Das Skelett im Keller: Neuer Krimi von Silke Porath und Sören Drescher

Silke Porath (Foto: © privat)
REGION (vs) - Die Ausgangslage ist eigentlich gar nicht mal so schlecht: Eine Wohltäterin vererbt dem Kloster mit dem Namen „Brüderlicher Orden“ ein großes Gebäude im Zentrum von Balingen. Führer war dort einmal das Landratsamt untergebracht, doch seit einigen Jahren steht es leer. Pater Pius und Bruder Johannes haben den Auftrag vom Brüderlichen Orden bekommen, das Gebäude zu inspizieren, um die Möglichkeit, für ein neues Konvent auszuloten. Als Pater Pius im Keller ein Skelett findet, ist es für die beiden Glaubensbrüder eine Herausforderung, die beiden Polizisten Torben Fischer und Verena Hälble bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Denn bei dem Toten handelt es sich nicht um einen historischen Fund, sondern wahrscheinlich um die Überreste eines noch nicht vor langer Zeit verübten Verbrechens.
Silke Porath (Balingen) und Sören Prescher (Nürnberg) haben den Roman „Klosterkeller“ zusammen geschrieben. Trotzdem ist ein Werk aus einem Guss entstanden. Es ist ein echter Krimi, wo die Leserinnen und Leser sich zusammen mit den Ermittlern auf die Tätersuche begeben können. „Klosterkeller“ ist spannend und unterhaltend zugleich. Die Handlung ist glaubwürdig, die Auflösung nicht vorhersehbar und stimmig.
Wenn man Kritik anbringen möchte, dann an der Darstellung der beiden Ordensleute: Pius und Johannes lassen kein Mönch-Klischee - liebenswürdig, beleibt und unbeholfen – aus. Wenn man auf der anderen Seite bedenkt, dass Pius der Prior, also Vorsteher (das entspricht dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens) eines Klosters ist, dann wirkt er in der ihm zugedachten Rolle nicht immer glaubwürdig. Die Szene, wo Pius einem Skelett die Sterbesakramente erteilt, wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt gewesen, zu erklären, dass der angebliche Ordensmann kein Priester, sondern ein Betrüger ist: Ein Priester, der ein solches Sakrileg begeht, hat in einem katholischen Orden nichts zu suchen.

Dödelsender Donauwelle

Von den Autoren beabsichtigt oder nicht. Für den Rezensenten das humoristische Sahnehäubchen beim Krimi „Klosterkeller“ ist das „Radio Donauwelle“. Zum Hintergrund: Der Roman ist in 20 Kapitel (Stufen oder Schdapfeln) unterteilt. Jedes Kapitel beginnt mit einer Ansage von „Radio Donauwelle“. Das ist ein typischer Lokalsender mit jungen Moderatoren und Reportern, die ihre Zuhörer grundsätzlich duzen, immer wieder betonen, wie toll und einzigartig ihr Sender ist, meinen ohne Unterlass witzig sein zu müssen (selbst wenn es um einen LKW-Unfall geht) und versuchen, mangelndes journalistisches Können durch Plattitüden zu überdecken. Und das Ganze wird durch das Abspielen bekannter und weniger bekannter Songs überwiegend aus dem Pop- und Rockgenre aufgelockert.

Fazit: „Klosterkeller“ ist Humoreske und Krimi in einem, spannend und unterhaltsam zugleich.

"Klosterkeller" ist im Gemeiner Verlag erschienen und kann unter ISBN 978-3-8392-1829-7 über den Buchhandel bestellt werden.

Rezension für den MarktSpiegel

Victor Schlampp
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