Zukunftscoaches für die Metropolregion Nürnberg: Bilanz und Ausblick

Die Zukunftscoaches am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen, dahinter in der zweiten Reihe (v. l.) Michael Göth (Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg), Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (Weißenburg), Ratsvorsitzender Armin Kroder (Landrat Nürnberger Land), Metropolregion-Geschäftsführerin Dr. Christa Standecker sowie Georg Moser und Sven Wagner vom bayerischen Sozialministerium. (Foto: Europäische Metropolregion Nürnberg)
Statements der Landräte und Oberbürgermeister über das Programm Zukunftscoaches

REGION (pm/nf) - Seit zweieinhalb Jahren entwickeln die Zukunftscoaches in 16 Städten und Landkreisen der Metropolregion Nürnberg passgenaue Aktivitäten und Projekte, die den Kommunen vor Ort beim Management des demografischen Wandels helfen. Ihre Bilanz zum Ende der ersten Projekt-Phase ist beeindruckend: Die Zukunftscoaches initiierten über 250 Einzel-Projekte und Qualifizierungen mit ca. 26.000 unmittelbaren Teilnehmern. Sie arbeiten in über 270 Netzwerken mit rund 7.000 Akteuren mit und organisierten über 350 Veranstaltungen, durch die 88.000 Personen erreicht wurden.

Die Metropolregion Nürnberg ist in Teilen besonders vom demografi- schen Wandel betroffen. Die Bevölkerungsprognose des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung besagt: Bis 2032 wird die Bevölkerungszahl in der Metropolregion Nürnberg um 2,7 Prozent sinken. Das hat gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat ergeben, dass bereits im Jahre 2013 aus Mangel an Bewerbern 19.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden konnten. Nach Prognosen des IHK- Fachkräftemonitors werden der Metropolregion Nürnberg im Jahr 2020 rund 90.000 Fachkräfte fehlen, im Jahr 2030 rund 160.000 Fachkräfte.

Die Zukunftscoaches stoßen Aktivitäten an, die hier gegensteuern: Es geht um die Aktivierung der „stillen Reserve“ (Frauen, Langzeitarbeitslose, ältere Beschäftigte etc.), um die Sensibilisierung der Unternehmen für die Herausforderungen des demografischen Wandels und um die Zukunftsfähigkeit der Firmen. Die zentralen Zukunftscoaches in der Geschäftsstelle der Metropolregion organisieren den Erfahrungsaustausch unter den Zukunftscoaches. Erfolgreiche Projekte werden so schnell in der Region verbreitet. Sie halten die Verbindung zu den Wirtschaftskammern, der Arbeitsagentur und anderen wichtigen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt. Schließlich entwickeln sie eigene Projekte, die für die gesamte Metropolregion relevant sind.

So ist ein funktionierendes Netzwerk für den gemeinsamen Arbeitsmarkt der Metropolregion Nürnberg entstanden. Dieses Netzwerk wird sich allerdings in der zweiten Förderperiode 2014-2020 verändern: Voraussichtlich fünf der 16 bisherigen Zukunftscoaches werden ihre Arbeit unverändert fortsetzen, zwei neue Kommunen prüfen die Beantragung. Hintergrund: Bisher wurde das Programm Zukunftscoaches zu 70 Prozent vom bayerischen Sozialministerium unter Einbeziehung von Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Die restlichen Mittel bringen die Kommunen auf, bei denen die Zukunftscoaches tätig sind.
In der zweiten Förderperiode sinkt die Förderquote allerdings auf 50 Prozent. Das, sowie die eng gefassten Förderbedingungen und hohen formalen Anforderungen haben einige der beteiligten Kommunen bewogen, keinen weiteren Förderantrag zu stellen, sondern nach alternativen Fördermöglichkeiten für die kommunale Arbeitsmarktpolitik zu suchen. Das erfolgreiche Netzwerk wird dennoch weitergeführt, unabhängig davon, ob die Beteiligten vom ESF gefördert werden oder nicht.

Das sagen Landräte und Oberbürgermeister über ihre Erfahrungen mit dem Programm Zukunftscoaches:

Landrat Armin Kroder (Nürnberger Land): „Im Nürnberger Land haben wir mit dem Zukunftscoach erfolgreich auf den Schwerpunkt Bildung gesetzt. (Weiter-) Bildung für Menschen in allen Lebensphasen; die am Bildungsprozess Beteiligten vernetzen, usw. – das Thema Bildung als Standortfaktor haben wir auf diese Weise aussichtsreich gestärkt. Nachwuchskräfte gewinnen und Fachkräfte sichern – auch dazu hat unser Zukunftscoach mit Aktivitäten und Projekten wesentlich beigetragen. Das Projekt Zukunftscoach ist sowohl für den Landkreis Nürnberger Land, als auch für die gesamte Metropolregion Nürnberg überaus erfolgreich abgelaufen. Beim Aufbau des erfolgreichen Netzwerks Zukunftscoaches, mit vielen wichtigen Akteuren am Arbeitsmarkt, spielten insbesondere die zentralen Zukunftscoaches eine entscheidende Rolle. Zukünftig wünschenswert wäre es einen zentralen Zukunftscoach zu erhalten.“

Landrat Gerhard Wägemann (Weißenburg-Gunzenhausen): „Unser Zukunftscoach hat erfolgreich gearbeitet und war vor allem in den Bereichen Bildung, Familienfreundlichkeit und Willkommenskultur für unseren Landkreis tätig. Wir haben uns damit dem demographischen Wandel gestellt und werden dies weiter tun. Das Netzwerk der Zukunftscoaches hat sich bewährt. Alle Beteiligten sind sich einig: es wird weiterhin bestehen bleiben, egal ob mit ESF-Förderung oder ohne. Die erfolgreiche Zusammenarbeit kann dadurch fortgeführt werden.“

Landrat Herbert Eckstein (Roth): „Bei den Themen Stille Reserven, Integration schwächerer Jugendlicher in den Arbeitsmarkt und Nachwuchsgewinnung in der Altenpflege hat der Landkreis Impulse bekommen und ist jetzt besser aufgestellt. Der ESF-Förderrahmen ist jedoch nicht immer praxisgerecht.“

Die Oberbürgermeister Andreas Starke (Bamberg) und Franz Stumpf (Forchheim), sowie die Landräte Johann Kalb (Bamberg) und Herrmann Ulm (Forchheim): „Die Zukunftscoaches in der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim befassten sich im Projektzeitraum vorrangig mit der Planung von Maßnahmen, um zukünftige Anforderungen des regionalen Arbeitsmarktes besser bewältigen zu können und die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen zu stärken. Die angestoßenen Aus-, Fort- und Weiterbildungsinitiativen in der Fachkräfteausbildung, im Tourismusbereich und in der Altenpflege hatten oberfrankenweit Pilotcharakter. Auch der Ansatz, in Kooperation mit Unternehmern und Wirtschaftsförderungen regional eine nachhaltige Willkommenskultur zu etablieren zeigt, dass dieses Projekt keinesfalls zeitlich begrenzt ist, sondern durch neu geschaffene Netzwerke auch in Zukunft weiter wirkt. Die gute und produktive Zusammenarbeit zwischen den Zukunftscoaches der Regionalmanagement Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim GmbH und regionalen Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft und anderer staatlichen Stellen zeigt, dass ein zielgerichtetes, vernetztes „Miteinander“ der beste Weg ist, die Auswirkungen des Demografischen Wandels abzufedern.“

Landrat Willibald Gailler (Neumarkt): „Um den drohenden Schattenseiten des demografischen Wandels entgegenzuwirken, sind neue Ideen gefragt. Unsere Zukunftscoaches arbeiten mit Hochdruck daran, kreative Projekte für die Zukunft unseres Landkreises und damit auch für die Zukunft der Metropolregion zu entwickeln und mit Erfolg umzusetzen.“

Landrat Christian Meißner (Lichtenfels): „Dank an alle, die den Zukunftscoach ermöglicht haben. Mit Köpfen allein bewegt man jedoch keine Region – die Ausstattung mit Projektmitteln á la LEADER hätte die Nachhaltigkeit und die Erfolge der Zukunftscoaches stärker befördert.“
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