Sileo-Busses wurde von einer deutschen Tochterfirma in Wolfenbüttel entwickelt und in einem eigenen Werk in Salzgitter in den dort angelieferten Sileo eingebaut. Der Antrieb des Sileos erfolgt über eine Elektro-Portalachse von ZF Friedrichshafen,
dem weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik.

Die VAG erprobt seit langem immer wieder neue Antriebssysteme und achtet auch beim Kauf neuer Busse auf die Abgaswerte, um die Ökobilanz ihres Busbetriebes weiter zu verbessern. Die Basis stellen derzeit Fahrzeuge mit Erdgas und modernen Dieselmotoren dar. Zudem hat sie seit März 2012 zwei Hybridbusse im Einsatz.

Diese laufen wie reine Dieselbusse sehr zuverlässig. Bei Fahrgästen und Fahrern sind die Busse sehr beliebt und werden gerne genutzt bzw. gefahren. Allerdings hat sich im Langzeitvergleich herausgestellt, dass der Kraftstoffverbrauch doch nur rund 15 Prozent niedriger ist als bei modernen Dieselbussen. Hochgerechnet auf die Einsatzdauer eines Busses von zwölf Jahren können die höheren Investitionskosten somit nicht ausgeglichen werden. Die VAG wird deshalb aus wirtschaftlichen Gründen vorerst keine weiteren Hybridbusse beschaffen.

Bereits bestellt sind aber die Busse der Beschaffungsaktion 2014, die voraussichtlich Ende Januar, Anfang Februar 2015 geliefert werden. Die VAG bekommt dann sechs Solo-Erdgasbusse und fünf Diesel-Gelenkbusse, die alle der Euro-6-Norm, also der derzeit höchsten Abgasnorm, entsprechen.
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